Seezugang in Österreich: Kampf um Erholungsgebiet, Kultur- und Naturgut

Der Seezugang für die Bevölkerung wird immer weiter eingeschränkt. Das führt im ganzen Land zu gerechtfertigter Empörung. Auch die Politik bekennt sich gerne zum „freien Seezugang“, doch sehen wir immer mehr, dass gerade durch die Herrschenden der Seezugang immer weiter beschnitten wird, mit korrupten und auch „legalen“ Methoden.

Die zehn größten Seen Österreichs sind nur an 15-25% ihrer Uferflächen für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Das liegt zum größten Teil daran, dass der Rest in privater Hand ist. Oft verbieten diese privaten Grundbesitzer nicht nur den Zugang zum See, sondern errichten Zäune und Mauern, mit denen sie sogar den Blick auf den See versperren. [1]

Besonders viel diskutiert ist hier der Attersee. 76% seiner Ufer sind für die Öffentlichkeit unzugänglich, womit er einer der am meisten verbauten Seen in Österreich ist. Karl Leitner, ein örtlichen Sprecher für ein Bauunternehmen war sogar so frech zu behaupten, dass der Attersee deshalb so zugebaut wird, weil die Grundstücke bei den Menschen die in der Region arbeiten so begehrt wären. Ein 1000m²-Grundstück am Attersee kostet ca. 2 Millionen. Diese Behauptung ist eine Frechheit, denn offensichtlich sind es in Wirklichkeit Zweitwohnsitze für Reiche.

Zugebaut wird der Attersee derzeit unter anderem von Hannes Androsch in Weißenbach, was für große Empörung sorgt. Aber auch die staatlichen Bundesforste, haben wegen Großbauprojekten Dreck am Stecken. Mit 82% des Seeufers steht der Wörthersee auf Platz eins der für die Öffentlichkeit unzugänglichen Seen.

Es gibt viele Initiativen und eine große Wut in der Bevölkerung gegen die Verbauung. Das hat auch der kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) verstanden, und unterstützt zum Stimmenfang viele dieser Kampagnen mit Hilfe der Bundesforste. Verschiedene Initiativen kritisiert aber, dass die Bundesforste Grundstücke an Frank Stronach, dem Milliardär und Hobbypolitiker für ein „touristisches Großprojekt“ verkauft haben. Auch andere Beispiele zeigen, dass die Privatisierung und Verbauung der österreichischen Seen großteils im Interesse der Monopolkapitalisten steht. So gehört der gesamte Neusiedlersee der Esterházy-Stiftung, und der Mondsee in Oberösterreich der Grünen Nicoletta Waechter. Und während der Bodensee in Vorarlberg wegen dem allgemeinen Bauverbot auf Seegrundstücken zwar unverbaut ist, ist er gleichzeitig einer der teuersten Seen in Österreich.

Auch bei zugänglichen Seen findet man kaum noch Bademöglichkeiten mit freiem Eintritt. Die Kosten variieren von Ort zu Ort (siehe Grafik). Oft ist es aber so, dass es dort, wo gratis Eintritt ist, so gut wie keine Infrastruktur (Umkleidekabinen, Duschen, Kinderbereiche, Seniorenfreundlich etc.) gibt. Das macht diese z.B. für Alleinerzieherinnen und Senioren schwerer benutzbar. Und während eine Seniorenkarte am Neusiedlersee vor einigen Jahren noch 35 € kostete, sind es heute 52€!

Das alles bedeutet für die Bevölkerung den Verlust von wichtigen Erholungsgebieten, Kultur- und Naturgut in Österreich, während die Arbeiter und andere Teile der Bevölkerung, bei denen immer weiter gekürzt wird, diesen dringend brauchen würden. Diese Entwicklung folgt allein den Interessen der Monopolkapitalisten und ihrem privaten Grundbesitz. Denn hinter den Seegrundstücken steht großes Geld, wie zum Beispiel im Tourismus.

Es ist deshalb wichtig und zutiefst gerechtfertigt dass sich in zahllosen Gemeinden in ganz Österreich Initiativen gegründet haben, die dagegen kämpfen. Dass Teile der Herrschenden in ganz Österreich die Forderung nach „freiem Seezugang“ nun selber aufgreifen, ist aber mehr als heuchlerisch, wenn man sieht wenn die SPÖ an Frank Stronach verkauft. Und seitdem Oberösterreich sich in der Landesverfassung zum freien Seezugang bekennt, ist der Attersee noch weiter verbaut worden. Der vollkommen „freie“ Seezugang hieße im Gegenteil aber auch, dass jedes private Seegrundstück für alle Touristen und Spaziergänger geöffnet werden müsste, und würde den Druck auf jeden „Opa mit dem Fischerhüttl“, sein Seegrundstück an Großimmobilienunternehmen zu verkaufen noch erhöhen. Also „frei“, wieder nur im Sinne des Kapitals, deshalb wird diese Forderung auch besonders von Tourismusvertretern vorgebracht.

Im Interesse der Arbeiter und des Volkes wäre es stattdessen, für den Ausbau von kostenlosen öffentlichen Bädern zu kämpfen und den Seezugang für die Bevölkerung und nicht Zweitwohnsitze zu ermöglichen. Der Zugang zum „freien Nass“ wird uns nicht geschenkt werden, dafür braucht es Zusammenschluss und gemeinsamen Kampf.

Hannes L.

[1] Für detaillierte Informationen gibt es eine Interaktive Karte des Addendum-Forums (jetzt im Archiv abrufbar) https://www.addendum.org/seezugang/welche-seen-zugaenglich-sind/

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