Herma Bauma: Eine Olympiasiegerin der anderen Art.

Die olympischen Spiele in Tokio waren für das österreichische Komitee der beste Erfolg seit 2004 in Athen. Bemerkenswert war dabei nicht nur die Radsportlerin Anna Kiesenhofer, die als Amateursportlerin Gold holte, sondern ebenso der Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger, der als erster männlicher Leichtathlet überhaupt einen österreichischen Stockerlplatz bei Olympia errang. Als Wintersportnation ist Österreich vor allem in den Wintersportarten auf den Siegerplätzen häufig vertreten. Doch es lohnt sich auch einen Blick auf jene Sportlerinnen und Sportler zu richten, welche heute nicht gerne ins Rampenlicht gestellt werden – wegen ihrer sportlichen Disziplin und wegen ihrer politischen Haltung.

Eine dieser Sportlerinnen ist die Wiener Leichtathletin Herma Bauma. So wie Lukas Weißhaidinger der erste männliche österreichische Leichtathlet mit Stockerlplatz ist, war das „Wiener Arbeitermädel“ Herma Bauma die bisher einzige Österreicherin, die in der Disziplin Leichtathletik eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen holte. 1948 errang die damals 33-jährige mit ihrer sportlichen Leistung im Speerwurf (47,75 m) bei den Olympischen Spielen in London den Siegerplatz und stellte damit einen neuen Weltrekord auf. Bei der Wahl für „Österreichs Sportlerinnen des Jahrhunderts“ landete Herma Bauma nach der Skirennläuferin Annemarie Moser-Pröll auf Platz zwei. Trotzdem ist Herma Bauma heute de facto in Vergessenheit geraten, zu unangenehm sind den Herrschenden solche Sportlerinnen wie Bauma, die nicht nur aus der Arbeiterklasse hervorgingen, sondern mit dieser Klasse auch verbunden blieben und sich ihr politisch verpflichteten. Obwohl Herma Bauma nach ihrem Olympiasieg „alle Türen offenen standen“ eine sportliche Karriere zu führen, wählte sie einen anderen Weg und betätigte sich als Sportjournalistin in unterschiedlichen Organen der Kommunistischen Partei Österreichs und Funktionärin im Allgemeinen Sport-Verband Österreichs (ASVÖ) um ihre Kraft für den „Kampf um eine einheitliche, überparteiliche, demokratische und antifaschistische Sportbewegung“ einzusetzen. Unter vielen anderen Sportlerinnen und Sportlern war Herma Bauma sicher eines der bekanntesten Gesichter, die sich nach dem 2. Weltkrieg unter dem Einfluss der KPÖ organisierte. Sie nutzte ihre Bekanntheit, um den Anliegen der Arbieter und des Volkes zu verbreiten. Damit verlieh sie dem Kampf gegen den drohenden Krieg, gegen den Einsatz der Atombome und für den Erhalt des Frieden eine starke Stimme und bekräftigte das Ziel eines volksdemokratisches Österreich.

Für Bauma war der Sport die große Leidenschaft ihres Lebens, aber trotzdem verstand sie ihn nie als Selbstzweck. Inspiriert und geleitet von der politischen Linie der KPÖ, arbeitete sie unermüdlich daran Sportvereine aufzubauen die der Arbeiterklasse und den breiten Massen nützlich sein sollten und nicht für die Karriere einiger Weniger mit denen sich dann gutes Geld verdienen lässt. Um die Beteiligung der breiten Teile der Massen am Sport zu fördern, richtete der ASVÖ als erster Sportverband überhaupt auch ein eigenes Frauenreferat ein, wo Bauma zur Verantwortlichen für Frauensport wurde.

Gerade heute, wo Sport oft nur mehr als lukratives Geschäft behandelt wird, wären Sportlerinnen wie Bauma dringend notwendig. Sie sollte dazu inspirieren Mut und Kampfkraft im Sport zu haben für einen „anderen Weg“ einzutreten, einen Weg im Dienste der Arbeiterklasse und der breiten Massen.

Nadia K.

Herma Bauma als Vorsitzende der Friedensversammlung des Bund Demokratischer Frauen im November 1948 in Wien.

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