Folter und Kerker brachen ihn nicht. Über Hermann Köhler, Held des Zentralkomitees der KPÖ.

Genosse Hermann Köhler wurde 1906 am 23. April geboren, also vor genau 115 Jahren. Er kam nach seiner Tischlerlehre als Jugendlicher auf Arbeitssuche nach Wien, das ihm zu seiner neuen Heimatstadt wurde. Hier lebte er im zweiten Bezirk (Leopoldstadt), wo er sich sehr bald, noch Anfang der 1920er Jahre dem Kommunistischen Jugendverband (KJV) anschloss. Genosse Hermann Köhler war bekannt für seine überaus starke Persönlichkeit, für sein unermüdliches Organisationstalent und seinen großen Mut. Diese Eigenschaften prägten seine politische Arbeit und den immensen Beitrag, den er in den politisch überaus schwierigen 1920er Jahren zur Entwicklung der KPÖ und ihres Jugendverbands leistete. Wegen seiner großen Beiträge war er nicht nur vielen Genossen im KJV und in der Partei bekannt, und seit 1924 auch Leiter des Jugendverbands in der Leopoldstadt, sondern er fiel auch den führenden Instanzen von Jugendverband und KPÖ auf, weshalb er 1926 ins Zentralkomitee des Kommunistischen Jugendverbands gewählt wurde.

Schon im folgenden Jahr erlebte Genosse Hermann Köhler in den Wiener Julikämpfen gegen den heraufziehenden Faschismus eine ernste Feuerprobe, in der er sich glänzend bewährte. Daher wurde er der Kommunistischen Jugendinternationale empfohlen, für die er dann einige Jahre arbeitete. 1931 bis 1933 konnte er in der Sowjetunion seine politische Ausbildung noch weiter vertiefen und entwickeln, 1933 kehrte er dann nach Wien zurück und wurde Teil des Zentralkomitees der KPÖ. Als ZK-Mitglied erlebte er aktiv den Roten Februar 1934, musste jedoch, wie viele andere auch, nach den Kämpfen das Land verlassen und ins Exil gehen. Doch für den Genossen Hermann Köhler, mit seiner ganzen Tatkraft und seinem Mut, war das kein Hindernis für seine weitere Arbeit – und so wirkte er auch in der Tschechoslowakei und in Frankreich für die illegale KPÖ. Dann wurde er in die Sowjetunion gerufen, wo er nach wie vor im Dienst der KPÖ tätig war und dabei auch die besondere Aufgabe hatte, dass er für die Arbeit der Partei unter den in die Sowjetunion emigrierten Schutzbundkämpfern zuständig war.

Um den Widerstandskampf gegen die Nazis in Österreich zu entwickeln, entschied das Zentralkomitee der KPÖ in Moskau, dass neben gut vorbereiteten und geschulten Kommunistinnen und Kommunisten auch Mitglieder des Zentralkomitees persönlich in das besetzte Österreich zurückkehren sollten um dort im Widerstand tätig zu werden. Diesen Auftrag nahm Genosse Hermann Köhler mit dem ihm eigenen Mut und mit seiner ganzen Tatkraft an. Er verstand diesen gefährlichen Auftrag als große Ehre, daher zögerte er keine Sekunde und wurde kurze Zeit darauf von einem Flugzeug der Roten Armee mit dem Fallschirm bei Nacht heimlich über Österreich abgesetzt. Durch Spitzel hatten die Nazis jedoch Kenntnis darüber bekommen, dass ein führender Kommunist heimlich nach Österreich kommen sollte, weshalb sie vom ersten Tag an gezielt nach ihm suchten. Doch auch das schüchterte den Genossen Hermann Köhler, oder auch „Hermes“, wie einer seiner Tarnnamen war, nicht ein. Sofort nach seiner Ankunft in Wien, ausgestattet mit gefälschten Papieren, begann er die politische Arbeit, denn er wusste: die Zeit war knapp und der Feind war ihm auf den Fersen. Gerade deshalb arbeitete er aber umso effizienter und schneller, denn die wenige Zeit musste bestmöglich genutzt werden. Und tatsächlich, schon nach einigen Wochen seiner Anwesenheit, machten sich erste Resultate bemerkbar und die Wiener Organisation der KPÖ war organisierter und einheitlicher aufgestellt. Damit leistete Genosse Hermann Köhler einen hervorragenden und notwendigen Beitrag um ein wichtiges Problem der KPÖ in Wien zu überwinden und den Kampf gegen den Nazifaschismus zu entwickeln.

