MAN: Nein zu Einzelgesprächen!

Seit Ende des Betriebsurlaubs, mit 23. August, laufen bei MAN in Steyr nun schon die Einzelgespräche (wir berichteten). Zu Recht sind die Arbeiter enttäuscht und zornig über das Stillhalten der Gewerkschaft und deshalb standen die Kollegen vom Arbeiterstammtisch auch wieder vorm Werk, um sich gemeinsam gegen diese Schweinerei zusammenzuschließen.

Nein zu Einzelgesprächen! Wir Arbeiter verhandeln kollektiv!“, lautet die Überschrift des Flugblatts vom Arbeiterstammtisch Linz/Steyr und damit treffen sie genau den Kern der Sache, denn die Stärke der Arbeiterklasse liegt in ihrem Zusammenschluss. Nicht umsonst wurden durch die Arbeiterbewegung Kollektivverträge erkämpft, nicht umsonst gibt es ein Arbeitsrecht, welches kollektive Anwendung findet, nicht umsonst schuf sich die Arbeiterbewegung einst eine Arbeitslosen- und Krankenversicherung und die Arbeiter schlossen sich in Gewerkschaften zusammen. Die heutige ÖGB-Führung scheint das allerdings anders zu sehen: verkündeten die MAN-Gewerkschaftsvertreter vor einem Monat noch groß, dass das Angebot von Wolf noch nachgebessert werden müsse, zeigen sie jetzt offen ihre volle Kapitulation (oder Kooperation mit Wolf)!

Die Einzelgespräche die jetzt geführt werden zwingen die Arbeiter dazu „freiwillig“ ihre Verträge zu kündigen und neue abzuschließen. „Bei den Einzelgesprächen sieht man nur den Bruttolohn, viele wissen dann gar nicht was raus kommt. Zudem fallen viele Zulagen und Zuschüsse weg, auch da weiß man nicht konkret was rauskommt. Man muss aber entweder gleich unterschreiben, oder gar nicht.“, berichtete ein Arbeiter. Die Einzelgespräche zwingen dazu Verschlechterungen zuzustimmen. Und Siegfried Wolf? Der ist fein raus, hat keine Probleme mehr mit der Standortsicherung, muss keine „Altlasten“ an guten Verträgen weiterführen und kann ganz planmäßig seine Umstrukturierung voranbringen. Und die ProGe-Vertretung? Sie gibt ihm Schützendeckung. Verschlechterungen, massive Lohnkürzungen und Kündigungen werden einfach so hingenommen, im Sinne der „Rettung“. Selbst die Abfertigungen für jene die „gehen wollen“ wurden eingefroren! Wo bleibt der Aufschrei, Maßnahmen, die öffentlichen Betriebsversammlungen … wo bleiben die Taten, die sie schon im Oktober 2020 von den sozialdemokratischen Gewerkschaftsfunktionären angekündigt wurden?! „Es bestätigt sich einmal mehr, was wir schon im Oktober gesehen haben. Der ÖGB-Führung setzte auf Abwarten, alleine durch unserer Initiative der Demonstration wurden sie damals aktiv – es folgte prompt eine Betriebsversammlung, sogar eine öffentliche mit Demonstrationszug.“, so ein Kollege des Arbeiterstammtisches.

Die Stimmung unter der Belegschaft spiegelt das wieder: „Für das zahlen wir 50€ im Monat an Beiträgen!“, meinte einer der MAN Arbeiter dazu. „Jeder schaut jetzt auf sich selbst und keiner weiß was auf einen zukommt. Durch unsere ‚Vertreter‘ wird aktuell der oft betonte Zusammenhalt in den Dreck geworfen“, berichtete ein andere Arbeiter. Es herrscht Enttäuschung und Zorn. Immer mehr breitet sich vor allem auch Resignation aus. Keiner weiß recht was man tun kann. Wo ansetzen? Wie organisieren? Das ist auch nicht verwunderlich, handelt es sich doch um einen Betrieb jener Branche wo die Gewerkschaft bisher sehr fest verankert war, stark auftrat und vieles für die Belegschaft herausholte. Jetzt ist die Belegschaft in dieser Hinsicht vereinzelt, hat jedoch durch den industriellen Großbetrieb die beste Voraussetzungen sich zu organisieren. „Darum geht es schlussendlich. Die Arbeiterschaft in Österreich steht heute ganz offensichtlich ohne einer Gewerkschaft da die auch in ihrem Interesse agieren würde. Wir müssen das selber machen. Das ist sicher nicht einfach und steht zudem noch ganz am Anfang. Aber der rasante Abbau von Arbeitsrechten, die hohe Arbeitslosigkeit, die Steigerung der Arbeitsintensität usw., das führt uns deutlich vor Augen, das es höchste Zeit ist dafür!“, so die Position der Kollegen vom Arbeiterstammtisch, welche abschließend meinten „Glück auf Kollegen, es liegt an uns selbst uns zu wehren!“

Lisa F.

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