Interview mit dem Biologen Clemens Arvay

Wir freuen uns euch folgendes Interview mit Clemens Arvay präsentieren zu können, einem Biologen der rund um die Covid-Impfungen vor allem unter jenen Bekanntheit erlangte, die Interesse an Aufklärung im Dienst der Volksgesundheit haben und der verfälschten Darstellung und verheerenden Politik der Herrschenden in der Gesundheitfrage etwas entgegensetzen möchten. Für seine Hartnäckigkeit erntet Arvay von Seiten der Herrschenden und des Mainstreams eine Schmutzkübelkampagne. Seine Videos auf Youtube haben teilweise über eine Million Klicks, was das große Interesse an seinen differenzierten Standpunkten zeigt und ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Debatte im Dienst der Massen sein kann. Clemens Arvay wird mit diesem Interview in nächster Zukunft mit mehreren Beiträgen als Gastautor des AfA-Infoblattes schreiben.

1. Lieber Clemens, könntest du dich kurz vorstellen und über deine Forschungs- und Aufklärungstätigkeit berichten?

Als Biologe und Sachbuchautor befasse ich mich mit zwei Themenfeldern. Mein »Urthema« als Autor ist die globale Lebensmittelgerechtigkeit und Ernährungssouveränität. Das bedeutet kurz gesagt, dass Landwirtschaft und Lebensmittel in den Händen der Basis sein und nicht von Konzernen dominiert werden sollten, wie das jetzt der Fall ist. Vor allem geht es bei diesem Anliegen um eine faire Verteilung von Ressourcen und Lebensmitteln weltweit. Wir erleben ja eine zunehmende Ausbeutung von Bodenressourcen in Ländern des Südens, auch durch europäische Agrarkonzerne, wenn beispielsweise tropische und subtropische Lebensräume zerstört und Menschen vertrieben werden, um dort Futtermittel für die industrialisierte Tiermast Europas anzubauen. Auf diese Weise werden noch mehr Ressourcen aus benachteiligten Weltregionen abgezogen und unserer kapitalistischen Überflussgesellschaft zugeführt. Ein Teufelskreis der sozialen Ungerechtigkeit.

So wie Lebensmittelgerechtigkeit eine faire Verteilung von Ernährungsressourcen anstrebt, hat die Gesundheitsgerechtigkeit eine ebenso faire globale Verteilung von Gesundheit im Sinne. In den letzten Jahren verlagert sich mein Schwerpunkt immer mehr auf dieses Thema, wobei Gesundheit natürlich eng mit Ernährung und Lebensmitteln verbunden ist. Ich befasse mich mit Zusammenhängen zwischen Ökologie und Gesundheit. Wie fördern zum Beispiel Schadstoffe die Entstehung von Krankheiten? Wie wirken sich ökologische und soziale Ausbeutungsstrukturen auf die globale Verteilung von Gesundheit und Krankheit aus? Aber auch: Inwiefern könnten intakte Ökosysteme und Lebensräume das Immunsystem und die öffentliche Gesundheit verbessern?

