MAN-Steyr: Beschäftigte stimmen gegen Übernahme. Der Kampf um jeden Arbeitsplatz geht weiter!

Die Abstimmung der Beschäftigten bei MAN-Steyr brachte ein eindeutiges Ergebnis: rund 64 Prozent lehnten die Pläne zur Übernahme des Werks durch den „Investor“ S. Wolf kategorisch ab. Das zeigt, dass die Arbeiterinnen, Arbeiter und Angestellten der MAN weder den von Wolf angekündigten Personalabbau, noch den geplanten Lohnverlust von 15% akzeptieren. Abgesehen davon, wollen sich die Beschäftigten nicht an der Nase herumführen lassen, denn in Wahrheit wäre eine Übernahme durch Wolf nichts anderes gewesen, als den Produktionsstandort Steyr von der linken Hosentasche des Konzerns in die rechte Hosentasche zu verkaufen, ist es doch so, dass Wolf Vorstand der PorscheSE ist, welche die Mehrheit an VW hält, wobei MAN wiederum im Eigentum von VW steht (Wir berichteten: LINK).

Neben der absolut fehlenden Transparenz von Wolfs Plänen, niemand der Beschäftigten wusste genau wie es unter ihm weitergehen soll, war der drohende Verlust von Arbeitsplätzen selbstverständlich ein wichtiges Motiv, das die Belegschaft zur Ablehnung der Übernehme brachte. Das zeigt, dass die vom Arbeiterstammtisch Steyr und der Internationalen Arbeiterhilfe in zahlreichen Aktionen vor Ort verbreitete Losung „Kampf um jeden Arbeitsplatz! Keine Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen!“ absolut ins Schwarze trifft. Der geplante Personalabbau hätte als erstes natürlich die Leiharbeiter getroffen, weshalb unter ihnen die Ablehnung der Übernahmepläne auch besonders hoch war und bei ihnen sogar rund 72 Prozent gegen die Übernahme stimmten. Hätte Wolf die Übernahme durchgebracht, wäre es aber nicht bei den Leiharbeitern geblieben, sondern über kurz oder lang wäre auch die Stammbelegschaft immer mehr in Bedrängnis geraten und schrittweise abgebaut worden.

Vor diesen Hintergründen ist es vollständig nachvollziehbar, dass die Belegschaft eindeutig gegen die Übernahme durch Wolf stimmte. Umso unverständlicher ist es, dass sich der Angestelltenbetriebsrat Thomas Kutsam laut einer Stellungnahme gegenüber dem ORF vom Ausgang der Abstimmung „persönlich sehr enttäuscht“ sieht. Er hielt die Übernahme durch Wolf, mit welcher der PorscheSE-VW-Konzern nichts anderes bezwecken wollte als massiv Personal abzubauen und die Kollektivverträge auszuhöhlen, wohl für die „einzige Alternative“. Damit stößt er aber, obwohl Sozialdemokrat, in das gleiche Horn wie der künftige Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Gabriel Felbermayr, ein erbitterter Privatisierer, Rationalisierer und Gegner von Arbeiterrechten. Der selbst aus der Region Steyr-Land stammende Felbermayr meinte zum Ausgang der Abstimmung: „Da muss man sich fragen, ob die Mitarbeiter von MAN die gesamtwirtschaftliche Sicht eingenommen haben.“ Nein, das muss man sich nicht fragen. Die „Mitarbeiter von MAN“ haben diejenige Sicht eingenommen die richtig ist: die Sicht auf ihre Arbeitsplätze, auf ihre Löhne und auf das Schicksal von über 8.000 Arbeitsplätzen die in der Region direkt oder indirekt am MAN-Standort hängen. Die Arbeiter von MAN haben nicht die Sicht der Konzernchefs eingenommen und haben nicht die Sicht derer eingenommen, die sie abbauen und ihnen die Löhne kürzen wollen. Und das ist auch ganz gut so!

