Nachruf auf Gudrun: Opfer des Attentats vom 2. November

Im Folgenden wollen wir einen Nachruf auf die Mitstreiterin Gudrun dokumentieren, der von unseren Freundinnen des FZ-FrauenLesebenMädchenMigrantinnen-Zentrum veröffentlicht wurde. Gudrun war eines der Opfer vom Attentat in Wien am 2. November und wir wollen unser Beileid an die Familie des Opfers aussprechen als auch unsere Anteilnahme und Solidarität mit dem FZ, dessen Unterstützerin Gudrun viele Jahrzehnte ihres Lebens war. Wir halten diesen Nachruf für ein wichtiges politisches Zeichen, das sich gegen die Instrumentalisierung der grausamen Morde vom 2. November durch die Herrschenden in Österreich stellt:

Nachruf auf Gudrun vom FrauenLesbenMädchenMigrantinnen-Zentrum.

Als FZ-FrauenLesbenMädchenMigrantinnen-Zentrum gedenken wir unserer langjährigen Mitstreiterin und Compañera Gudrun, die am 2. November durch das Attentat eines jungen Mannes getötet wurde.

Seine Handlung mag in einem Hass auf ein ausgrenzendes, rassistisches System begründet sein. Aber der Hass, wahllos Menschen zu töten, ist mörderisch wie das System, das er möglicherweise bekämpfen wollte. Wir kannten Gudrun als tatkräftige Person, der es wichtig war, dass es einen Ort gibt, an dem FrauenLesben zusammenkommen, sich gegenseitig stärken und sich organisieren können. Wir verdanken ihr unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit im FZ, weil es ihr Anliegen war war, dass Frauen dieser feministische Ort zur Verfügung steht! Besonders in Erinnerung bleibt uns ihr Engagement bei der Renovierung der gesamten FZ-Bar im Jahr 2003. Viele Jahre hindurch hat sie die Feste nach der Demo am 8. März, dem internationalen Frauen-Kampftag wesentlich mitorganisiert. Oft saß sie bei den Frauen am Tisch und hatte stets ein offenes Ohr auch für schwierige Lebensrealitäten. Für viele war sie Freundin und wichtige Bezugsperson in der lesbischen Identitätsfindung. Sie hat vielen sehr viel gegeben und verstand es, dies ohne viel Aufhebens zu tun. Wie ihre Schwester bereits im veröffentlichten Nachruf sagte, waren für Gudrun Hass und Gewalt keine Lösung, sondern Teil des Problems unserer Gesellschaft. Ein großes und zentrales Anliegen war ihr, sich gegen Gewalt an Frauen einzusetzen; Als Aktivistin hat sie sich für eine antirassistische und antipatriarchale Gesellschaft engagiert und hätte keinesfalls gewollt, dass sich politische Entscheidungsträger*innen, wie aktuell zu sehen, aus der Verantwortung stehlen – für Verhältnisse, die Privilegien und Macht höchst ungleich verteilen. So hätte sie ebenso nicht gewollt, dass es – infolge des Anschlags – zu einer weiteren Verschärfung des Staatsbürger*innenschafts-Gesetzes kommt und dadurch Diskriminierung, Marginalisierung und gesellschaftliche Ausschlüsse noch mehr verstärkt werden.

Wir hätten mit ihr über den Zusammenhang von Männergewalt und rassistischer Gewalt gesprochen. So etwa über den Frauenmord, kurz davor in Penzing, über den Tod eines Gefangenen in der Schubhaft vor 2 Wochen und über die geplanten Abschiebungen am 12. November wo zahlreiche Menschen per Charterflug nach Nigeria abgeschoben werden sollen. Wie ausgrenzend und rassistisch sind unsere Gesellschaft und unser Bildungssystem? Und was haben Männergewalt und Militarisierung mit den herrschenden Verhältnissen zu tun? Mit welchem Recht spricht Sebastian Kurz von einem Kampf zwischen Zivilisation und Barbarei, wenn es doch genau diese vermeintlich „zivilisierte“ Politik ist, die diese von ihm sobezeichneten „barbarischen“ Verhältnisse mitzuverantworten hat? Fragen, die auch Gudrun sich gestellt hätte und die ihre politische Haltung kennzeichneten. Unsere Kämpfe für eine andere Gesellschaft, für eine andere Welt erfordern genau diesen Blick und solidarisches Handeln, wenn es um Ausgrenzung und Hetze geht.

Wir verabschieden uns von unserer Schwester, Freundin und Kampfgefährtin Gudrun! Wir werden Dich vermissen! Wir sprechen ihren Angehörigen, ihrer Lebensgefährtin und ihren engen Freundinnen unser tiefstes Beileid aus! Und auch allen Angehörigen, Freundinnen und Freunden derer, die ihr Leben bei dem Anschlag verloren haben. Gleichzeitig gedenken wir der Getöteten vom Attentat in Kabul, das am selben Tag stattfand und bei dem es 19 Tote und viele Verletzte gab. Wir trauern mit Euch! Wir werden weiterhin aktiv sein gegen Gewalt an Frauen, gegen Femizide und frauenfeindliche Verhältnisse und für eine autonome, lebendige Präsenz von Frauen und für lesbische Sichtbarkeit! Wir sagen Rassismus, Patriarchat und Kapitalismus den Kampf an! Mit all unserer Kraft und Liebe zum Leben kämpfen wir weiterhin für ein gutes Leben und zwar für alle weltweit!

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