Korrespondenz aus der Uni

Wir bedanken uns für die Zusendung folgender Leser-Korrespondenz aus der Uni, die über die Lage der Studierenden mit dem neuen Semesterbeginn berichtet. Die Initiative von mehreren Studentinnen und Studenten uns eine gemeinsame Korrespondenz zuzusenden freut uns sehr, da sie unterstreicht, dass es gemeinsame Probleme von Studierenden sind, die immer drängender werden!

Korrespondenz von der Uni

Verfasst von Studierenden der Soziologie, der Technischen Physik, der Informatik und Lehramt Mathematik (Universität Wien und Technische Universität Wien)

Drei Semester lang waren die Unis für Studierende (mit wenigen Ausnahmen) geschlossen: Vorlesungssäle, Seminarräume, lange Zeit auch Labore, Sporthallen, Bibliotheken, Lesesäle…

Für viele ist die Situation erschwert worden, weil sie keinen ruhigen Lernplatz daheim hatten. Oder weil sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind aufgrund von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit der Eltern und/oder weil sie ihren Job verloren haben. Fürs Online-Studium braucht man ziemlich viele Ressourcen. Dass die Uni-Schließungen unter diesen Bedingungen manchen das Studieren (fast) unmöglich gemacht haben, ist unserer Meinung nach eine der schlimmsten Folgen, die diese 1½ Jahre mit sich gebracht haben.

Das andere ist die Isolation. Nach so langer Zeit alleine vor dem Bildschirm war Kraft und Konzentration bei vielen irgendwann einfach weg. Das hat den sowieso seit Jahren zunehmenden Leistungsdruck unermesslich gesteigert. Und auch die Vereinzelung und Entpolitisierung der Studierenden wurde weiter vertieft. Die Uni wurde noch mehr auf ihre Funktion als Ausbildungsort reduziert, an dem nur noch das Sammeln von Abschlüssen und ECTS-Punkten zählt. So bekommt man mit den Uni-Lockdowns die jahrelangen Einsparungen zu spüren wie noch nie.

Wird nächstes Semester anders? Es soll auf die sogenannte “Hybridlehre” – d.h. teils Präsenz teils Online – umgestellt werden. Und jetzt schon heißt es, der Unterricht würde online stattfinden, weil es nicht genügend Räume für einen pandemiegerechten Unterricht gibt. Jetzt schon heißt es, es wird nächstes Jahr wegen den Abstandsregeln sogar noch weniger Plätze in Lesesälen geben. Einige überlegen, wie es sich ausgehen soll, eine Präsenzvorlesung zu besuchen und 15 Minuten später eine Online-Vorlesung zu haben, wenn es nicht genügend Lernräume an den Unis gibt. Andere sind extra nach Wien gekommen – und haben erst jetzt erfahren, dass doch alle zu besuchenden Lehrveranstaltungen online sind.

Die Unis müssen unter angemessenen Gesundheitsmaßnahmen unbedingt wieder öffnen! Dass das allein aber noch nicht alle Probleme löst, steht aber ebenso außer Frage.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s