Von Anfang an fallen mir hier Zusammenhänge mit der COVID-19-Pandemie auf. So fördern etwa die Zerstückelung von Lebensräumen und der Schwund der Biodiversität und Nahrungsgrundlagen für Wildtiere nachweislich die Entstehung von Epidemien und Pandemien, weil durch die Zerstörung der Populationsstrukturen der Übersprung von Erregern zwischen verschiedenen Gattungen und Arten erleichtert wird, wobei dabei auch die Virulenz und Gefährlichkeit der Erreger ansteigt. Ein anderes Beispiel: Stickstoffeintrag in Gewässer und großräumige Zerstörung der Vegetationsdecke durch den Einfluss der Agrarindustrie führen in Malariagebieten dazu, dass die Fiebermücke andere Populationen von Stechmücken immer mehr verdrängt. Daher wären neben anderen Maßnahmen auch ökologische Verbesserungen in Malariagebieten nötig. Die Organisation Roll back Malaria sieht seit Jahrzehnten die Möglichkeit, durch einen Mix unterschiedlicher Maßnahmen die Malariasterblichkeit, die überwiegend Kinder betrifft, stark zu reduzieren, wenn das Geld dazu von der internationalen Solidargemeinschaft jährlich zur Verfügung gestellt werden würde. Bislang war es nicht möglich, ausreichend Mittel zu lukrieren. Es spricht auch fast niemand darüber, dass die Malariasterblichkeit aufgrund der weltweiten Lockdowns im Jahr 2020 signifikant angestiegen ist, weil Vorsorgeuntersuchungen aufgrund der einseitigen Ausrichtung des Gesundheitswesens auf SARS-CoV-2 nicht wie üblich stattgefunden haben. Dieselben Politikerinnen und Politiker, denen Gesundheitsgerechtigkeit bisher egal war, solange wir selbst nicht die Geschädigten waren, reden jetzt plötzlich davon, dass Gesundheit über der Wirtschaft stünde – aber offenbar nur bei Corona. Meine Kritik richtet sich vom Beginn der Pandemie gegen die unverhältnismäßige Einengung der politischen und medialen Aufmerksamkeit auf ein einziges Gesundheitsthema, was dazu führt, dass globale Gesundheitsgerechtigkeit in noch unerreichbarere Ferne rückt. Allein der Versuch, in Gesundheitsfragen wieder eine angemessene Verhältnismäßigkeit herzustellen und COVID-19 als eine Gesundheitsbedrohung von vielen zu betrachten, hat mir massive Anfeindungen eingebracht.

2. Seit Monaten läuft eine Schmutz- und Zensurkampagne gegen dich, die vor allem dazu dienen soll, dich als „Corona-Leugner“ darzustellen, oder als „Profiteur“ des Unvertrauens der Bevölkerung in die Covid-19 Impfstoffe. Wer hat Interesse daran dich zu diffamieren und was soll damit bezweckt werden?

Meine Beschäftigung mit Gesundheitsfragen, Konzernkritik und umstrittenen Biotechnologien hat mich auch zu den COVID-19-Impfstoffen geführt. Seit März 2020 recherchiere ich als Biologe intensiv darüber und trete als Kritiker der verkürzten Zulassungsfahren vor allem bei den genetischen Impfstoffen auf. Bisher wurden ja nur solche zugelassen. Ich bin aber kein Impfgegner. Ich halte Impfstoffe für eine wichtige medizinische Errungenschaft, aber ebenso die Impfstoffsicherheit. Die Standards der Impfstoffsicherheit wurden gegen den Lobbyismus der Pharmakonzerne erstritten und sollten nicht untergraben werden. Verkürzte, zusammengeschobene Testverfahren bei bisher wenig erprobten Impfstofftechnologien ohne ausreichende Langzeitbeobachtungen halte ich für einen schweren Verstoß gegen die erkämpften Standards, vor allem, weil nun Milliarden von Menschen geimpft werden sollen und auch politischer, sozialer und moralischer Druck ausgeübt wird, sich impfen zu lassen.

Seit ich mich kritisch zu den verkürzten Testverfahren geäußert und für die freie persönliche Entscheidung für oder gegen die Impfung ausgesprochen habe, erlebe ich ununterbrochen massive Anfeindungen. Dabei findet meistens keine inhaltliche Auseinandersetzung statt, sondern es wird mit Kampfbegriffen wie »Verschwörungstheoretiker« oder »Impfgegner« auf mich geworfen. So hat mich etwa die Wiener Zeitung Falter als »Impfkritiker« und »Corona-Trittbrettfahrer« bezeichnet, der mit seiner Kritik ein »Geschäftsmodell« verfolge. Und zwar in einem Artikel mit dem Titel »Globuli, Aluhut und Judenstern«, in dem es um rechtsradikale Bewegungen wie Q-Anon ging. Ohne jeden Bezug zum Inhalt wurde mein Name einfach beiläufig erwähnt und ich wurde unbegründet mit Impfgegnern und rechten Verschwörungstheoretikern in einen Topf geworfen.

