Frankreich: Geplante Corona-Maßnahmen lösen erneut Massenproteste aus.

Seit Wochen demonstrieren in ganz Frankreich Hunderttausende gegen die Verschärfung der Corona-Maßnahmengesetze. Am Samstag nahmen rund 237.000 Menschen an den Protesten teil. In Lyon setzte die Polizei Tränengas gegen die Demonstranten ein.

Ende Juli hat das französische Parlament die Verschärfung der Corona-Maßnahmen beschlossen. So lauten die erweiterten Regelungen bezüglich des Gesundheitspasses: beim Betreten von Restaurants und Cafés, Gesundheitseinrichtungen, manchen Einkaufszentren, Messen und Jahrmärkten sowie für Fernreisen in öffentlichen Verkehrsmitteln muss eine Impfung, eine Genesung oder ein Negativ-Test nachgewiesen werden. Zudem sieht das Gesetz eine Corona-Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegekräfte sowie für Feuerwehrleute und andere Rettungskräfte vor, bei Kündigung jener die sich nicht impfen lassen.

Kritiker sprechen von einer „Impfpflicht durch die Hintertür“.

Die Protestierenden richten sich gegen antidemokratische Maßnahmen im Zuge der neuen Gesetze und sprechen sich gegen eine Impfpflicht aus. „Unsere Freiheiten sterben“ war auf Plakaten der Demonstranten zu lesen. Eine 55 Jahre alte Pariserin meinte: „Es ist ein unglaublicher Schlag gegen unsere Grundfreiheiten, also stimme ich nicht zu.“ Ein weiterer Teilnehmer meinte „Ich bin nicht unbedingt Impfgegner, aber es stört mich, dass man mir diese Impfung aufzwingt (…)“.

Vier aufeinanderfolgende Wochenenden gingen Tausende in Frankreich auf die Straße um gegen die Pandemie-Politik der Regierung zu protestieren. Die bislang größte Kundgebung seit Beginn der neuen Massenproteste war vergangenes Monat. Die Herrschenden fürchten auch ein Wiedererstarken der „Gelbwesten“-Bewegung (eine Protestbewegung, die sich Ende 2018 gegen höhere Benzinpreise entwickelte). Denn große Teile der ehemaligen „Gelbwesten“ sind heute Teil dieser neuen Proteste.

Französische Regierung macht Zugeständnisse.

Die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen in Frankreich zeigen Wirkung: Die Regierung lockerte erste Regeln, so sollen beispielsweise negative Tests 72 Stunden gelten und nicht wie ursprünglich vorgesehen nur 48 Stunden. Frankreich steckt derzeit in einer vierten Corona-Welle. Innerhalb einer Woche gab es zuletzt landesweit etwa 225 neue Fälle auf 100.000 Einwohner. Dabei sind es nicht strengere Maßnahmen gegen die Bevölkerung die notwendig wären, sondern ein Ausbau des öffentlichen Gesundheitssystems.

Das Gesundheitssystem in Frankreich, einst „Stolz der Nation“ genannt, jetzt in desolatem Zustand. 3,8 Millionen Franzosen leben überhaupt in „medizinischen Mangelgebieten“. Teilweise kommen dort auf 10.000 Einwohner weniger als fünf Ärzte! Laut Gesundheitsministerium fehlen in 11.329 französischen Kommunen Allgemeinmediziner. Jeder zweite französische Arzt ist heute über 60. Die von Präsident Macron angekündigte umfangreiche Gesundheitsreform ändert gar nichts, während sich die medizinische Wüste im Land weiter ausbreitet. Keine Einschränkungen der Bevölkerung, es braucht ein flächendeckendes Gesundheitswesen mit ausreichend Personal bei entsprechender Entlohnung!

Katja B.

Eine Antwort zu “Frankreich: Geplante Corona-Maßnahmen lösen erneut Massenproteste aus.

  1. Leider, Traurig, Auch Frankreich (wie der Rest Europas), die Franzosen sind ein Opfer des heute herrschenden Neoliberalismus der mit seinen soziopathischen Vorstellungen alles gemeinschaftlich humane zerstört hat u.a. das öffentliche Gesundheitssystem und den Beruf des Hausarztes. Bei genauer Betrachtung wurden hunderte einstige wohlwollende Berufe, Tätigkeiten die einst dem sozialen Bereich zugeordnet wurden einem paranoiden kosten nutzen Zwang /Verursachergerechten Kosten untergeordnet in welchem Investoren am Ende alles sind.

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