Massive Überschwemmungen: Es braucht Hochwasserschutz der wirklich hilft!

„ Zehn Jahre hat es gedauert bis ich mein Haus samt Garten schön hergerichtet hatte und in elf Stunden war alles kaputt.“

Überschwemmungen, Murenabgänge, Hagel und Stürme erschütterten im Sommer zahlreiche Gebiete in Österreich. Millionenschäden in der Landwirtschaft, Infrastruktur und vor allem bei Leuten deren Häuser zerstört oder stark beschädigt sind. Das Hochwasser in Deutschland kostete über 180 Menschen das Leben, das Frühwarnsystem hat nicht funktioniert… In Belgien starben mehr als 220. Dieser Sommer hat uns dramatisch vor Augen geführt: es braucht Hochwasserschutz der wirklich hilft und volle Übernahme der Schäden für die Betroffenen!

Jeder kennt die Bilder: der Kothbach hat sich zu einem reißenden Fluss entwickelt und die Innenstadt von Hallein geflutet. Auch Tirol, Oberösterreich, Teile Niederösterreichs und Wien waren vom Hochwasser betroffen. Dank sehr vieler freiwilligen Helfer, wurden die Betroffenen meist bei den Aufräumarbeiten unterstützt. Nun stehen viele vor Trümmerhaufen, aber das Geld fehlt oft um Häuser, Wohnungen und Ausstattung wieder aufzubauen oder zu kaufen. Versicherungen für Naturkatastrophen sind keine Garantie, denn meist übernehmen sie nur einen geringen Anteil der Schäden. Die Uniqua als einer der größten Anbieter, sieht bei Hochwasser eine Deckung von maximal 16.000 Euro pro Schadensfall vor, die meisten anderen Anbieter bezahlen nicht mehr als 10.000. Oft werden in Österreich Hochwasserschäden aus Katastrophenschutzmitteln, aus Steuergelder, bezahlt, worauf es jedoch keinen Rechtsanspruch gibt. In Niederösterreich werden nur bis zu 20 Prozent des Gesamtschadens ersetzt. In der Gemeinde Schrattenberg bekam eine Frau deren Haus vom Hagel stark getroffen war, lächerliche 1.600 Euro Schadensersatz. „So viel habe ich allein für neue Bretter und Folie ausgegeben“, klagt die betroffene Frau. Nun fordert der Sprecher der Kärntner Versicherer eine „gesetzliche Pflichtversicherung für Naturkatastrophen“, in die jeder einzahlen soll. Klar ist, dass Versicherungen großes Interesse daran haben, wenn jeder noch einen zusätzlichen Pflichtbeitrag zahlen müsste. Es braucht jedoch keine zusätzliche Pflichtversicherung die vor allem Geld in die Kassen der Versicherungsunternehmen spült, sondern es braucht geeignete Hochwasserschutzmaßnahmen und genügend Schadensersatz für die Betroffenen.

Die EU-Kommission machte nach den zahlreichen Unwetterschäden in Europa den Vorstoß, den Katastrophenschutz auf EU-Ebene zu zentralisieren, finanziert durch die Mitgliedsländer. Eigene Einheiten für den Katastrophenschutz sollen geschaffen und Gerätschaften angeschafft werden. Abgesehen davon, dass sich diese „Zentralstelle“ gegen die Souveränität und Selbstbestimmung der Länder richtet, soll die Neuaufstellung des EU-Katastrophenschutzes über Ausschreibungen laufen, mit privaten Anbietern. Das würde die Privatisierung des Katastrophenschutzes (auch bspw. der Feuerwehren) heißen und noch mehr die Tendenz verstärken, dass nur da „geholfen“ wird, wo es sich auch „auszahlt“.

In Kufstein (Tirol), das auch heuer stark von den Überschwemmungen betroffen war, ist seit mehr als drei Jahren die Gefahrenlage durch die drei Stadtbäche Kienbach, Kreuzbach und Mitterndorfer Bach bekannt. Diese sind seit Jahrzehnten beinahe komplett verbaut und kanalisiert, weshalb man schon lange mit einer weitreichenden Überschwemmungsgefahr rechnete – doch gemacht wurde nichts! Die Bewohner bekamen nun die Rechnung präsentiert und leiden unter den Auswirkungen. Auch in Hallein war die Überschwemmungsgefahr durch den Kothbach seit Jahren bekannt, jedoch folgten keinerlei Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung.

Die häufigste Hochwassermaßnahme sind neue Verbauungen, wie Staumauern. Diese helfen zwar in einigen Fällen, können aber das Grundproblem nicht lösen. Gerne nehmen die Herrschenden als Ursache den „Klimawandel“ in den Mund, um sich damit von der Verantwortung abzuputzen. Doch nicht nur Wetterbedingungen, sondern vor allem die Versiegelung der Böden durch Verbauung fördert die Hochwassergefahr in Österreich. Flüsse brauchen ausreichend Platz, damit sie bei extremen Niederschlägen Wasser aufnehmen können. Ein Hektar unversiegelter Boden kann 2.000 m³ Wasser speichern. Anstatt ausreichend Fläche für Hochwassergefahren zu schaffen, wird der Boden weiter verbaut. Eine Studie des WWF zeigt, dass entlang der größten Flüsse wie Donau, Inn und Enns in den letzten 50 Jahren knapp zweimal die Fläche Wiens verloren gegangen ist, also 720 Quadratkilometer. Der größte Teil davon in den letzten Jahren. Für die Kapitalisten ist dieser Hochwasserschutz jedoch nicht „lukrativ“, im Gegensatz zu Großprojekten wie bpsw. Staumauern. Diese sind oft lukrative Investitionen, weshalb beispielsweise in Hallein die ÖVP-Stadtregierung gerade auf diese Lösung drängte, anstatt über die Auswirkungen der Bodenversie- gelung zu sprechen. Die massive Verbauung der Flüsse liegt im Interesse der Herrschenden, da es ihnen nicht um den Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser, sondern einzig und allein um Kapitalinvestitionen und neue Anlage- möglichkeiten geht.

Es zeigt sich immer mehr, dass Hochwasserschutz der wirklich hilft von den „einfachen“ Leuten erkämpft werden muss. So wie heute schon die Solidarität unter den Leuten oft die schlimmsten Auswirkungen verhindert, gilt es auch sich für einen Umwelt- und Hochwasserschutz zusammenzuschließen der im Interesse der Arbeiter und des Volkes ist.

Johanna K.

Viele haben alles verloren.

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