In der Jungle World erschien ein Artikel über mich, der ebenfalls völlig frei von inhaltlicher Auseinandersetzung ist. Schon am Beginn des Artikels steht, ich würde »auf die Kraft der Naturliebe gegen das Virus« vertrauen, was völliger Nonsens ist. Dergleichen habe ich noch nie geäußert. Dieser Stil des Verächtlichmachens durchzieht den gesamten Artikel. Schon wenige Zeilen später wird unterstellt, dass rechte Verschwörungstheoretiker und Impfgegner ihre Fantasien auf meine Arbeit stützen würden – eine bloße unbelegte Hypothese, denn ich bin mein ganzes Leben lang von rechten Verschwörungstheorien distanziert. Sogar das Dokumentationsarchiv Österreichischer Widerstand (DÖW) hat 2013 meinen öffentlichen Aufstand gegen Reichsbürger und andere rechte Verschwörungstheoretiker dokumentiert. Damals war ich einem massiven Shitstorm durch die rechte Szene ausgesetzt. Es ist völlig absurd, mich mit rechten Verschwörungstheorien in Verbindung zu bringen, nur weil ich eine differenziert kritische Haltung zu den verkürzten Testverfahren bei genetischen Impfstoffen vertrete. Mir hat auch noch nie jemand einen Beleg vorgelegt, dass rechte Gruppierungen ihre Verschwörungserzählungen nennenswert mit meiner Arbeit zu unterfüttern versuchen. Das ist eine Unterstellung. Abgesehen davon bin ich nur für meine eigenen Aussagen verantwortlich. Als lebenslangen Linken trifft es mich sehr, dass mich einige ins rechte Eck schieben wollen, nur weil ich bei Impfstoffen und gegenüber der Pharmaindustrie eine differenziert kritische Position einnehme.

Das Absurde ist, dass solche Artikel wie aus Falter und Jungle World auch ausufernd lange in dem Wikipedia-Eintrag zu meiner Person zitiert werden, obwohl sie keinerlei Erkenntnisgewinn bringen, weil ihnen die Inhalte fehlen. Andererseits wurden neutrale und positive Bewertungen meiner Arbeit aus wissenschaftlichen Journalen aus dem Wikipedia-Eintrag entfernt, weil die Journale »nicht wissenschaftlich genug« seien. Seit mehr als einem halben Jahr bin ich diesem Online-Terror ausgesetzt – ständige Versuche, mich auf Wikipedia einseitig und tendenziös negativ darzustellen. Federführend bei diesem Umschreibprozess ist ein Account namens »Fiona B.«, von dem aus 365 Tage pro Jahr von morgens bis abends auf Wikipedia gearbeitet wird.

Die Anfeindungen gegen mich wurden im September 2020 von Holm Hümmler auf dessen Blog »Quantenquark« gestartet. Hümmler ist eine zentrale Figur der »Skeptiker-Bewegung« rund um die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), deren Vertreter ebenfalls oft für die Jungle World schreiben. In seinem Beitrag, der auf persönlicher Herabwürdigung beruht, versuchte er als erster, mich in die Nähe rechter Verschwörungstheorien zu rücken. Er behauptete, ich hätte der Deutschen Apotheker Zeitung (DAZ) »esoterische Artikel untergejubelt«, weil es darin um die therapeutische Wirkung von intakten Naturräumen ging – ein Thema, das ich evidenzbasiert abhandle, nicht »esoterisch«. Auch meine Ausbildung hat Hümmler diskreditiert und behauptet, ich sei Absolvent einer landwirtschaftlichen Schule. Tatsächlich aber ist die Universität für Bodenkultur ein renommiertes europäisches Zentrum der Biowissenschaften. Im Grunde lieferte Hümmler, der eine Firma zur Strategieberatung für pharmazeutische Unternehmen betreibt, eine Vorlage für die Diffamierungskampagne gegen mich, die seither auf Wikipedia und in soziale Medien teilweise fast wortgetreu umgesetzt wird. Das geht so weit, dass meine Herausgeber und beruflichen Kooperationspartner bereits E-Mails erhalten, in denen ich als Verschwörungstheoretiker diskreditiert werde, mit dem eindeutigen Ziel, die Zusammenarbeit mit mir zu torpedieren. Neulich schrieb mir jemand per E-Mail, er könne mir versprechen, dass ich beruflich keinen Fuß in die Türe mehr bekommen werde, und er wolle gemeinsam mit anderen dafür sorgen.

