Auflösung des Wiener UKH Lorenz-Böhler: Die Beschäftigten wehren sich und müssen kämpfen!

Nachdem die Herrschenden die Kapazitäten des Gesundheitssystems in den letzten Jahren immer weiter zurückgeschraubt haben, folgt jetzt – Mitten in der Corona-Pandemie – bereits der nächste massive Angriff auf den öffentlichen Gesundheitssektor: Das Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus in Brigittenau soll zu Grunde gerichtet werden. Zurecht wehren sich die Beschäftigten gegen diese Einsparung, die Angesichts der aktuellen Lage eigentlich nur ein schlechter Scherz sein kann…

Bereits Mitte August erklärten die Unfallärzte des Unfallkrankenhaus (UKH) Lorenz-Böhler, Wien-Brigittenau, in einem offenen Brief „dass es zu einer akuten Gefährdung unserer Patienten kommen wird, wenn wir nicht ausreichend Kapazität haben“. Die geplanten Maßnahmen im Spital seien eine „ernste Gefahr der Unfallversorgung in Wien und Umgebung“.

Das UKH LB wird zu Grunde gerichtet

Keine Sparmaßnahmen im Gesundheitsbereich!

Das UKH Lorenz Böhler soll innerhalb kürzester Zeit zu Grunde gerichtet werden. Der gesamte stationäre Betrieb und große Teile der Notfallversorgung sollen in andere Spitäler verlegt werden. Bereits ab 1. Oktober soll es keinen Schockraum mehr geben. Das heißt Reanimationen (Wiederbelebungen) und andere lebensgefährdende Notfälle können nicht mehr dort versorgt werden. Die Intensivstation soll von 8 auf 6 Betten reduziert werden, und kein Arzt soll mehr rund um die Uhr anwesend sein. Das heißt konkret, Patienten die wiederbelebt werden müssen und Polytraumata (Patienten mit mehrere, lebensbedrohlichen Unfallverletzungen) können nicht mehr dort behandelt werden, Patienten die beatmet werden müssen, müssen innerhalb von 48 Stunden verlegt werden. Die „klassische“ Unfallchirurgie wird ins Donauspital verlegt, und einiges wird wahrscheinlich ins UKH Meidling abwandern.

Die Wiener Spitäler liegen weit auseinander

Das wird fatale Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung im Großraum Wien-Umgebung haben. Ca. ¼ aller Wiener Unfallpatienten wird zur Zeit im Lorenz Böhler Spital behandelt. Außerdem wird ein großer Teil der Unfallversorgung von angrenzenden Niederösterreichischen Bezirken über das Spital aufrecht erhalten. Das Spital aufzulösen hätte also katastrophale Folgen für das ganze Gebiet!

Dieser Umbau folgt den Vorgaben des „Spitalskonzept 2030“, welches die Zahl der Gemeindekrankenhäuser von 12 auf 7 reduzieren soll. Das UKH Lorenz Böhler ist nicht dabei. Dass es dieses Spital jetzt als erstes trifft, ist eigentlich keine Überraschung, denn als Spital der Allgemeinenen Unfall Versicherung ist es gleichzeitig von den massiven Sparmaßnahmen bei der AUVA betroffen.

5 Spitäler werden laut dem Spitalskonzept aufgelöst

Diese 5 Spitäler sollen nach dem „Spitalskonzept 2030“ aufgelöst werden

Werden in diesen Krankenhäusern anstelle des UKH Lorenz Böhler die Schwerverletzten behandelt werden? Laut Roland Frank, dem medizinischer Leiter der AUVA steht das gar nicht zur Debatte. „Der Bedarf ist nicht gegeben“, denn es gebe zur Zeit nur wenig Schwerverletzte. Das ist ein kriminelles Scheinargument! Sind denn medizinische Ressourcen nicht gerade dazu da, mehr als den aktuellen Bedarf abzusichern? Braucht es nicht für die Gewährleistung der Volksgesundheit ein Gesundheitssystem, dass die Ressourcen hat, um z.B. auf Großschadensereignisse zu reagieren? Haben wir dafür mit der Corona-Pandemie hier nicht den besten Beweis bekommen? Und selbst bei „wenig Schwerverletzten“ kann es über Leben und Tod entscheiden, wie weit der nächste Schockraum entfernt ist. Es sind genau diese Art von Sparmaßnahmen, die Menschenleben aufs Spiel setzen, von genau den Menschen, die sich keine private Gesundheitsversorgung leisten können, also von der absoluten Mehrheit der Bevölkerung!

Unterstützt die Kämpfe der Beschäftigten!

Bereits jetzt wird in Wiener Spitälern am absoluten Limit gearbeitet – und oft bereits darunter. In einem offenen Brief des Betriebsrats vom UKH Lorenz Böhler wurde auf die fürchterliche Situation im Spital aufmerksam gemacht. Planbare Operationen würden ständig verschoben, selbst bei akuten Operationen gebe es tagelange Wartezeiten. Um die Kapazitäten während der „ersten Welle“ der Corona-Zeit zu schaffen, wurden Tausende notwendige Operationen verschoben. Viele Beschäftigte sind der Ansicht, dass dieser Rückstand nicht mehr nachzuholen ist. Laut der AUVA sei das Problem durch personelle Engpässe entstanden, die durch längere Krankenstände, vermehrte Pensionierungen und nach dem Covid-Shutdown in Anspruch genommenen Urlaube zeitweise hervorgerufen wurden. Ist das nicht ein Mangel an Personal, wenn Urlaub zu Engpässen führt? Ist es ein Wunder, dass nach den massiven Überstunden, die im Frühling in allen Spitälern geschrieben wurden, nach der massiven Verdichtung der Arbeit viele Beschäftigte selber krank werden? Es sind nicht die Pensionierungen das Problem, sondern eine Gesundheitspolitik die die Ausbeutung der Beschäftigten immer weiter verschärft und immer weniger Perspektiven und Stellen für junge Kollegen schafft.

