Schließung der Zuckerfabrik: Katastrophe für Leopoldsdorf

Für einen Großteil der Menschen die in Leopoldsdorf (Marchfeld/Niederösterreich) leben, ist es zwar noch nicht gewiss, doch die Schließung der Zuckerfabrik wurde durch den Aufsichtsrat der Agrana bereits abgesegnet. Das würde mit einem Schlag den gesamten Ort betreffen, Arbeitslosigkeit und damit verbunden auch Armut massiv steigern!

Bereits im März 2019 wurde diskutiert eine der Agrana Zuckerfabriken in Österreich zu schließen. Grund dafür: die Freigabe des EU-Zuckermarktes 2017 verschlechterte die Bedingungen der heimischen Bauern, da Zölle und Quoten für die jeweiligen Länder fielen (1). Die Anbaufläche von Zuckerrüben verringerte sich, da es für Rüben weniger Ertrag gab. (2) Was für die heimischen Bauern einen Nachteil bedeutete, brachte für Agrana eine Steigerung der Gewinne. Johann Marihart (Vorstandsvorsitzender von Agrana) sagte in einem Interview mit dem Kurrier im August 2016, ganz offen, warum er keinen Nachteil aus dieser Marktliberalisierung fürchte. Im Bezug auf die Übernahme des serbischen Zuckerproduzenten Sunoko, sagte er: „Serbien ist einer der letzten weißen Flecken mit potenten Flächen für die Rübenzuckerproduktion auf der europäischen Landkarte und extrem wettbewerbsfähig. Energiekosten und Personalkosten sind deutlich niedriger als in Österreich.“(3) Mittlerweile gibt es neben zahlreichen weiteren Ländern Agrana Standorte in Serbien, Bulgarien, Rumänien, Slowakei, Tschechien, Ungarn, Bosnien und Herzegowina, Ukraine und Polen. Die Raiffeisen-Bank, welche durch unterschiedliche Beteiligungen etwas unter 50% Prozent an Agrana hält, spart diesbezüglich auch nicht mit Eigenlob. Auf ihrer Homepage ist zu lesen, dass Agrana mit rund 9.500 Beschäftigte an weltweit 57 Standorten produziert, mit einem jährlichen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro. Agrana sei außerdem „heute das führende Zuckerunternehmen in Zentral- und Osteuropa.“(4)

Wenn nun heute, vier Jahre später, Johann Marihart meint, „Eine Zuckerfabrik braucht Zucker“ und der Flächenverlust, sowie die Schäden durch den Rüsselkäfer sein ausschlaggebend für die Schließung (5) , kann man nur schwer drüber hinwegsehen, welche Rolle die Standorte mit den „deutlich niedrigeren“ Kosten in Mittel- und Osteuropa spielen. Denn während Agrana noch dieses Jahr 48,1 Millionen Euro an Dividenden ausschüttete,  will sich die Firma den Standort in Niederösterreich nicht mehr leisten!

Was heißt das für Leopoldsdorf?

Was für Agrana eine Steigerung des Profits bedeutet, bedeute eine katastrophale Entwicklung für einen Großteil der Bevölkerung von Leopoldsdorf, sowie der Zulieferer aus dem Umland. Mit der Schließung würden 150 fixe, weitere 100 saisonbedingte Arbeitsplätze, sogenannte Kampagnenplätze (6), weitere Arbeitsplätze der Zulieferung/Infrastruktur, sowie 300.000 Euro Steuern für die Gemeinde verloren gehen.

Nichts als heiße Luft ist es, wenn sich Politiker unterschiedlicher Parteien nun dafür aussprechen, die Eigenversorgung mit Zucker aufrecht erhalten zu wollen, den „Wiener Zucker“ zu retten, oder sogar meinen „Wird der Zucker nicht in Österreich produziert, kommt er von irgendwoher, wo er unter Bedingungen produziert wird, die wir erst recht nicht kennen.“(7). Konzerne wir Agrana gehen Hand in Hand mit der Politik der Herrschenden, sie profitieren von Quoten und Schutzzöllen die von der herrschenden Politik fallen gelassen wurden, sie profitieren davon, die Bevölkerung anderer Länder, zu noch günstigeren Bedingungen auszubeuten! Sie alle stehen hinter EU-Verodnungen die das begünstigen. Wenn sie sich nun „betroffen“ zeigen ist das nichts weiter als Heuchelei!

Was für die Kapitalisten gut ist, hat katastrophale Auswirkungen für die Arbeiter und das Volk, sowohl in Österreich, als auch in den sogenannten „Billiglohnländern“ in Zentral- und Osteuropa. Die Arbeiterinnen und Arbeiter in Österreich werden gekündigt, jene in den unterdrückten Ländern arbeiten zu katastrophalen Bedingungen. Große Teile der Bauernschaf trifft die Aufhebung gewisser Schutzölle massiv, sowohl in Österreich, wo die Existenz oftmals nur mehr von diversen EU-Förderungen abhängt, als auch jene in den unterdrückten Länder, wo damit noch leichter nach den Bedürfnissen ausländischer, imperialistischer Länder produziert wird.

Wenn es heute gerechtfertigt heißt „Kampf um jeden Arbeitsplatz“, so wird deutlich, dass es dabei nicht „nur“ um die Arbeiter bei Agrana und die Bevölkerung von Leopoldsdorf geht. Vielmehr macht es deutlich, wie notwendig der bereite Zusammenschluss der Arbeiter und des Volkes gegen die Angriffe der Herrschenden ist. Besonders in der gegenwärtigen Lage, mit 890.000 Menschen in Österreich, die arbeitslos oder in Kurzarbeit sind!

Keine Schließung der Zuckerfabrik in Leopoldsdorf! Keine Abwälzung der Krisenlasten auf Arbeiterklasse und Volk!

Wehrt euch und kämpft! Kampf um jeden Arbeitsplatz!

Nora

 


(1) Das bedeutete, dass es keinen Mindestpreis mehr für Rüben und keine Begrenzung des Anbaus gab. Die Aufhebung der nationalen Produktionsquoten ließ die Zuckerpreise auf die Hälfte abstürzten, die Produktion verschob sich in Ländern, mit günstigeren Konditionen für die Kapitalisten.

(2) Quelle: http://www.nachrichten.at/wirtschaft/wirtschaftsraumooe/eine-zuckerfabrik-zuviel;art467,3107712

(3) Quelle: Kurier, „Weltmarktpreis fast verdoppelt“, 23.08.2016

(4) Quelle: http://www.raiffeisen.at/nachhaltigkeit/de/aktuelles/agrana-kauft-us-unternehmen.html

(5) Quelle: http://www.leadersnet.at „Agrana schließt Zuckerfabrik in Leopoldsdorf“, 25.8.2020

(6) „Rübenkampagne“ nennt man die Zeit der Rübenverarbeitung in den Zuckerfabriken von September bis teilweise Jänner. In dieser Zeit läuft die Produktion auf Hochtouren, rund um die Uhr.

(7) Quelle: http://www.neon.at „Agrana schließt Zuckerfabrik in Leopoldsdorf“, 25.8.2020

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