Filmtipp: „Mind the gap“

„Als ich angefangenen habe musste ich zwischen 200-250 Quadratmeter in der Stunde reinigen, mittlerweile sind es sind es ca. 400 Quadratmeter, also du musst doppelt so schnell werden.“, berichtet eine Reinungskraft aus Deutschland nüchtern. Der Film „Mind the gap“ lässt jene zu Wort kommen die in der bürgerlichen Öffentlichkeit meist verschwiegen oder als „Ausnahmefälle“ hingestellt werden. Arbeiter, Angestellte und kleine Selbstständige aus Frankreich, Deutschland, England, Österreich und Griechenland schildern mitreißend wie sich ihre Lage in den letzten Jahrzehnten verschlechtert hat und warum sie ihr Vertrauen in die EU und die herrschenden politischen Parteien aufgegeben haben.

Der Kärntner Regisseur und Drehbuchautor Robert Schabus hat mit der Dokumentation „Mind the gap“ ein gelungenes Stimmungsbild großer Teile der Bevölkerung in verschiedenen Ländern der EU zusammengestellt. Industriebetriebe die mit Hilfe der EU ins billige Ausland abwandern, Landstriche die zu Industrieruinen wurden und in denen Massenarbeitslosigkeit zum Dauerzustand wurde. Millionen an Arbeitsmigranten die zu Hause fehlen und durch den „freien Verkehr der Ware Arbeitskraft“ in der Ferne die Löhne drücken. Frauen die nach 40 Jahren Arbeit in der Pension ein Leben in Armut erwartet und Kinder die in Griechenland vor Hunger in Ohnmacht fallen. Der Film zeigt anhand der Realität, dass sich die großen Versprechungen von „Fortschritt und Wohlstand“ durch die EU, durch Globalisierung und Kapitalismus als Märchen entpuppten.

„Mind the gap“ widerspiegelt auch den Zusammenhang zwischen der wachsenden „Kluft“ von Arm und Reich und dem Vertrauensverlust in die herrschende „Demokratie“. „Offensichtlich profitieren vor allem die Konzerne von dieser Demokratie, weil sie tun was sie wollen und wann sie es wollen“, meint ein Arbeiter aus Frankreich, während er gerade gemeinsam mit seinen Kollegen gegen die Schließung der Firma in der er beschäftigt ist protestiert. So auch eine Mutter aus Griechenland, die im Zuge der Einsparungen und Privatisierungen ihre Existenzgrundlage verloren hat: „Warum soll ich wählen gehen? Soll ich etwa den wählen der dafür verantwortlich ist dass mein Kind hungern muss? Oder dass mein Vater nach 35 Jahren Arbeit sich erst einmal hinsetzt und weint, wenn er seine Pension bekommt? Wenn soll ich da wählen? Wen? Niemand ist für das Volk!“

Fazit: Eine ordentliche Portion Realität!

Nadja P.

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