Reportage: „Wir Daubelfischer lassen uns nicht enteignen!“

Die Daubelfischer im Nationalpark Donau-Auen am Donaustrom in Wien wehren sich nun schon seit 2018 gegen die kalte Enteignung ihrer Hütten durch die Stadt Wien. Was medial lange Zeit wenig aufgegriffen wurde, ist eigentlich ein schreiender Skandal, bei dem es um die Zerstörung von jahrhundertealtem Kulturgut und Zwangsenteignung ohne Entschädigung der Daubelfischer geht, die jahrzehntelange Arbeit und Mühe in den Bau und Erhalt der Fischerhütten hineingesteckt haben. Trotz dem großen Aufwand, den die Stadt Wien mit Räumungsklagen, Entzug der Fischereilizenz und sonstigen Schikanen betreibt, lassen ein Großteil der Daubelfischer nicht locker und kämpfen um den Erhalt ihrer Hütten und der Daubelfischerei!

Aber wie kam es nun zu all dem?
Die Daubelfischer der Reviere Albern, Mannswörth und Donau Mühlleiten wurden dazu gedrängt neue Pachtverträge zu unterzeichnen, da die bislang gültigen Verträge, die seit ca. 1950 Gültigkeit hatten grundlos von der MA49 gekündigt wurden. Bislang war es so, dass die MA49 (Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien) einen Vertrag mit dem Verband der Österreichischen-Arbeiter-Fischerei-Vereine (VÖAFV) hatte und dieser wiederum an die Daubelfischer verpachtet hat. Der neue Vertrag, der zwischen dem VÖAFV und der MA49 ausgemacht wurde, sieht die Enteignung der Hütten an die Stadt Wien vor und kann eine Kündigung der Fischer bei kleinster Missachtung einer Vorschrift bringen. Außerdem werden die Kosten der Pacht für die Fischer damit um bis zum Vierfachen steigen. Klar ist, dass es sich dabei um ein eiskaltes Verdrängen der Daubelfischer handelt! Die Daubelfischer sind rechtmäßige Eigentümer ihrer Hütten, auch bei den regelmäßigen Hochwassern und Instanthaltungen gab es keine Hilfe seitens der Stadt Wien, sondern sie alleine mussten sich um die Reinigung und den Erhalt des Pachtgrundes kümmern. Scheinheilige Vorwürfe durch die Stadt Wien, dass die Hütten zu „Partyhäusern“ oder ähnlichem umgebaut worden wären, sollen nur als Vorwand dienen, die Enteignung zu rechtfertigen. Die Realität ist, dass die Hütten weder Kanalanschluss, Einzäunungen noch Anschluss ans Stromnetz haben. Viele von den Daubelfischern sind Pensionisten mit geringem Einkommen, die jeden Euro umdrehen müssen und nun auch noch ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung und Erholung beraubt werden! Bei vielen Daubelfischern ist dieses Kulturgut seit Generationen in der Familie weitergegeben worden. All dem soll nun ein Ende gesetzt werden und aus genau diesen Gründen weigern sich 40 von 70 der betroffenen Fischer, diesen Enteignungsvertrag zu unterzeichnen.

Entgegen der Hoffnung, dass eine Lösung im Sinne der Daubelfischer gefunden wird, flattern nun Räumungsklagen in die Häuser der widerständigen Daubelfischer. Und nicht nur das: ihnen wurde auch die Fischereilizenz nicht mehr erneuert und eine Zufahrtsgenehmigung zu ihren Hütten verweigert (auch diese wird von der MA49 ausgestellt!). Noch schlimmer ist es bei den Fischereilizenzen: Da hält sich die MA49 den Verband am „Gängelband“ und bestimmt, wer vom Verband eine Fischerlizenz bekommt! Man stelle sich vor, dass körperlich beeinträchtigte Pensionisten nun zu Fuß einige Kilometer zu ihren Fischerhütten gehen sollen! All das hat einen Zweck und das ist so viel Druck auszuüben, dass die Fischer „freiwillig“ unterzeichnen. Da hat sich das „soziale“ Wien jedoch getäuscht, denn die Daubelfischer haben sich zusammengeschlossen und sind fest davon entschlossen, für ihre Rechte zu kämpfen! Trotz dem Bemühen der Fischer um Gespräche mit der Stadt Wien (Ulli Sima, Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke; Bürgermeister Michael Ludwig) verweigert diese das Gespräch und Bürgermeister Ludwig sagte den Termin kurzfristig ab und ist „stumm wie ein Fisch“. Die gemeinen Schikanen und zahlreichen Strafen haben dazu geführt, dass einzelne Daubelfischer schon bis zu 4.500€ an Prozesskosten zu stemmen hatten. Auch in diesem Punkt lassen sich die Daubelfischer nicht alleine, sondern versuchen den Rechtsstreit gemeinsam durchzufechten. „Aber da stemmen wir jetzt als Gemeinschaft diese Kosten. Das haben sie sich nicht gedacht! Wir werden aber den Verband auf Schadenersatz klagen, weil er nichts gegen die Kündigungen gemacht hat. Der hat nichts gemacht und die gerichtliche Kündigung zugunsten der MA49 entgegengenommen, ohne die Fischer davon in Kenntnis zu setzen einen rechtlichen Einspruch „wissentlich“ verwirken lassen.“

„Gerade vor der Wahl, da spielen sie [die Politiker] sich immer so auf. Da sieht man wie die Sima Duftsprays in der U-Bahn verteilt, aber wirklich was machen tun sie nicht!“