Es ist unfassbar, was ich seit vielen Monaten erlebe. Und das nur, weil ich noch Fragen und offene Problemfelder bei den im Eilverfahren zugelassenen genetischen Impfstoffen anspreche.

3. Wir dürfen dich hier auch als zukünftigen Gastautoren des AfA-Infoblattes begrüßen. Was hat dich dazu bewogen, für das AfA-Infoblatt in Zukunft Beiträge zu verfassen?

Schon zuvor, aber insbesondere in letzter Zeit, fallen mir die Artikel im AfA-Infoblatt positiv auf. Darin werden die Probleme beim Namen genannt. Das Grundübel heißt »Kapitalismus«. Wir leben aber nun in einer Zeit, in der selbst die Linke in Teilen verlernt hat, kapitalistische Machtstrukturen und Konzerne zu kritisieren. Und das empfinde ich als eine gesellschaftspolitische Katastrophe. Im Infoblatt ist das anders. Da wurde zum Beispiel auch die Rolle von Bill Gates kritisch beleuchtet, der sicher einer der einflussreichsten Kapitalisten ist und sich in Seilschaften mit unterschiedlichen, teils ausbeuterischen Konzernen befindet. Der angebliche »Philanthrop« hat mit seiner Stiftung unter anderem in Agrokonzerne investiert, die weltweit Pestizide vermarkten und durch ihre Wirtschaftsweise maßgeblich dazu beitragen, dass Kleinbauern in benachteiligten Weltregionen immer mehr unter die Räder kommen. Bill Gates Antwort auf den Klimawandel heißt nicht »ökologische Wende« oder »globale soziale Gerechtigkeit«, sondern besteht in einem Investment in eine Technologie zur Verdunkelung der Sonne durch Millionen Tonnen künstliches Aerosol, das zeitweise in die Atmosphäre eingebracht werden soll. Der Großteil der Klimatolog*innen lehnt solche Eingriffe ab, deren Folgen überhaupt nicht abgeschätzt werden können. Des Weiteren nutzt Gates den Klimawandel, um in seinem neuen Buch das Geschäftsmodell des CO2-Handels zu propagieren, von dem vor allem Großkonzerne profitieren werden. Sogar in Waffenkonzerne hat Bill Gates sein Kapital gesteckt. Damit meine ich nicht nur Airbus, sondern auch den Luftwaffenkonzern BAE Systems. Welcher Philanthrop investiert in solche Konzerne?

Ich beobachte, dass immer mehr Menschen völlig kritikunfähig gegenüber Großkapitalisten und Pharmaseilschaften geworden sind, die jetzt gemeinsam mit ihren Investoren durch die Impfstoffe risikofrei zu den ganz großen Krisengewinnern geworden sind. Das AfA-Infoblatt hat sich seine differenzierte Kritikfähigkeit erhalten. Deswegen möchte ich mich gerne als Gastautor an der Gestaltung des Infoblattes beteiligen, wobei ich Schwerpunkte auf den Bereich Lebensmittel- und Gesundheitsgerechtigkeit sowie auf Konzernkritik legen möchte.

4. Noch nie ist ein Impfstoff schneller zugelassen worden, als die Covid-19 Impfstoffe. Könntest du unseren Lesern einen kurzen Überblick über die Zulassungsverfahren und damit zusammenhängend die Interessen der Pharmakonzerne geben?

