Kolumbien: „Sie schießen auf den Kopf und das Gesicht“

Seit Ende April gehen die Menschen in Kolumbien massenweise auf die Straße und protestieren. Der Auslöser: Die Regierung plante die Einführung einer höheren Massensteuer.

Zehntausende gingen in allen größeren Städten des Landes auf die Straße und protestierten gegen dieses Vorhaben. Um die Proteste niederzuhalten, setzte die Regierung zusätzlich zur Polizei die Armee ein. Mit Gummigeschossen, Tränengas und scharfer Munition wurde versucht, den gerechtfertigten Protest der kolumbianischen Volksmassen einzudämmen. Tausende wurden verletzt, manche Menschen verloren durch den Einsatz der Gummigeschosse und Wasserwerfern ihre Augen, rund 40 Personen wurden getötet (!) und weitere 170 Menschen sind verschwunden.

Doch die Proteste gingen weiter, so dass die Regierung die geplante Steuererhöhung zurückzog und der bisherige Wirtschaftsminister zurücktrat. Dieses Zugeständnis dämmte aber die Proteste nicht ein. Der Widerstand richtet sich auch gegen die geplante Gesundheitsreform, die Reform des Arbeitsrechts und die Pensionsreform. Einer der Protestierenden meinte dazu: „Denn damit würden wir ohne Gesundheitsreform dastehen, höhere Steuern bezahlen, Pensionen nur stundenweise angerechnet bekommen und es gäbe kaum noch unbefristete Arbeitsverträge.“

Durch den massiven Einsatz der Gewalt durch die Polizei und die Armee richtet sich der Protest der Massen auch gegen die Gewalt gegenüber der kolumbianischen Bevölkerung. Die meisten Getöteten und Verletzten sind junge Menschen. „Sie schießen auf den Kopf und das Gesicht“, berichtete ein anderer Demonstrant. Viele Hauptstraßen wurden blockiert, Barrikaden gebaut, wodurch Versorgungsengpässe entstanden. Auch Polizeistationen wurden angegriffen und in Brand gesetzt. Der Präsident Kolumbiens meinte in den Medien dazu, dass der meiste Teil der Demonstrierenden Teil der Mafia wäre und startete so einen kläglichen Versuch, die Gewalt der Behörden zu rechtfertigen.

Als Ausdruck der Ernsthaftigkeit ihres Protests und ihrer Anliegen, führten die Arbeiter Kolumbiens am 5. Mai einen Generalstreik durch. Es sind die breiten Teile der Bevölkerung, die auf die Straße gehen, um sich gegen die weiteren Angriffe der Regierung zu wehren. Denn diese sind der Versuch, die Lasten der Krise auf die Bevölkerung abzuwälzen. Mit einem kleinen Zugeständnis der Regierung lässt sich der Zorn der Massen nicht eindämmen, sondern entfacht weitere Kämpfe gegen die geplanten Angriffe!

Rebellion ist gerechtfertigt!

Sarah H.

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