Tierquälerei im internationalen Handel – ein Resultat des Imperialismus.

Anfang April steckte das Containerfrachtschiff „Ever Given“ im Suezkanal fest und verursachte damit eine Blockade der nachkommenden Schiffe. Innerhalb kürzester Zeit bildet sich ein Rückstau hunderter Frachtschiffe, viele davon hatten auch Lebendfracht geladen: Tiertransporte auf dem Weg um die Welt, z.B. 130.000 Schafe, eingepfercht auf Frachtschiffen, auf dem Weg von Rumänien nach Saudi-Arabien.

Es ist natürlich bekannt, dass auf den Straßen jede Menge Tiere per LKW transportiert werden, doch auch Tiertransport per Schiff ist ein wichtiger Faktor im „globalen Fleischhandel“. Wurden 1967 weltweit noch 130 Millionen Tiere per LKW oder Schiff transportiert, so waren es im Jahr 2019 schon 1,8 Milliarden. Für ungefähr drei Viertel dieser Transporte ist die EU verantwortlich. Die Tierexporte über EU-Grenzen hinaus belaufen sich dabei auf rund 3 Milliarden Euro, importiert werden hingegen Tiere im Wert von nur 200 Millionen, also weniger als ein Zehntel des Exportvolumens. Sieht man sich an, welche Tiere wohin transportiert werden, kommt man so schnell aus dem Staunen nicht mehr heraus. So exportierte Holland 2019 beispielsweise vier Millionen Stück lebendes Geflügel nach Thailand, also in ein Land, das eigentlich selbst über viele Hühnerfarmen verfügt, da Geflügel in der südostasiatischen Küche eine besonders wichtige Rolle spielt. Doch warum kauft Thailand Millionen niederländischer Hühner, wenn es dort doch genügend Hühnerfarmen gibt?

Die Antwort liegt in Förderungen und Stützungen in Milliardenhöhe, welche die EU jährlich aus dem Geld der Steuerzahler an große Agrarkonzerne ausschüttet. Diese Gelder machen es möglich, dass Tiere zu niedrigsten Preisen, oftmals unter dem Herstellungspreis, in die Zielländer exportiert werden und damit sogar die regionalen Produktionspreise unterschreiten. Wenn sich nun die Mainstream-Medien um diese Frage kümmern, lenken sie die Aufmerksamkeit im besten Fall auf das damit erzeugte Leid der Tiere. Ebenso machen es bürgerliche Politiker, wie beispielsweise Sebastian Bohrn-Mena und sein derzeit laufendes „Tierschutzvolksbegeheren“. Das mit diesen internationalen Handelsketten tatsächlich enorme Tierquälerei einhergeht, ist klar. Doch die EU fördert Agrarkonzerne nicht wegen dem Tierleid, sondern weil sie Märkte erobern will. Sie interessiert sich für den Profit, nicht für die Tiere. Durch die billigen Hühner, die beispielsweise aus der EU nach Thailand exportiert werden, wird dort der Markt komplett destabilisiert und zerstört. Die regionalen Produzenten können die Konkurrenz gegenüber den billigen Importen nicht aufrecht halten, der Markt geht nach und nach immer weiter in die Hände der europäischen Agrarkonzerne über. Das ist das Ziel der milliardenschweren Förderungen und Stützungen der Agrarkonzerne, deren Handelspolitik ohne diese EU-Zuschüsse gar nicht möglich wäre, da ohne diese Gelder das „europäische“ Huhn, exportiert nach Thailand, viel zu teuer wäre und daher nur wenig Absatz finden würde. Das bedeutet, dass durch die Agrarpolitik der EU große Sektoren ganzer Volkswirtschaften zuerst untergraben und dann kaputtgemacht werden.

Damit geht aber dann nicht mehr nur das Leid der Tiere einher, sondern vor allem unermessliches menschliches Leid, Armut und Verelendung, noch stärkere Ausbeutung und Unterdrückung durch die imperialistischen Länder. Das ist das wahre Gesicht der Agrar- und Außenhandelspolitik der EU und es zeigt deutlich, dass man auch die Tierquälerei im internationalen Fleischhandel nicht beenden kann, solange nicht mit der kapitalistischen Produktionsweise Schluss gemacht wird. Denn die Quelle der unermesslichen Tierquälerei internationaler Tiertransporte ist das Streben der Herrschenden nach der Eroberung neuer Märkte, das Streben nach Ausbeutung und Kontrolle der unterdrückten Völker und Nationen und damit schlussendlich die Steigerung der Profite.

W.B.

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