Leserbrief: Beim Pflichtpraktikum ausgenutzt

Im Folgenden möchten wir einen Leserbrief veröffentlichen der uns zugesendet wurde.

Beim Pflichtpraktikum ausgenutzt

Ich habe für die HTL ein Ferialpraktikum bei einem KFZ-Mechaniker gemacht. Danach wollte mein Chef mir nicht mehr zahlen als 30€! Dabei hat er mich arbeiten lassen wie einen Packesel. Und nicht nur aufräumen und putzen, das wäre ja normal. Ein ganzes Monat haben wir Ziegeln und Automotoren in die neue Werkstatt transportiert. Immer vier Motoren auf einmal, was 150 bis 200 kg sind. Das haben wir aber nicht mit dem Kran hochgehoben, sondern mit Muskelkraft.

Außerdem habe ich unter Gefahr gearbeitet, zum Beispiel hat er während wir einen Sicherungskasten ausgebaut haben, den Strom angeschaltet gelassen. Er hat uns das aber nicht gesagt. Einmal waren wir mit dem LKW unterwegs, der über 20 Mängel hatte. Wenn die Polizei mich kontrolliert hätte, hätte ich die Strafe bezahlen können. Nicht einmal krankenversichert war ich während dieser Zeit. Ich habe dem Chef gleich am Anfang meine e-card und Dokumente geben, aber er hat mich nicht angemeldet.

Was willst du mit deinen Rechten, ein Praktikant bekommt eigentlich gar kein Geld“, hat er zu mir gesagt. Aber das stimmt nicht. „Als Praktikant bekommst du Geld, vorausgesetzt dein Praktikum ist ein Arbeitsverhältnis“, schreibt die Arbeiterkammer. Sie haben mir gesagt, dass das bei mir der Fall war. Das steht im Kollektivvertrag für Metalltechniker. Es passiert aber oft, dass Praktikanten dieses Recht nicht bekommen. Das habe ich auch bei Bekannten von mir gemerkt: Mein Kollege hat auch nur 30€ bekommen. Eine Kollegin von der Schule wollte der Chef auch mit 500€ abspeisen, aber sie hat geklagt und 1300€ bekommen. Das ist also nicht nur das Problem von einem bösen Chef oder einer schlechter Arbeit. Es ist das Problem, dass die Arbeiter überall immer weniger Rechte haben, und diese Rechte schlechter durchgesetzt werden. Auch bei mir war es am Ende nicht möglich das Geld zurück zu bekommen.

Ich habe daraus gelernt vorsichtiger zu sein, damit so etwas nicht wieder passiert. Aber um so etwas wirklich verhindern zu können, müssen die Arbeiter sich zusammen schließen und organisieren. Die 30€ habe ich dann gar nicht mehr angenommen.

Abou-Hamza

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