Alle derzeit in Europa zugelassenen Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 sind genetische Vakzine. Das heißt, sie führen dazu, dass in unseren Körperzellen im Rahmen unserer eigenen Proteinbiosynthese virale Antigene hergestellt werden. Dazu wird genetische Information von SARS-CoV-2 eingebracht. Sie manipulieren die Genexpression in unseren Zellen, also den Prozess, bei dem auf Basis genetischer Information Proteine gebildet werden. Das ist ein Prozess außerhalb des Zellkerns, aber dennoch ein genetischer. RNA-Impfstoffe wie von BioNTech und Moderna bringen die Information als Boten-RNA relativ direkt in diesen Prozess ein. Virale Vektorimpfstoffe wie von AstraZeneca, Johnson & Johnson oder Sputnik hingegen sind erweiterte genetische Impfstoffe. Es handelt sich um eine Form der DNA-Impfstoffe. Die genetisch manipulierten Vektorviren erfüllen nur den Zweck, DNA von SARS-CoV-2 in unseren Zellkern einzubringen. Damit wird die Umschreibung der DNA in mRNA gestartet, sodass die Information am Ende wieder als mRNA in unsere Genexpression mit der Proteinbiosynthese einfließt.

Alle diese Technologien waren vor Corona bezüglich Sicherheit wenig erprobt. RNA-Impfstoffe waren in der Humanmedizin noch nie gegen eine Infektionskrankheit zugelassen. Kein RNA-Impfstoff ist vor Corona weiter als bis zu einem Abschluss der ersten klinischen Phase mit wenigen Probanden gekommen. Es gibt also kaum Sicherheitsdaten aus der breiten klinischen Anwendung. Zwei virale Vektorimpfstoffe waren in der Humanmedizin zuvor zugelassen. Einer gegen die absolut tödliche Krankheit Ebola und einer gegen des Dengue-Fieber. Eine Impfaktion mit letzterem musste aber 2017 auf den Philippinen wieder eingestellt werden. Der Impfstoff erwies sich als unwirksam und erhöhte sogar die Gefahr von schweren Verläufen bei Kindern mit Dengue-Erstinfektion. Es ist nun das erste Mal, dass genetische Impfstoffe breitenwirksam an Milliarden von Menschen verabreicht werden – und das nach einem massiv zusammengeschobenen Testverfahren.

Üblicherweise dauert die Testung von Impfstoffen 8-12 Jahre, manchmal länger. Sie erstreckt sich über Labor- und Tierversuche in der präklinischen Phase sowie drei klinische Testphasen. Der Weltrekord der Impfstofftestung betrug etwas über 4 Jahre, aber das war ein Mumps-Impfstoff auf Basis einer gut erprobten, konventionellen Technologie. Die ersten klinischen Tests für die jetzigen Impfstoffe starteten Ende Mai 2020, die Zulassungen fanden bereits im Dezember 2020 und Jänner 2021 statt. Die neuartigen Impfstoffe durchliefen alle drei klinischen Testphasen in einigen Monaten. Dabei wurden einzelne Phasen zusammengelegt und übliche Wartezeiten nicht eingehalten. Langzeitbeobachtung ist aber wichtig, um Effekte festzustellen, die erst zeitverzögert oder durch Kohortenstudien sichtbar werden. Ein Beispiel: Vor einigen Jahren wurde ein Vektorimpfstoff auf Adenovirus-Basis gegen HIV getestet. In der zweiten klinischen Phase wurde ein Langzeitmonitoring durchgeführt, das insgesamt vier Jahre dauerte. Dabei zeigte sich, dass der Impfstoff bei Männern innerhalb von 18 Monaten nach der Impfung die HIV-Anfälligkeit erhöhte, was vor allem in stark von HIV betroffene Weltregionen dramatisch wäre. Grund dafür waren komplexe immunbiologische Wechselwirkungen bei Geimpften, die zufällig zuvor bereits Kontakt zu einem ähnlichen Adenovirus gehabt hatten. Gerade die Vektorimpfstoffe auf Basis von Adenoviren könnten in der Zukunft noch Probleme machen und ich halte es für verantwortungslos, sie nach so kurzen Testverfahren an Milliarden von Menschen zu verabreichen. Wir gehen diesmal einfach mit mehr offenen Fragen in die Anwendungsphase als üblicherweise. Das sollten die Menschen wissen.

Für die beteiligten Pharmakonzerne ist der größte Benefit, dass sie nun lukrative Patente auf neuartige, bislang umstrittene und in klinischen Tests nicht weit fortgeschrittene Impfstofftechnologien massiv nach vorne geschoben haben, und das unter Umgehung üblicher Standards der Impfstoffsicherheit. Aktienkurse steigen, Renditen an Investor*innen werden ausgeschüttet. Ihr größtes Interesse liegt meines Erachtens darin, den Weg für diese Patente trotz der bestehenden offenen Fragen in die Zukunft zu ebnen – und dabei auch noch das Risiko auf die öffentliche Hand und somit auf die Geldbörsen der Basis abzuwälzen.

