ÖGB-Buchhandlung muss bleiben!

Anfang Dezember wurde durch einen Artikel der Wochenzeitung „Falter“ öffentlich bekannt, dass der ÖGB den Plan verfolgt, seine Buchhandlung im kommenden Jahr zu schließen. Eine Welle der Empörung geht seither durch die Reihen von Gewerkschaftern und Aktivisten der politischen und sozialen Bewegungen.

Wie aus Kreisen um die Buchhandlung zu hören ist, schwebte das drohende Szenario einer Schließung schon längere Zeit über den Beschäftigten. Der ÖGB-Verlag, unter dessen Schirm die Buchhandlung betrieben wird, führt auch selbst in einer auf facebook veröffentlichten Stellungnahme an, dass „viele Maßnahmen gesetzt wurden, um eine Besserung der Lage zu erwirken. (…) Leider ohne nachhaltige Effekte.“ Das bedeutet, dass sich das Unternehmen, das vollständig im Eigentum des Gewerkschaftsbundes liegt, in seiner Entscheidung die Buchhandlung zu schließen umfassend auf die angeblich wirtschaftliche Situation beruft. Interessanterweise geht aus dem Statement des Verlags in keiner Weise hervor, dass die beabsichtigte Schließung nur „von oben“ angeordnet worden wäre, sondern wird präsentiert als eigene Entscheidung „schweren Herzens“. Ob man der Leier über angebliche wirtschaftliche Problem nun Glauben schenken mag oder nicht, wie „schwer die Herzen“ der ÖGB-Führung und Verlagschefs auch immer sein mögen… Die Entscheidung spricht unabhängig davon Bände darüber, wie das Verständnis von der Rolle und Verantwortung der Gewerkschaften bei den jeweils Verantwortlichen aussieht. Dass eine Gewerkschaft nämlich gegenüber der Arbeiterbewegung einen Bildungsauftrag hat, den sie unabhängig vom bürgerlichen Staat erfüllt, das war für lange Zeit eigentlich ein no-na-ned Allgemeinplatz in der organisierten Arbeiterbewegung, denn wo käme man hin, wenn Werkzeuge der Bildung, Wissenschaft und Aufklärung, wie es gut sortierte Buchhandlungen mitsamt ihren Veranstaltungen und Programmen, aber auch Verlage nun mal sein können, nur in der Hand der Bürgerlichen liegen würden?! Dass die für die angekündigte Schließung verantwortlichen Bonzen und Funktionäre diese Binsenweisheit offenbar vergessen haben, liegt daran, dass sie sich selbst nicht mehr als Gegner der Bürgerlichen sehen und es auch nicht sind. Sie sind aus Beiträgen der Arbeiter gut bezahlte Repräsentanten eines Gewerkschaftsapparats, der vollständig mit dem bürgerlichen Staat verschmolzen ist, ja sogar Teil des bürgerlichen Staatsapparats wurde. Dass sie in dieser Lage Entscheidungen treffen die den Arbeiterinnen und Arbeitern, die der gesamten demokratischen, antifaschistischen und revolutionären Bewegung nicht helfen, sondern schaden, liegt auf der Hand.

Die Buchhandlung des ÖGB etablierte sich in den vergangenen Jahren als „linke Institution in Wien“, wie es die Journalistin Nina Horaczek treffend beschreibt. Eine Vielzahl von Veranstaltungen die Leute unterschiedlicher Zugänge zusammenbrachten, die Diskussionen über politische und ökonomische Themen förderten und Platz dafür boten, dass Neues entstehen konnte, fanden dort statt. Im Sortiment finden sich nicht nur die großen und etablieren linksliberalen Verlage und Autoren aus SPÖ und Linkspartei, das wäre nun wirklich keine Besonderheit, sondern auch anarchistische, kommunistische und antiimperialistische Kleinstverlage, Publikationen der Alfred-Klahr-Gesellschaft, aktuelle Broschürendrucke unterschiedlichster Herausgeberschaften und so ziemlich alle Zeitschriften, welche die österreichische Linke zu bieten hat, bis hin zu jener der Katholischen Sozialakademie.

Aus allen diesen Gründen muss klar sein, dass es nur heißen kann:ÖGB-Buchhandlungmuss bleiben! Doch es sind nicht nur die politischen und ideologischen Gründe, die den Einsatz für den Verbleib der Buchhandlung notwendig machen. Es geht ganz konkret auch um die Lage der Beschäftigten! Wie zu hören ist, sollen diese sogar ohne einen ordentlichen Sozialplan, oder eine Zusage auf andere Beschäftigung, auf die Straße gesetzt werden. Und das, während der ÖGB gleichzeitig Kampagnen unter dem Slogan macht, dass es „in der Krise zu keinem Abbau von Arbeitsplätzen“ kommen darf. Gleichzeitig werden die eigenen Leute offenbar eiskalt abgefertigt. Ist das richtig, dann macht diesen Bonzen in Zynismus und Heuchelei offenbar so schnell niemand mehr was vor und Katzian zeigt was er ist: nichts weiter als ein Genosse der Bosse! Hinter jedem Beschäftigten der Buchhandlung stehen auch Familien. Auch ihnen wird mit der Entscheidung über die Schließung der Buchhandlung als „Weihnachtsgeschenk“ serviert, dass ihre Angehörigen möglicherweise arbeitslos werden, inmitten der Corona-Pandemie, in einer umfassenden Wirtschaftskrise und in der Buchbranche, die ohnehin nicht gerade boomt. Wie erklärt der ÖGB das? Wo ist da der so oft getrommelte, angebliche Einsatz gegen „soziale Kälte“? Das alles ist offenbar nichts als Schall und Rauch und sollte allen Aktivisten der Gewerkschaftsbewegung und all jenen die noch an den Apparat des ÖGB glaubten, ernsthaft zu denken geben. Daher ist es umso wichtiger, dass die Aktivistinnen und Aktivisten der politischen und sozialen Bewegungen auch über die Feiertage hinweg zusammenstehen, gemeinsam Druck aufbauen und unter einer klaren und eindeutigen Forderung Aktivitäten entwickeln: ÖGB-Buchhandlung muss bleiben!

Jonas G.

Unterstützt den Verbleib der Buchhandlung auch mit eurer Unterschrift bei folgender Petition: LINK HIER!

Kommentare aus facebook welche die Stimmung innerhalb der politischen und gewerkschaftlichen Bewegung deutlich zum Ausdruck bringen:

Eine Antwort zu “ÖGB-Buchhandlung muss bleiben!

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