MAN: „geklagt wird doppelt, aber was ist mit kämpfen?“

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde vor den Neuigkeiten der endgültigen Übernahme durch Siegfried Wolf verasst.

Zu Beginn als es hieß, das MAN Werk in Steyr solle geschlossen werden, wurden noch Reden geschwungen: „Wir werden kämpfen“, „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren“ … und auch das Mittel des Streiks wurde ganz und gar nicht ausgeschlossen. Die folgenden 9 (!) Monate hingegen änderte sich das Wording zu „abwarten“, „wir werden verhandeln“, „es muss rechtlich geprüft werden“, „wir werden klagen“. Zu Recht sind die Arbeiter wütend und zu Recht fordern sie Kampfmaßnahmen. Die KollegInnen vom Arbeiterstammtisch haben Meinungen eingeholt…

Geklagt wird doppelt, aber was ist mit kämpfen“, so eine Arbeiterin aus dem Werk. Sie hören immer nur Klagen über den Vertragsbruch, das wird von Seiten der Gewerkschafter und Politik betont, führt sie aus, sie „sudern“ darüber und bringen rechtliche Klagen ein. „Doch“, meint sie, „ein Streik wäre das was wir brauchen.“. Und damit steht sie nicht alleine. Viele der Arbeiter meinten, mehrheitlich seien sie natürlich für Streik, doch geht von Seiten des Betriebsrates hier nichts weiter. „Viele von uns sind für einen Streik, aber wir wissen er geht nicht durch – wegen dem Betriebsrat“, so einer der Arbeiter. Viele seien eingeschüchtert, jene die für Wolf gestimmt haben, denken einige Arbeiter, wären wohl auch bei einem Streik nicht dabei. Die Stimmung aber unter den Kollegen ist überaus offen für Kampfmaßnahmen der Belegschaft gegen die Pläne der Kapitalisten! Dazu kommt, dass zigtausende in der Österreichischen Bevölkerung hinter den gerechtfertigten Anliegen der Arbeiter von MAN Steyr stehen.

Sehr vielen unter den Arbeitern reicht es aber schlichtweg einfach schon. Sie wollen vom Werk nichts mehr wissen. Drehen ihre Arbeitstage runter und fertig. Zu zermürbend waren für viele die letzten 9 Monate Ungewissheit und im Stich gelassen werden. „Hinzu kommt, dass wir eigentlich alles über die Medien erfahren, unsere Betriebsräte reden auch nicht mit uns. Da fühlen wir uns zurecht verarscht. Kommende Woche heißt es, gibt es wieder irgendeine Versammlung. Keiner weis genau wann, oder was das für eine Versammlung ist. Manche wissen ein Datum, andere nicht. Dabei geht es doch um uns, sollten wir nicht durch unsere Vertreter, nicht durch die Zeitungen so gut wie möglich über alles informiert werden?!“.

Der Zorn gegenüber dem Betriebsrat ist den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Hatten große Teile der Belegschaft zu Beginn noch Hoffnung in das Vorgehen der Gewerkschaft, gibt es jetzt kaum noch Vertrauen. „Wir haben ja auch gesehen, wie sie zuletzt mit unseren Leasing-Kollegen umgegangen sind. Die wurden von heute auf morgen gekündigt. Aber was war mit der Gewerkschaft? Da rührte sich rein gar nichts, nicht eine kleinste Aktion, kein Protest und nicht einmal ein Zeichen der Solidarität war hier zu sehen.“

Während schon die ersten Leute gekündigt werden, wird noch brav weiter verhandelt. Da nutzt es auch nicht viel, wenn Alois Stöger nun beteuert: „Wir sind nicht mehr bereit, unsere Zeit mit nutzlosen Verhandlungen totzuschlagen. Wir verhandeln natürlich, aber es muss sich auch etwas bewegen.“1 Weitere Gutachten werden eingeholt und es wird ein weiteres mal geprüft, wo sich MAN rechtswidrig verhält und auch, wie sich das mit staatlichen Aufträgen verträgt (welche noch bis November ’20 vergeben wurden!). Worum es aber tatsächlich geht, nämlich Restrukturierung – also Kürzungen und Einsparungen, die ja mit Sigi Wolf von breiten Teilen der Politik (und Medien) begrüßt wurden, das wird gekonnt unter den Teppich gekehrt.

In Deutschland hat der Betriebsrat der IG Metall mit MAN bereits den Abbau von 3.500 Stellen bis nächstes Jahr vereinbart. Zwar in „schönen“ Worten verpackt, wie „Altersteilzeit“, „freiwillige Abfindung“…, ist es unterm Strich doch nichts anderes als Arbeitsplatzvernichtung! Zu Recht wollen sich die Arbeiter in Steyr gegen Kündigungen und Verschlechterungen wehren!

Weder „sudern“, noch der Weg über Klagen wird den Arbeitern entscheidend weiterhelfen. Zu Recht fordern große Teile der Belegschaft, dass es einen Streik braucht. Denn dieser, so ein Arbeiter, würde dem Konzern weh tun: „Du musst sie dort packen, wo es sie am tiefsten trifft und das ist den Profit. Daher Streik, wo jeder Tag ein Millionenverlust ist.“

Manfred T.

1Kontrast.at

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