5. Was ist deine Haltung zur aktuellen öffentlichen Debatte und Aufklärung über die Covid-19 Impfstoffe und wie siehst du das in Zusammenhang mit dem zunehmenden Demokratie- und Sozialabbau?

Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, wir hätten nun keine Demokratie mehr. Demokratiepolitisch fragwürdig ist für mich aber die gezielte Ausgrenzung von Expertinnen und Experten mit Standpunkten, die vom herrschenden politischen Kurs abweichen. Diese werden im medialen Diskurs weitgehend unterdrückt, was ich als große Gefahr für den Diskurs betrachte. Medien haben die Aufgabe, auch widerstreitende Expertisen und Sichtweisen umfassend abzubilden, wie es sich in einer Demokratie gehört. Unter den Kritiker*innen der verkürzten Testverfahren bei genetischen Impfstoffen befinden sich auch renommierte Virolog*innen und Mediziner*innen wie William Haseltine, Shibo Jiang und Peter Doshi. Im deutschen Sprachraum vertreten einige renommierte Expert*innen auch kritische Positionen zu den Lockdown-Maßnahmen, darunter Angela Spelsberger, Andreas Sönnichsen, Martin Sprenger und Christian Schubert – alles Universitätsmediziner*innen, die klar und deutlich von Verschwörungserzählungen und rechtspopulistischen Ideologien distanziert sind. Sie alle werden gezielt ausgegrenzt und angefeindet. Ich fordere daher eine »Demokratisierung« des öffentlichen Diskurses. Derzeit habe ich den Eindruck, dass auf sehr autoritäre Art und Weise von politischer Seite Einfluss darauf genommen wird, wer gehört werden darf und wer nicht. Sozialpolitisch problematisch finde ich, dass psychosoziale und medizinische Folgeschäden der Lockdown-Maßnahmen noch nicht ausreichend thematisiert wurden. Besonders dramatisch hat sich zum Beispiel die Welthungersituation wegen der globalen Lockdowns verschlechtert, und auch bei uns geht die soziale Schere auseinander, wobei diejenigen, die den politischen Kurs bestimmen, natürlich auf der privilegierten Seite angesiedelt sind. Diese Problematik muss aus einer linken Perspektive einfach ernst genommen werden.

6. Was bedeutet die aktuelle Situation für die wissenschaftliche Forschung in deinem Bereich und was hat sich da im letzten Jahr verändert?

