Triage und Unterversorgung auf Kosten der Kinder und Jugendlichen!

Triage in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Unterversorgung bei Neugeborenen: Die „Kurve abflachen“, die Infektionszahl senken, Lockdown um Kapazitäten im Gesundheitswesen zu erhalten,… was wurde der Bevölkerung nicht alles als „notwendig“ verkauft, um den „Härtefall“ in der Gesundheitsversorgung zu verhindern. Doch dieser „Härtefall“ ist teilweise längst Realität geworden.

Das große Schreckensbild war bis vor kurzem die sogenannte „Triage“, also dass Ärzte vor dem Hintergrund mangelnder Kapazitäten für Behandlung und Versorgung damit beginnen müssen, Patienten zu selektieren in solche, die noch eine Behandlung bekommen und solche, die als relativ „hoffnungslos“ eingeschätzt werden und gar keine Behandlung mehr bekommen. Damit sollen Kapazitäten und Ressourcen auf jene konzentriert werden, bei denen die höhere Möglichkeit eines Behandlungserfolgs ausgemacht wird. Mit der Propaganda von der drohenden „Triage“ wurde allerlei gerechtfertigt, so auch der Lockdown. Demokratische und revolutionäre Kräfte wiesen hingegen schon während dieser Propaganda darauf hin, dass Kapazitäten und Ressourcen der Gesundheitsversorgung ja nicht „in Stein gemeißelt“ sind, es also statt Einschränkungen der demokratischen Grundrechte und Ausweitung der Kontrolle und Repression vor allem einen massiven Ausbau des öffentlichen Gesundheitswesens braucht. Natürlich geschah nichts dergleichen. Nein, im Gesundheitswesen soll sogar noch weiter gespart, sollen sogar Krankenhäuser geschlossen werden!

Dass es den Herrschenden in Wirklichkeit gar nicht um die Sorge für die Volksgesundheit geht, auch die Triage-Propaganda nur ein billiger Trick war, zeigt ein aufmerksamer Blick auf die Zustände des öffentlichen Gesundheitswesens. Denn gerade durch die Lockdown-Politik der Herrschenden kommt es nun schon längst zu Triagen im Bereich der psychiatrischen Versorgung. Besonders davon betroffen sind Kinder und Jugendliche, die laut unterschiedlichen ernstzunehmenden Studien durch den Lockdown psychologisch besonders belastet sind. Das ist auch kein Wunder, denn sie leiden nicht nur unter der Einschränkung sozialer Kontakte, sondern müssen auch in Lehre/Berufsschule und Schule unter besonders komplizierten Bedingungen mithalten. Das erhöht den Druck unermesslich. Weiter stieg die innerfamiliäre Gewalt gegen Kinder und Jugendliche während des Lockdowns massiv an, was ebenso zu vermehrten psychologischen und psychiatrischen Problemen der Betroffenen führen kann. Unter diesen Voraussetzungen hat sich innerhalb der vergangenen Monate die Zahl schwerer Fälle die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt werden müssen, verzehnfacht! „Schwere Fälle“ sind in diesem Falle solche, wo beispielsweise von akuter Suizidgefahr ausgegangen werden muss. Bemerkenswert ist dabei, dass der größte Teil der diagnostizierten Fälle nicht aus „vorbelasteten“ Familien, sondern aus sogenannten „stabilen Verhältnissen“ kommt. Hingegen erhöhten sich in der Wiener Kinder- und Jugendpsychiatrie die Wartezeiten für diejenigen, die nicht als „schwere Fälle“ diagnostiziert werden, im selben Zeitraum auf bis zu drei Monate! Das bedeutet, dass Probleme die zuvor relativ leicht, mit einem kurzen stationären Aufenthalt hätten behandelt werden können, sich verfestigen und vertiefen, sich zunehmend „schwere Fälle“ kristallisieren, da sie zu lange unbehandelt bleiben.

Ganz offiziell spricht man daher derzeit in den Zentren für Kinder- und Jugendpsychiatrie davon, das die Triage angewendet wird, da die Kapazitäten der stationären Behandlung vollkommen ausgeschöpft und überbelegt sind. Die Triage ist hier also längst Realität und mit ihr der unermessliche soziale Schaden zu dem sie führt. Sie ist in diesem Falle aber nicht Realität wegen Corona, sondern wegen der Politik der herrschenden Klasse, die keine konsequenten Schutzmaßnahmen für die Volksgesundheit ergreift, sondern eine Politik zu Lasten des Volkes macht und damit auch zu Lasten der Kinder und Jugendlichen.

Keine Triage, dafür aber einen massiven Mangel an personellen und technischen Kapazitäten, gibt es in Wien und Niederösterreich inzwischen auf den Geburtenstationen, vor allem was die gesundheitliche Betreuung der Neugeborenen betrifft. Es gibt zu wenige Betten und personell macht sich insbesondere der Mangel an Pflegekräften in einer Art und Weise bemerkbar, dass von einer sehr guten Versorgung gar keine Rede mehr sein kann. Natürlich geht das mit einem erhöhten gesundheitlichen Risiko für die Mütter und insbesondere für Neugeborene einher. Die Mängel bestehen seit längerer Zeit, derzeit ist es aber besonders akut. Dass es überhaupt zu diesem Mangel gekommen ist, ist nicht die Schuld dieser oder jener einzelnen Regierung, sondern begleitet uns schon seit Jahren und ist ein Resultat der kapitalistischen Gesundheitspolitik der herrschenden Klasse insgesamt, denn von keiner der verschiedenen Regierungen der letzten Jahre, wurde diese Unterversorgung beseitigt!

Für die Volksgesundheit gilt den Herrschenden nicht „koste es was es wolle“, hier gilt nur der Sparstift, das ist die Realität. Daher ist es notwendig und richtig, dass für das gesamte Gesundheitswesen ein massiver Ausbau durchgesetzt wird, ebenso wie die Löhne des Gesundheitspersonals stark angehoben werden müssen und zugleich eine Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit auf 35 Stunden erfolgen muss. Nur so wird es genügend technische und personelle Ressourcen geben, um zumindest eine halbwegs angemessene Versorgung dauerhaft sicher zu stellen.

P. G.

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