Belarus: Aufruf „An die Arbeiter“

Im folgenden veröffentlichen wir eine Übersetzung von einem Ausschnitt eines Aufrufs „An die Arbeiter“ aus Belarus, der von der Organisation „Streik Belarus“ veröffentlicht wurde. Wir schätzen ihn als sehr wichtig ein, da er zeigt, dass neben der proimperialistischen „Opposition“ auch die Arbeiterbewegung in den Protesten einen eigenen Ausdruck und Weg hat.

An die Arbeiter

In Weißrussland haben sich Proteste ausgebreitet.

Jeden Tag kann man Schreie und Schüsse von den Straßen hören, jeden Tag werden Hunderte bis Tausende Leute von der Polizei verhaftet. Der Konflikt eskaliert und es gab schon einige Opfer.

Das Volk hat das Recht zu protestieren und wir verstehen, dass viele aufgrund des Gefühls von Empörung und Ungerechtigkeit auf die Straße gehen, mit den Spezialeinheiten der Polizei kämpfen (Special Purpose Police Unit), obwohl sie dort Kugeln und Schlagstöcke erwarten und die Massen ihre Gesundheit, ihre Freiheit und sogar ihr Leben riskieren.

Es gibt wirksamere Wege um zu Kämpfen.

Nicht nur für freie Wahlen, sondern auch für die Möglichkeit unser Leben genau hier und jetzt besser zu verbessern. Es gibt eine sehr wirksame und lang-bewährte Methode – den Streik.

Jetzt rufen viele in den Fabriken auf die Arbeit zu unterbrechen um die Polizeigewalt zu stoppen.

Aber das ist nicht genug.

Ein einmaliger Streik für freie Wahlen wäre nicht genug. Wir brauchen ein Organisation, die die Arbeiter jedes Mal erhebt, wenn der Chef oder Besitzer „tobt“. Jeder von uns verbringt die meiste Zeit am Arbeitsplatz und genau wegen der Lage dort, aufgrund der Angst die Arbeit zu verlieren, wächst das Gefühls der Freiheit beraubt zu werden.

Wir brauchen eine gute, dauerhafte Organisation der Arbeiter, unabhängig von der Regierung oder den Besitzern.

Darüber hinaus braucht es solche Arbeiterorganisationen nicht nur in den großen staatlichen Industriebetrieben. Auch heute schon arbeiten die meisten Weißrussen im privaten Sektor und die Lage dort ist meist nicht besser als in den staatlichen Betrieben. Und Privatbesitzer sind nicht weniger ‚Sponsoren des Systems‘ als die staatlichen Betriebe.

Darüber wird nicht so oft gesprochen, weil keine einziger Geschäftsmann eine Organisation in seinem Betrieb haben möchte, die seinen Interessen zuwiderläuft. Aber ohne Arbeiterorganisationen und ohne Kämpfe im privaten Sektor, wird der unterdrückende Mangel an Freiheit der meisten Weißrussen nicht verschwinden.

Wofür wir kämpfen sollten

– Verbot von Privatisierung von Betrieben

– Erhaltung der Arbeitsplätze

– Demokratisierung des politischen Systems

– Sofortige Freilassung der grundlos Verhafteten von den Demonstrationen

– Rücknahme des Dekrets Nummer 2 „Über die Prävention sozialer Abhängigkeit“

– Verbot von Geldstrafen und Verlust von Prämien

– Rücknahme des Vertragssystems

– Anhebung der Sozialhilfe

– Rücknahme der Pensionsreform

– Schaffung von Gewerkschaften die unsere Interessen verteidigen

Was zu tun ist

– Rede mit deinen Kollegen.

– Organisiere einen Austausch auf sozialen Netzwerken oder Nachrichten Plattformen.

– Besuche Workshops dazu wie ein Streik die Produktion oder Dienstleistungen stoppt.

– Mach bei unseren Medien mit und mach dich bereit um am richtigen Zeitpunkt die Arbeit niederzulegen.

An die Kommunisten und Linken auf der Welt!

Liebe Genossen!

Wir, Weißrussische Marxisten, Repräsentanten der wichtigsten kommunistischen und linken Gruppen, Organisationen und Parteien, die die Initiative „Streik Belarus“ organisiert haben wollen alle von euch dazu aufrufen Unterstützung zu zeigen und Hilfe bereitzustellen.

Die Präsidentschaftswahlen die in Weißrussland stattgefunden haben, führten zu einer politischen Krise. Der Konflikt wurde durch die politische Opposition und die Behörden weiter entfacht. Das alles führte zu einer beispiellosen Gewalt durch die Polizei, die sich keiner in Weißrussland hätte vorstellen können. Wir sahen Machtmissbrauch durch die Bürokratie und Gerichte, Gesetze die sich gegen das Volk und die Arbeiter richten, eine schleichende Privatisierung und ein anhaltendes Wachsen des privaten Sektors. Die liberale Opposition, dem Aufruf des internationalen Kapitals folgend, benützt die Wut der Massen und fordert dass Lukashenko den Posten räumt und macht das unter dem Vorwand des friedlichen Protests, der brutal unterdrückt wurde. Das Niveau der Unzufriedenheit steigt und die Gewalt wird ein erschreckender Normalzustand. Genauso wie das Regime, das bereit ist sich mit allen Mitteln zu verteidigen, hat auch die Opposition sich festgelegt, unter allen Kosten zu gewinnen. Wir sind nun Zeugen eines Kampfes zwischen dem staatskapitalistischen System, personifiziert durch Lukashenko, seinem Staatsapparat und verschiedenen internationalen imperialistischen Kräften, repräsentiert durch die Opposition.

Zum ersten Mal seit Langem ruft die Opposition die Arbeiter zum Streik auf, allerdings nur in den Betrieben in Staatsbesitz und das obwohl die Mehrheit der Weißrussen im Privaten Sektor arbeitet, wo die Bedingungen meist schlimmer sind als in den staatlichen Unternehmen.

Welche Solidarität brauchen wir?

Wir müssen die wirklichen Gründe der Unzufriedenheit der Arbeiter verbreiten, das diese nicht durch die Gesichter aus dem Fernsehen verursacht wurde, welcher Macht diese Köpfe auch besitzen mögen, sondern mit ihren aktuellen Bedingungen. Das kann nicht einfach durch wählen oder den Sturz des Präsidenten korrigiert werden. Der einzige Weg diese Situation zu verbessern ist eine organisierte Kraft der Arbeiter, die hier und jetzt für ihre wirklichen Klasseninteressen aufstehen. Und die Arbeiterklasse Weißrusslands ist im Begriff sich dieser Macht bewusst zu werden; es war die Arbeiterklasse, welche die Polizeigewalt auf den Straßen beendete (obwohl es vielleicht nur vorübergehend war). Und wir müssen diesen Kampf jetzt beginnen, denn die Massen sind radikalisiert und bereit zu Handeln.

(…)

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