Ebenso wie beim Angestelltenbetriebsrat Thomas Kutsam und dem Rationalisierer Felbermayr heißt es auch vom MAN-Personalvorstand, dass man „vom Ergebnis wirklich sehr enttäuscht [ist], da wir die angebotenen Alternativen zur Schließung als für alle Beteiligten sehr guten Weg angesehen haben.“ Angestelltenbetriebsrat, Wirtschaftsforscher und Personalvorstand erklären also in gemeinsamer Front den Arbeitern, wie kurzsichtig und schlecht ihre Abstimmung war… Doch was tut die Gewerkschaftsführung? Eigentlich nichts! Angesichts dessen, dass MAN nun die Schließungspläne wieder hervorholt, redet Wolfgang Katzian in einer gemeinsamen Stellungnahme mit Wirtschaftskammer-Chef Mahrer davon, dass man doch in „sozialpartnerschaftlicher Manier wieder an einen Tisch kommen“ soll. Und der ehemalige Gesundheitsminister und jetzige Gewerkschafter Alois Stöger will sich darauf konzentrieren, den Vertrag über die Standortsicherung, der von der MAN-Führung gebrochen wurde, einzuklagen. Als ob eine Klage hier noch Sinn machen würde und MAN bzw. VW nicht schon längst Legionen von Anwälten auf genau solche Klagen vorbereitet hätte. Mit den Vorschlägen der Gewerkschaftsführung werden die Arbeiterinnen und Arbeiter von MAN also allesamt bestenfalls hingehalten und zum Narren gemacht, herauskommen wird mit solchen Vertretern nicht viel. Das muss einen aber auch nicht wundern, denn immerhin fanden es die Gewerkschaftsfunktionäre nicht mal der Mühe wert, eine Vertretung zu einer überaus gelungenen Protestaktion in Linz zu schicken, bei welcher über 3.000 Unterschriften, die vom Arbeiterstammtisch gegen die Schließung des Werks gesammelt wurden, an die Landesregierung übergeben wurden. (Wir berichteten: LINK) Diese Aktion wurde nicht nur in Österreich von tausenden Menschen unterstützt, sondern rief auch internationales Echo hervor. (Wir berichteten: LINK) Trotzdem zog es die ÖGB-Spitze vor, nicht mal zu erscheinen! So viel sind ihr die Arbeiterinnen und Arbeiter in Steyr also wert!

Mit der eindeutigen Abstimmung der Belegschaft von MAN-Steyr ist die ganze Sache aber selbstverständlich nicht ausgestanden. Derzeit ist noch offen, wie von Seiten der Unternehmer darauf reagiert wird. Will MAN die vollständige Schließung wirklich abwickeln, dann sind Kampfmaßnahmen der Beschäftigten natürlich die einzige Option. Solche Maßnahmen müssen schon heute vorbereitet werden und vor allem darauf orientieren, dass sie selbstständig erfolgen. Dass es solche Vorbereitungen gibt, ist auch wichtig, falls der Linzer Unternehmer Karl Egger und seine Firma KeKelit unerwarteterweise doch zum Zug kommen sollten und den Standort übernehmen. Egger will in Steyr ein „Green Mobility Center“ errichten. Dass die oberösterreichische SPÖ-Chefin Gersthofer Eggers Pläne favorisiert, ist kein Wunder, hat der Unternehmer doch beste Verbindungen in die SPÖ. Für die Beschäftigten verheißen Eggers Pläne aber nichts Gutes. Auch wenn sie derzeit noch so intransparent und unklar sind, ist eines freilich klar: Ein „Green Mobility Center“ würde höchstwahrscheinlich ein Entwicklungs- aber kein Produktionsstandort werden. Und das bedeutet wiederum den Abbau tausender Arbeitsplätze.

Mit der Abstimmung gegen die Übernahme durch Wolf haben die Arbeiter den Plänen der derzeitigen Eigentümer eine klare und eindeutige Abfuhr erteilt. Das war ein überaus wichtiger Schritt im Kampf gegen Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen und im Kampf um jeden Arbeitsplatz und dieser Schritt hat selbstverständlich die Sympathie und die Solidarität vieler Arbeiterinnen und Arbeiter in Österreich und zahlreichen anderen Ländern. Aber die Sache ist keinesfalls vorbei und man muss wachsam bleiben um auch die nächsten Angriffe abwehren zu können. Ob daher die Taktik des neuen Betriebsratsvorsitzenden Helmut Elmer, nicht auf Kampfmaßnahmen, sondern ausschließlich auf Verhandlungen zu setzen, gut ist, muss bezweifelt werden. Daher wollen sich die Arbeiterstammtische in Steyr und Linz nun auch kräftig für weitere Aktivitäten engagieren, um auch unter den neuen Voraussetzungen gemeinsam gegen jede Verschlechterung der Arbeitsverhältnissse und jeden Personalabbau angehen zu können!

P.G.

Eine Antwort zu “MAN-Steyr: Beschäftigte stimmen gegen Übernahme. Der Kampf um jeden Arbeitsplatz geht weiter!

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