Bereits 2018 Protestierten die Beschäftigten der AUVA-Spitäler

ABD0020_20180410 – WIEN – ÖSTERREICH: Betriebsversammlung und Flugblattaktion (AUVA) Manfred Rabensteiner (Betriebsratsvorsitzende)am Dienstag, 10. April 2018, vor dem Lorenz Böhler Unfallkrankenhaus in Wien. – FOTO: APA/HERBERT PFARRHOFER

Denn anstatt neue Arbeitsplätze zu schaffen, wird das Problem jetzt auf andere Art gelöst: durch massive „Flexibilisierung“ auf Kosten der Beschäftigten!
In den bürgerlichen Medien liest man, dass durch die „engere Vernetzung der beiden Standorte des Traumazentrum Wiens“ – also UKH Lorenz Böhler und UKH Meidling – es laut AUVA möglich werden soll, „ein von den verantwortlichen Personen gemeinsam getragenes und entwickeltes Konzept unter Einbeziehung der Ressourcen beider Standorte zu ermöglichen“. Auf deutsch heißt das, dass ab Oktober Ärzteteams im Drei-Monats-Rhythmus zwischen den beiden AUVA-Krankenhäusern wechseln werden. Diese Krankenhäuser stehen am anderen Ende der Stadt, das ist ja auch der Sinn, um die Regionen aufzuteilen. Für die „rotierenden“ Beschäftigten heißt das, bis zu einer Stunde längere Anfahrtszeit! Der Kampf gegen solche Angriffe ist gerechtfertigt, und es ist im Sinne aller Beschäftigten im Gesundheitsbereich und des Volkes in Österreich ihn zu unterstützen.

Bereits beim neu gebauten Krankenhaus Nord gab es bei den Abteilungen wo neues Personal eingestellt werden sollte, massive personelle Engpässe. Es wurden fast alle Abteilungen mit Personal aus anderen Spitälern besetzt, „das waren die Leute, die sie sonst abgebaut hätten, alle die nicht von selbst gekündigt haben“ erzählte ein Pfleger, der zuvor im Rudolphspital gearbeitet hatte der „AFA“.
Es ist nicht allein die Frage nach der Zahl der Krankenhäuser, es geht auch um die Einsparung von Kapazitäten. Das heißt a) mehr Arbeit auf weniger Köpfen aufzuteilen, also massive Überstunden und Arbeitsverdichtung, und b) Abbau von Stellen, also dass weniger junge Pfleger und Ärzte nachkommen, als in Pension gehen und all jene gekündigt werden, die die wahnsinnige Belastung nicht mehr aushalten. Mit beiden Mitteln wird der Personal-Patienten-Schlüssel, also wie viele Beschäftigte pro Patient gerechnet werden, gesenkt.

Bislang ist in den Stellungnahmen der Ärzte und Betriebsräte oft von der „akuten Gefährdung unserer Patienten“ zu lesen. Das stimmt auf jeden Fall. Der absoluten Mehrheit der Beschäftigten ist aber klar, dass es nicht ihre Schuld ist, sondern dass das die Schuld der Herrschenden ist, die das Gesundheitssystem immer weiter kaputt sparen. Deshalb sind die Anliegen der Beschäftigten, der Kampf für höheren Lohn, gegen Überarbeitung und burn-out und für Sicherung der Arbeitsplätze, zutiefst gerechtfertigt und notwendig.

Deshalb sind die notwendigen Forderungen der Beschäftigten klar, und diese haben sie auch in der Vergangenheit bereits aufgestellt:
1) Senkung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden die Woche, als Zwischenschritt auf 30 Stunden, bei gleichbleibendem Lohn.
2) Die Arbeit, die mit 5 Stunden weniger die Woche frei wird, darf nicht zu einer weiteren Arbeitsverdichtung führen, sondern muss auf neue Kollegen aufgeteilt werden. Mehr Personal im Spital!
Der Kampf der Beschäftigten im Gesundheitsbereich ist gerechtfertigt, und nicht zu trennen von den landesweiten Kämpfen der Arbeiter und Angestellten gegen Massenentlassungen, Verlängerung und Flexibilisierung der Arbeitszeit und einen Lohn, der zum Leben reicht.

Das UKH Lorenz Böhler darf nicht zu Grunde gerichtet werden!
Gegen jede weitere Sparmaßnahme im Gesundheitsbereich! Weg mit dem „Spitalskonzept 2030“!
Für ein Gesundheitssystem im Dienste des Volkes!

Kampfmaßnahmen bis zu Streiks im Gesundheitsbereich sind gerechtfertigt!
Für die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich!
Unterstützt die Kämpfe der Beschäftigten im UKH Lorenz-Böhler!
Wehrt euch und kämpft!

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