Innsbruck: Schüler und Eltern demonstrieren gegen Home-Schooling

Am Montag, den 19. Oktober versammelten sich über 100 Schüler, Lehrer und Eltern am Innsbrucker Landhausplatz, um gegen die Maßnahmen der Landesregierung im Schulbereich zu demonstrieren. Lauter Unmut äußerte sich gegen die Verordnung des „Home-Schoolings“ in den orangen und roten Bezirken Tirols und richtete sich konkret gegen Bildungslandesrätin Beate Palfrader von der ÖVP.

Oberstufenschüler ab der 9. Schulstufe in den Tiroler Bezirken Innsbruck Stadt und Innsbruck Land, Schwaz, Landeck, Kufstein und Imst sind schon wieder ins Home-Schooling verfrachtet worden. Zu diesem Zeitpunkt waren in ganz Tirol schon ca. 2000 Schüler und 174 Lehrer in Quarantäne. Die Schüler fordern ein Ende des Home-Schoolings und Unterricht in der Schule. Klar formulierten sie was Home-Schooling bedeutet: „Wir lernen nichts!“. Auch wurde von den Schülern betont: „Wir haben ein Recht auf Bildung“, womit sie aufzeigten, dass die schönen Sprüche der Herrschenden nur leere Worte sind. Ein Jugendlicher sagte auch, dass Home-Schooling massivern Druck für die Eltern bedeutet. Eine Mutter von zwei Jugendlichen äußerte sich auch dazu und meinte: „ich bin gegen die Maßnahmen und dass es wieder die Jugendlichen trifft. Genau diese werden als erstes wieder isoliert“.

Gleichzeitig zeigen sie mit ihren Forderungen auch die Heuchelei der herrschenden Politik auf. Während zur Zeit des ersten Lock-downs groß angepriesen wurde, dass alle Schüler mit dem nötigen Material (Computer, usw…) ausgestattet werden würden, zeigte sich bei der Demonstration, dass das keineswegs der Realität entspricht. Viel mehr sieht man, dass diese groß angepriesenen Unterstützungsmaßnahmen oft nicht mehr als heiße Luft waren. Auch die Elternvertretungen in den betroffenen Schulen zeigen, dass es um weit mehr geht, als „nur“ um „Distance-Learning“ und starteten eine Petition mit der Forderung „Ein Sitzplatz pro Kind in Schulbussen“. Sie zeigen damit auf, dass die Busse vollkommen überfüllt sind. Auch das ist nicht „neu“ mit Corona, sondern war vorher schon genauso. Die Forderung nach mehr Schulbussen hat da gerade in „Corona-Zeiten“ besondere Dringlichkeit!

Dass hier Maßnahmen gesetzt werden die unverhältnismäßig sind und eher den Verdacht aufbringen, dass es sich erneut um einen Versuch der Rettung des Wintertourismus handelt, zeigt auch die Teilnahme der Bildungslandesrätin Palfrader und des Bildungsdirektors Paul Gappmaier an der Demonstration. Diese versuchten beim „offenen Mikrofon“ die Situation zu beschwichtigen, durch Aussagen wie: „Wir tun das nicht für uns, sondern für die Risikogruppen, für die es um alles geht.“ (Gappmaier) und Palfrader meinte, dass es auch für die Politik keine leichte Situation sei und verteidigte die Maßnahmen. Anhaltende Buh-Rufe zeigten, dass diese „schönen Sätze“ nicht mehr geglaubt werden und die Schüler prangerten die Ungleichbehandlung an, dass K1-Schüler viel länger in Quarantäne bleiben müssten als z.B. Politiker. Ein Schild auf der Demonstration unterstrich diese Heuchelei der Politiker: „PolitikerInnen feiern Corona Partys und schließen Schulen.“. Zurecht gibt es wenig Vertrauen in diese Politik, denn es wird schon wieder so getan, als gäbe es nur Schwarz und Weiß, Home-Schooling oder normalen Unterricht. Doch was ist mit zusätzlichem Lehrpersonal, oder mit kleineren Gruppen? Genau solche Maßnahmen braucht es! Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten um den Unterricht zu garantieren, aber Home-Schooling ist die einfachere und billigere Variante, da alles auf die Schüler und Eltern abgewälzt wird. Deshalb wurde auch von den Demonstranten währen der Rede von Palfrader ein Sprechchor mit „Lüge, Lüge, Lüge,…“ angestimmt. Dass unter den hundert Personen beinahe mehr Eltern als Schüler teilnahmen, wurde von einer der Organisatoren des Musikgymnasiums so kommentiert: „Das ist ein trauriger Aspekt, aber viele haben sich heute nicht getraut zu kommen, weil sie gerade zu Hause Home-Schooling haben“. Die Schüler trugen auch Schilder mit auf denen stand „Wollt ihr wirklich ein dummes Volk?“.

Während nun in den westlichen Bundesländern auch schon bei Orange Schulschließungen und Home-Schooling angeordnet werden, ist das in anderen Bundesländern nicht der Fall. Dies lässt die Vermutung aufkommen, dass es sich um eine Maßnahme zur Rettung des Wintertourismus handelt, um die offiziellen Infektionszahlen schnell herunterzubekommen. Dass hier die Schüler und Eltern dafür herhalten müssen und diese draufzahlen sollen, nur um Millionengewinne für den Wintertourismus zu sichern, ist die wirkliche Absicht der Herrschenden. Auch bei der Vorverlegung der Sperrstunde auf 22 Uhr in der Gastronomie wurde ganz offen damit argumentiert, dass das für den Wintertourismus sei. Ebenfalls ist aufgekommen, dass Politiker forderten K1 Personen nicht mehr zu testen, ebenso um die Infektionszahlen niedrig zu halten, um den Wintertourismus nicht zu gefährden. Es wird sonnenklar, dass der Protest sich dagegen richtet, dass schon wieder das Volk herhalten muss, um die Profite der Herrschenden nicht zu gefährden. Dass es dagegen Protest und großen Unmut gibt ist nicht nur richtig, sondern muss auch kraftvoll unterstützt werden!

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