Warum wird mit aller Härte gegen die Daubelfischer vorgegangen, warum werden sie so schikaniert und mit unredlichen Argumenten vors Gericht zitiert? Anton Steiner, dem Vereinsvorstand der Interessen Gemeinschaft Donau Daubler (IGDD) meint: „Es geht da um sehr viel Geld! Laut einem Rechnungshofbericht der zeigt, dass der Verband für die ganzen Gewässer in Wien nur 8000€ an die MA49 bezahlt. Gleichzeitig kassiert er aber von mindestens 5000 Fischern a‘ 50€ Mitgliedsbeitrag und zusätzlich noch die Fischereilizenz mit a` min. 150€. Das macht einen stolzen Betrag von über einer Million Euro. Und dieses Geschäft will die Stadt Wien/MA49 jetzt offensichtlich selber, bzw. den „Kuchen“ mit dem Verband teilen.“

„Heute enteignen Sie unsere Hütten. Morgen kassieren Sie eure Kleingärten.“ Ähnliche Schweinereien von der Stadt Wien hat es auch schon mit neuen Pachtverträgen für Jagdreviere gegeben, die von fünf Jahren auf ein Jahr begrenzt wurden. Den Daubelfischern die sich nun zur Wehr setzen, ist es ein großes Anliegen aufzuzeigen, dass die Räumung durch die rot-grüne Stadtregierung nicht nur sie treffen wird. Es sind auch noch hunderte von anderen Daubelfischern, die ganzen Kleingartensiedlungen, die nach Einschätzung der Daubelfischer die nächsten sein werden die niederplaniert werden sollen. Dass das keine Einbildung ist, sondern auch das Verdrängen der Daubelfischer eine lang geplante Sache war, zeigt ein Zitat des Forstdirektors der MA49, Andreas Januskovecz, von 2005. Er meint, das Ziel sei die Lobau überhaupt fischerfrei zu machen. „Das ist aber keine einfache Geschichte.“ Nun zeigt sich an der Entschlossenheit der Daubelfischer, das er recht behalten hat. Das Anliegen der Daubelfischer, dass auch jene die es erst in Zukunft treffen wird, ihre Unterstützung zeigen, ist also richtig und notwendig! Nicht nur bei den Daubelfischern, sondern bei allen „Kleinen“ wird drübergefahren und versucht noch mehr Geld herauszupressen. Das wird augenscheinlich bei all den Schweinereien wie dem Abkassieren von Millionen an Kurzarbeitsgeldern oder die dreisten Kündigungen bei MAN, ATB, FACC, Swarovski, usw… gespart und drübergefahren wird eben immer bei den „einfachen Leut‘“. Und das ist auch der Grund warum die Daubelfischer öffentlichwirksam ihren Protest gegen die volksfeindliche Politik der Stadtregierung auf die Straße tragen!

Die Daubelfischer wehren sich!
Mittlerweile gab es zwei Demonstrationen die von den Daubelfischern organisiert worden sind, um auf die dreisten Pläne der Stadt Wien aufmerksam zu machen. Obwohl viele der Daubelfischer ihr Leben lang noch auf keiner Demonstration waren, haben sie lautstark ihre Anliegen verbreitet. Um die Rolle des VÖAFV in dem ganzen Prozess aufzuzeigen wurde ein Transparent mit der Aufschrift „Arbeiterfischerverein hat ‚seine‘ Daubelfischer verraten!“ getragen, was zeigen soll, dass der Verband überhaupt nicht auf Seiten der Daubelfischer steht, sondern die Enteignung im Sinne der Stadt Wien stützt. Gerufen wurde „Wir sind hier, wir sind laut, weil uns die Sima die Hütten klaut!“ und sie trugen Transparente wie „Stadt Wien/MA49 enteignet die Daubelfischer kalt“.

Die Daubelfischer zeigen, dass man sich nicht immer alles gefallen lassen muss. Im Endeffekt sind es diejenigen Leute, die heute nicht von der asozialen Politik der Stadtregierung profitieren, die genau diesen Protest auch unterstützen müssen. Gespart und abkassiert wird immer weiter bei den „Kleinen“, deshalb ist der Widerstand der Daubelfischer ein wichtiges Zeichen, auch an andere Teile der Bevölkerung. Solidarität mit den Daubelfischern:

Einstellung sämtlicher Gerichtsverfahren gegen die Daubelfischer!
Keine Enteignung und Zerstörung von Kulturgut!
Wehrt euch und kämpft: Daubelfischer bleiben!

Mit herzlichem Dank für ein Gespräch mit dem Vorstand der IGDD, Anton Steiner und den Daubelfischern die uns bei dem Protest ihre Anliegen näher gebracht haben.

INFO: Was ist das Daubelfischen?
Das Daubelfischen ist eine spezifisch österreichische Art der Netzfischerei. Bereits am Ende des 17. Jahrhunderts findet sie erste Erwähnungen. Ab dem Jahr 1885 entwickelte sich das Daubelfischen im Gemeindegebiet von Wien und war ein weitverbreiteter Zweig der Fischerei im Donaugebiet. Im Jahr 1921 organisierten sich die „Donaufischer“ im Arbeiterfischereiverein und es gab hunderte Krandaubeln im Bereich der Donau. Die Daubelfischerei wurde hauptsächlich von den armen Leuten betrieben, von den Arbeitern, in der Kriegszeit, in der Zwischenkriegszeit und auch in der Nachkriegszeit. Sie diente zur Nahrungssuche und so entstand diese Tradition. Die Daubelfischerei ist eine Einzigartigkeit in Österreich und ist Teil der Wiener Kulturgeschichte.

Der Name der „Daubelfischer“ kommt von der „Daubel“, das Fischernetz zum Einfangen der Fische. Auch hier gibt es verschiedene Arten, wie Hand- oder Krandaubeln und weitere.

Nadia Kovac

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