MAN Steyr: Gelungene Rede auf Demonstration gegen Schließung

Wir möchten hier eine Rede teilen, die auf der Facebook-Seite der Demonstration gegen die Schließung des MAN-Werks in Steyr veröffentlicht wurde (hier dazu der Link!). Diese Rede wurde offensichtlich im Dialekt gehalten und ist nun zur Verbreitung „ausgedeutscht“ niedergeschrieben worden.

Die Rede ist ein sehr wichtiger Beitrag für alle Arbeiter und Angestellten, die nun von Kündigungen bedroht, oder von Angriffen und Verschlechterungen betroffen sind. Sie zeigt sehr lebendig auf, dass es sich nicht „nur“ um einen „weiteren Fall“ handelt, sondern dass hier Tausende Existenzen bedroht sind, Zulieferbetriebe, Familien und schlussendlich die ganze Region. Nichts desto trotz gibt die Rede große Zuversicht, dass man sich nicht täuschen lassen soll von „Industriegipfel“ oder „Standortsicherung“, sondern dass es gerechtfertigt und notwendig ist, den Erhalt des Standortes und der Arbeitsplätze zu fordern und sich dafür zusammenzuschließen!

Liebe Kolleginnen, Kollegen, Freunde und Unterstützer!

Schön dass ihr alle da seid! Es geht um wirklich viel und unsere Demonstration heute ist ein wichtiger Anfang!

Wie ihr alle wisst stehen bis zu 6.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Wir brauchen euch nicht erklären, welche Auswirkung die Schließung vom Werk auf die gesamte Region hat, das ist eine Katastrophe!

Weltweit werden bei MAN 9.500 Arbeitsplätze gestrichen, der Standort Steyr soll gänzlich geschlossen werden. Klar ist aber, dass die Corona-Pandemie nicht schuld ist, sondern höchstens dazu gekommen ist. Mit der Corona-Pandemie hat MAN aber auch die Kurzarbeit ausgenutzt und weitere Millionen kassiert, von unseren Steuergelder! Wir sehn auch, dass die lächerliche Standortsicherung weder die Arbeitsplätze sichert, noch die Kurzarbeit vor Kündigungen schützt!

Die Industriearbeiter kennen solche Krisen des Kapitals schon länger, oft ist es schon auf und ab gegangen, jetzt ist aber ein Höhepunkt erreicht! Es trifft tausende Arbeiter, viele stehen kurz vor der Pension, einige haben Kredite zum zurückzahlen, viele sind Alleinverdiener! Es sind vor allem aber zu viele, als dass sie in der Region wieder eine Arbeit finden, besonders nicht in der derzeitigen Lage! Es trifft zahlreiche Familien, Zulieferer, etliche andere Betriebe…für ganz Steyr und die gesamte Region hat das katastrophale Auswirkungen! Zurecht und gerechtfertigt ist die Wut die jetzt alle haben, ist der Zorn mehr als nur gerechtfertigt!

Die derzeitigen Angriffe sind groß, die Liste ist lang, überall gibts Massenkündigen, wie bei Swarovski, Greiner, ATB, FACC, BMW, und vielen mehr! Und dann hat der Kalliauer (AK-Präsident OÖ) noch den Nerv, von einer „atmosphärischen Stimmung“ bei Verhandlungen mit Kanzler Kurz zu reden – wo einemal mehr wieder nichts für uns herausgekommen ist.

Gleichzeitig gibt‘s auch Arbeiter die sich wehren! Wie bei ATB in der Steiermark, Greiner in Linz oder aber die Kollegen bei MAN in Deutschland.

Und ernsthaft – es ist eine Frechheit, wenn sich Katzian (ÖGB-Präsident) hinstellt und sagt, dass wir uns gegen diese Schweinereien jetzt nur „wehren, wenn‘s geht“. Des zeigt, dass wir uns auf die eigene Kraft verlassen müssen und nicht darauf hoffen können, dass irgendwelche Vertreter irgendwelche Verträge ausmauscheln!

Wenn wir aber was lernen aus der Geschichte, dann, dass es geht! Dass die Kampfbereitschaft der Arbeiter groß ist und notwendiges Durchhaltevermögen zeigen kann und dass Siege vor allem auch nicht über Nacht errungen werden. Es zeigt außerdem auf, wie wichtig und notwendig es ist, dass wir uns aus verschiedenen Branchen zusammenschließen, nicht nur „wenn‘s geht“, sondern weil‘s notwendig ist, und das ist es aber jetzt jedenfalls!

Standortsicherung, Kurzarbeit und auch sicher nicht der Industriegipfel werden die Arbeitsplätze sichern. Schauen wir uns die großartige Geschichte der Arbeiter, alleine nur von Steyr an: Vor ziemlich genau 70 Jahren war das eine Hochburg des Otktoberstreiks und auch vor 30 Jahren haben Arbeiter in Steyr erfolgreich Kündigungen zurückgschlagen – weil sie sich zusammengeschlossen und sich organisiert haben, gegen die Angriffe der Herrschenden und der Kapitalisten!

Wir brauchen uns nicht klein reden! Man sieht, dass die Bereitschaft da ist. In den letzten Wochen sind mehrere tausend Flugblätter vorm Werk und in Steyr, aber auch in Linz, verteilt wordn und der Zuspruch war rießig. Die MAN-Arbeiter stehen nicht alleine da, ganz egal zu welche Maßnahmen ihr greifts, ihr habts uns alle hinter euch.

Wir wollen uns a bei allen Kollegen und Arbeitern bedanken, die in den letzten Wochen neben ihrer Arbeit so viel Zeit und Engagement für die Mobilisierung der Demonstration gezeigt haben und auch bei jedem Wetter für die Demonstration und für eure Anliegen mobilisiert, Flyer verteilt, und Kontakte geknüpft haben!

Schlimm finden wir, dass einzelne Gewerkschafter gegen die Demo heute Stimmung gemacht haben. Es stimmt, wir sind keine Gewerkschaft, wir haben keinen Verein oder Parteienförderung im Hintergrund – wir sind da auf Initiative von einzelenen Arbeitern die sich die Schweinereien nicht mehr länger gefallen lassen wollen! Und wir stehen seit drei, vier Wochen schon vorm Werk und auf der Straße! Was soll das, so was schlecht zu machen?! Warum wird das gemacht, das können wir nicht nachvollziehen! Wir denken uns jedenfalls: Je mehr umso besser – drum rufen wir natürlich auf, den Warnstreik und die Kundgebung am Donnerstag zu unterstützen!

Ob die Konzernchefs und Gstopfte die Werksschließung, Massenkündigungen und derzeitigen Angriffe durchbringen, hängt von dem ab, wie entschlossen die Belegschaft und Arbeiter aus anderen Branchen sich zur Wehr setzen und kämpfen!

Und drum werden wir heute eine lautstarke und kämpferische Demonstration machen! Wir haben alle ein wichtiges Anliegen! Das ist erst der Anfang. Bringen wir unsere Forderungen auf die Straße, und schauen wir, dass unser wichtiger Protest und Kampf nicht abreisst.

Keine Schließung von MAN Steyr!
Kampf um jeden Arbeitsplatz!
Wehrts eich und kämpfts!

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