Demonstration gegen Lehrerverteilung in Wien

Lehrkräfte, Eltern und Schüler wehren sich gegen Kürzungen an Pflichtschulen

Am Montag, dem 28.06.2021, wurde der Protest gegen die geplante „Ressourcen-Neuverteilung“ im kommenden Schuljahr auf die Straße getragen. Unter dem Slogan “Bildung braucht mehr, nicht weniger Ressourcen” folgten Hunderte dem Aufruf der Ganztagsvolksschule Alt Erlaa und der Volksschule Zennerstraße. Lehrkräfte, Eltern und SchülerInnen wehren sich damit gegen eine Reform, bei der es an vielen Pflichtschulen in Wien zu massiven Einsparungen von Lehrkräften kommt und von der langfristig gesehen gar keine Schule profitiert.

Die Demonstration startete am Rathausplatz und ging über die Bildungsdirektion zum Bundesministerium für Bildung Wissenschaft und Forschung. Jeweils wurde vor den Gebäuden mit lauten Buh-Rufen Halt gemacht. Rufe wie “Wiederkehr, Wiederkehr gib die Lehrer wieder her!” und “Wir sind hier, wir sind laut, weil man und die Bildung klaut!” begleiteten die ganze Demonstration. Mit Bezug auf das geplante Basiskontingent, das auf einer Klassengröße von 25 SchülerInnen beruht, hieß es: „25 ist zu viel, kleinere Klassen ist das Ziel!“ Unzählige selbst gemalte Transparente und Schilder wurden mitgetragen.

Die vor rund zwei Woche angekündigte Reform ist sofort auf Widerstand gestoßen. Denn anstatt Ressourcen für die Schulen ausreichend zu erhöhen, sollen diese nun verteilt werden – was gezwungenermaßen zu Kürzungen bei einigen Standorten führen muss. Laut dem Bildungsdirektor Himmer bekommt die Hälfte der Schulen mehr, die andere weniger. Dass es aber auch tatsächlich „Gewinner“ dieser Neuverteilung geben wird, scheint derzeit unwahrscheinlich. „Worum es ihnen geht, sind die Pensionierungen“, so eine Lehrerin auf der Demonstration. „In den kommenden Jahren gehen 50 % der Lehrer in Pension und anstatt diese Stellen nachzubesetzen, soll umverteilt werden. Die wirklichen Auswirkungen der Reform werden sich also erst in den kommenden Jahren zeigen.“ Demnach würde sich unter dem Deckmantel der Umverteilung eine massive Kürzung des Lehrpersonals verbergen.

Man kürzt da, wo sowieso schon ein Mangel herrscht. Da wo es eigentlich mehr bräuchte und nicht weniger! Man kürzt auf Kosten der Kinder“, so eine Mutter, die die Demonstration besuchte. Eine der anwesenden Lehrerinnen meinte: “Man spart bei denen, die während der letzten eineinhalb Jahre sowieso schon alles und noch viel mehr gegeben haben, die für so vieles herhalten haben müssen.” Der Ärger über die Tatsache, dass gerade jetzt Kürzungen verkündet werden, spiegelte sich auf zahlreichen Schildern wieder. Nach den eineinhalb Jahren, die von Lockdowns und Schulschließungen geprägt waren, und in denen von Seiten der herrschenden Politik so gut wie gar nichts für die Schulen und einen geeigneten Unterricht getan wurde. “Wir sind alle erschöpft. Wir haben alles gegeben. Es war eine sehr anstrengende Zeit. Und jetzt auch noch so etwas zu Semesterende zu hören, das können wir wirklich nicht brauchen!”, erklärte eine Lehrerin. „In der jetzigen Situation, wo es bei so vielen Kindern Aufholbedarf gibt und viele besondere Unterstützung brauchen, bräuchte es eigentlich mehr Lehrer. An vielen Schulen werden nächstes Jahr Lehrer fehlen!”

Der anhaltende Protest bewirkte bereits, dass der zuständige Stadtrat für Bildung, Christoph Wiederkehr, vergangenen Freitag verkündete, dass die Stadt 100 Dienstposten mehr finanzieren würde. „Bei dem was es in Wien braucht sind 100 zusätzliche Stellen aber bei weitem nicht ausreichend. 100 ist besser als nichts aber letztendlich ist es doch nur ein Witz“, so eine der Lehrerinnen auf der Demonstration. Sogar Wiederkehr selbst spricht von von 1.000 fehlenden Lehrstellen in Wien, für dessen Finanzierung der politische Wille der Herrschenden aber offensichtlich fehlt.

Anna M.

Eine Antwort zu “Demonstration gegen Lehrerverteilung in Wien

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