Schlussendlich gelang es den Faschisten jedoch, den Genossen Hermann Köhler etwas länger als ein Monat nach seiner Ankunft festzunehmen. Die Gestapo setzte ihn unbeschreiblicher Folter aus, da er aber nichts sagte und niemanden verraten hat, wurde er daraufhin ins KZ Mauthausen gebracht. Dort wurde er in strenger Isolation im sogenannten „Bunker“ eingesperrt. Der illegalen Lagerorganisation der Widerstandskämpfer im KZ Mauthausen gelang es aber trotz unvorstellbarer Schwierigkeiten, mit ihm in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Nachdem die Nazis wussten dass Genosse Hermann Köhler sehr viel über die Wiener Parteiorganisation weiß, hatte er sie doch wesentlich reorganisiert, brachten sie ihn von Mauthausen wieder nach Wien in die Gestapo-Zentrale, um ihn erneut, noch härter und noch grausamer zu foltern. Doch so sehr sie auch tobten, es waren ganz und gar vergebliche Versuche. Genosse Hermann Köhler wurde „zerschlagen und zerquält“, wie es die KPÖ später formulierte, doch er war „ungebrochen“, er sagte nach wie vor kein Wort und gab nichts von seinem Wissen an die Nazis weiter. Daraufhin brachten sie ihn erneut ins KZ, wo er wieder in Isolationshaft gehalten wurde. Im März 1945, als die Nazis einsahen, dass die für sie so wichtigen Informationen aus unserem Genossen Hermann Köhler nicht herauszufoltern waren, beschlossen sie, ihn zu ermorden. Als der Lagerkommandant Ziereis ihm sagte, dass er hingerichtet werde, richtete Genosse Hermann Köhler doch einmal das Wort an die Nazis – er sagte ihnen mit erhobenem Kopf: „Ich bin bereit!“. Vor 76 Jahren, am 17. April 1945, als Wien durch die Rote Armee schon vier Tage lang befreit war, wurde er im KZ Mauthausen im Alter von nur 39 Jahren erschossen.

Genosse Hermann Köhler, der einstige Tischler auf Arbeitssuche, war ein führender Kommunist, den die KPÖ aus der Arbeiterklasse entwickelte und schmiedete. Er erwies der Kommunistischen Partei und damit der Arbeiterklasse und den Volksmassen Österreichs, unter Einsatz seines Lebens hervorragende Verdienste, die den Lauf des Widerstandskampfes gegen den Faschismus in wichtiger Art und Weise prägten. Genosse Hermann Köhler beklagte sich nicht, sondern nahm auch schwierigste Aufgaben mit Stolz und voller Klassenbewusstsein an. Sein Werk und seine Haltung sind in der Befreiung Österreichs vom Faschismus und in der Niederlage der Nazis für immer eingeschrieben, daher wurde er durch seine Taten zum unsterblichen Helden der österreichischen Arbeiterklasse. Den Sieg über den Faschismus sah er kommen, konnte ihn jedoch nicht mehr erleben und gab dennoch sein Leben für ihn.

Es lebe das Werk des Genossen Hermann Köhler, unsterblicher Held des Zentralkomitees der KPÖ!

Hoch das revolutionäre, antifaschistische und kommunistische Andenken an den Genossen Hermann Köhler!

P.G.

2 Antworten zu “Folter und Kerker brachen ihn nicht. Über Hermann Köhler, Held des Zentralkomitees der KPÖ.

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