Die große Lehre des Februar 1934 – Einheit!

Heute jähren sich die heldenhaften Februarkämpfe 1934 zum 87. Mal. Am 12. Februar 1934 erhoben sich große Teile der österreichischen Arbeiterklasse in einem bewaffneten Aufstand gegen den Austrofaschismus. Tausende Arbeiter kämpften heldenhaft – trotz Verrat durch die Führung der Sozialdemokratie – und waren damit Millionen Arbeitern in Europa im Kampf gegen Faschismus ein großes Vorbild. Anlässlich dieses wichtigen Jahrestages wollen wir eine Geschichte eines kämpfenden Arbeiters dokumentieren, der in diesen drei Tagen die große Lehre des Februars aus den eigenen Erfahrungen lernte: Es braucht die Einheit der Arbeiter im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung! Der Text stammt aus einem unveröffentlichten Buch Susanne Wantochs, der 1950-1955 auszugsweise in der Österreichischen Volksstimme erschien.

Ein Ausschnitt aus einer Februar-Novelle“ (von Susanne Wantoch)

(…) Am Morgen des 13. Februar traten die Schutzbündler von der Strassäckersiedlung (endlich bewaffnet) und die von der Stadlau unter Führung des Zartl-Franz in Aktion.

Bis zu diesem Tag war das Leben des 29 jährigen Wehrsportlers Franz Zartl so eng mit dem Leben seiner Partei verbunden gewesen, dass es schwer, ja unmöglich schien, das eine vom anderen zu trennen. Die Kinderfreunde, die Roten Falken, die Sozialistische Arbeiterjugend, die blauen Hemden mit roten Krawatten, und der Fackelzug am Vorabend des 1. Mai, da man sein Herz als Fackel hätte vorantragen mögen, so brannte und glühte es in Stolz und Liebe zu seiner gewaltigen Partei.

Ja, das Leben des Zartl-Franz war so verbunden mit dem seiner Partei, dass eines ohne das andere undenkbar schien und dass man, um das Leben der Partei zu schützen, seinen eigenen Körper stählte und abhärtete; dass der Franz jede freie Minute auf dem Arbeiterturnplatz verbrachte, um sein Herz, seine Glieder, seine Muskeln zu trainieren und zu stärken für den Tag, da…

Was das für ein Tag sein würde, da man die Wehrsportler aufrufen würde zum Schutz der Republik, darüber dachte der Franz wohl manchmal nach, aber als er einmal mehr darüber wissen wollte, da gab ihm der Kommandant ziemlich unwirsch zur Antwort: „Brauchst dir gar nicht den Kopf darüber zerbrechen, Franzl. Hast vielleicht kein Vertraue zu uns? Wenn der Tag kommt, wird die Führung der Partei schon wissen, was sie zu tun hat. Es ist schon alles versiegelt und niedergelegt…“

Wird die Führung der Partei schon wissen – wird die Führung schon wissen –, und jetzt bist du die Führung geworden, Franzl, und du bist die Partei, und du bist „Die Arbeiter von Wien“, und du bist die – Internationale, und du musst wissen, aber niemand hat dir gesagt, was. Aber du hast ein Gewehr in der Hand und weißt, wie man schießt, und die Republik ist in Todesgefahr…

Sie zogen in Schwarmlinie durch Stadlau und Kagran, nahmen ohne Widerstand zu finden, sämtliche Wachstuben ein, nahmen das Postamt, wobei sie nicht eine einzige Geldnote anrührten – denn unser Kampf ist etwas so Heiliges, dass wir ihn nicht auch nur mit einer einzigen Tat beschmutzen dürfen –, und besetzten um 13 Uhr den Nordbahnhof Floridsdorf, der nur einige hundert Meter von dem umkämpften Schlingerhof liegt. Hier hielten sie sich bis tief in die Nacht, erlitten Verluste an Getöteten und Verletzten, fanden einen Waggon mit einigen Milchkannen, und diskutierten lange und ernsthaft, ob sie die Kannen anrühren dürfen, schlugen den Angriff vom Ostbahnhof ausgeschickten Panzerzuges zurück,wurden von Kanonen beschossen und von Flugzeugen umkreist – bis lange nach Mitternacht der Schreckensruf: „Wir sind umzingelt! Alles verloren!“ die Räumung erzwang. (…)

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