Ich erlebe einen plötzlichen Generalverdacht gegenüber jedwedem wissenschaftlichen Standpunkt, der nicht nur auf Lockdowns und im Eilverfahren getestete genetische Impfstoffe setzt, sondern auf komplexe Betrachtungen und ein generelles Umdenken abzielt. In meinem Fachbereich bedeutet das, dass man sehr schnell als »Corona-Leugner« dargestellt wird, wenn man Zusammenhänge zwischen Umwelt, Sozialem, Psyche und Immunsystem thematisiert. Lockdowns verursachen Stress, Bewegungsmangel, psychische Beeinträchtigungen und sozialen Abstieg. Sie erschweren soziale Kontakte und Beziehungen. All das wirkt sich nachweislich über neuronale Mechanismen hemmend auf die Immunfunktion aus. Besonders schockiert hat es mich, als ich am Beginn des ersten Lockdowns einem massiven Shitstorm in den sozialen Medien ausgesetzt war, weil ich die Öffnung aller gesperrten Grünflächen gefordert und mich gegen die Anfeindungen gegenüber Menschen ausgesprochen habe, die sich trotz des Lockdowns regelmäßig in Naturräume begeben. Immer wieder wurde ich deswegen als »Lebensgefährder« bezeichnet. Es ist generell schwierig geworden, differenzierte Analysen zu veröffentlichen. Das Themenfeld »Ökologie & Gesundheit«, mit dem ich mich befasse, baut aber auf komplexen und differenzierten Betrachtungen auf. Ein anderes Beispiel: Unzureichend getestete Impfstoffe, welche die Infektionskette nicht unterbrechen können, weil sie keine sterile Immunität aufbauen, stehen in der evolutionären Medizin, mit der ich mich befasse, unter Verdacht, das Mutationsrisiko zu erhöhen. Sie passen sich an die erworbene Immunantwort an und lernen, dieser zu entrinnen. Fehlt die sterile Immunität, kann das mutierte Virus dann weitergegeben werden. Das ist eine evidenzbasierte Erkenntnis der evolutionären Medizin, die bislang unbestritten war. Sagt man dasselbe heute, wird man schnell als »Impfegegner« diskreditiert. Bei AstraZeneca zum Beispiel, dem derzeitigen »Massenimpfstoff«, gehe ich davon aus, dass das Vakzin die Infektionskette nicht unterbrechen kann. Schon im Primatenversuch waren die geimpften Tiere zwar teilweise selbst vor schweren Lungenschäden geschützt, jedoch über das Nasensekret genauso ansteckend wie die nicht geimpften Tiere. Solange es keine Nachweise für eine sterile Immunität nach der Impfung gibt, ist auch das Argument, man solle sich aus Solidarität gegenüber anderen impfen lassen, ungültig. Somit sind zum jetzigen Standpunkt auch sämtliche Ideen über mögliche Einschränkungen für Nicht-Geimpfte oder Privilegien für Geimpfte obsolet, weil sie nicht evidenzbasiert sind und auf reiner Spekulation beruhen.

Also ja, es ist schwer geworden, differenzierte Betrachtungen zu COVID-19 und den Impfstoffen anzustellen, egal wie viele Quellen man für die Bedenken vorlegen kann.

7. Warum ist es wichtig, dass die Debatte darüber gerade in der fortschrittlichen, demokratischen und revolutionären Bewegung geführt wird?

Demokratie und Revolution gehen von der Basis aus. Eine autoritäre Politik, die den differenzierten Diskurs unterdrückt, steht jeder progressiven Veränderung im Weg. Sie verfestigt das Narrativ der Herrschenden und im speziellen Fall der Impfstoffe auch das Narrativ interessensgesteuerte Seilschaften der Pharmaindustrie. Daher kämpfe ich darum, dass Herrschaftskritik und Konzernkritik auch in Zeiten von COVID-19 noch stattfinden können. Sonst wachen wir danach in einer Welt auf, die noch ein Stück autoritärer geworden ist. Das macht mich besorgt.

Clemens Arvay ist Biologe und Sachbuchautor sowie im österreichischen Forum Wissenschaft und Umwelt Referent für den Fachbereich Biodiversität & Gesundheit. Er wurde von der European Countries Biologists Association zum European Professional Biologist zertifiziert und ist Doktorand am Institut für Biologie der Universität Graz, wo er eine Dissertation zum Thema Öko-Immunologie erstellt.

3 Antworten zu “Interview mit dem Biologen Clemens Arvay

  1. Arbeite selber um Gesundheitsbereich und bin äußerst besorgt über die politische Entwicklung speziell im letzten Jahr.
    Danke euch für s Dranbleiben…

    LG Ulrike Thoma

    Gefällt mir

  2. Lieber Clemens, warum gehst du eigentlich gar nicht auf Antigen basierende Impfstoffe ein. Man hat schon fast den Eindruck, du ignorierst diese Impfstoffe. Ich schätze deine Meinung sehr, abet dass verstehe ich nicht. Da sind ja einige Impfstoffe in Entwicklung, die auf gewohnte und somit schon erprobte Impfstoffbasis beruhen.

    Gefällt mir

  3. Danke für deine/eure Arbeit. Die Aussagen des Virologen Succarid Bhakdi und seiner Frau bestätigen das gesagt. Trotzdem zeigst du interessante Details betr. Kindern, totschweigen von Fakten u.v.m. auf.
    Super!
    LG ALEX

    Gefällt mir

Schreibe eine Antwort zu Günther Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s