Wien: Gelungene Veranstaltung für die Freiheit von Varavara Rao und G.N. Saibaba

Im Rahmen einer internationalen Kampagne fand in Wien eine Veranstaltung statt, zur sofortigen Freilassung zwei der wichtigsten politischen Gefangenen und Kämpfer gegen den Imperialismus in Indien: Varavara Rao und G. N. Saibaba. Bei der Infoverantsaltung konnte mit inhaltlichen und kulturellen Beiträgen, darunter eigens übersetzte Gedichte von Varavara Rao, ein kraftvolles und lebendiges Zeichen der Solidarität mit den politischen Gefangenen und der Befreiungsbewegung in Indien gesetzt werden.

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Repression gegen demokratische und fortschrittliche Leute und Bewegungen nimmt auf der ganzen Welt zu. „Deshalb geht es in der Veranstaltung heute zwar um Indien, das ganze ist aber eine internationale Frage.“, hieß es bereits in der Einleitung. Besonders revolutionäre Organisationen auf der Welt folgten sehr kraftvoll dem Aufruf zur Freilassung der revolutionären indischen Intellektuellen, Varavara Rao und G. N. Saibaba, und es wurden Solidaritätsfotos aus Brasilien, Frankreich, Galizien, den USA und Österreich gezeigt. Vor einem Monat wurde Varavara Rao positiv auf Covid-19 getestet, was Auslöser für die Kampagne zu seiner Freilassung war.

Sowohl G. N. Saibaba, wie auch Varavara Rao nach ihm, waren Generalsekretäre der Revolutionär-Demokratischen Front Indiens, einer Organisation die es sich zur Aufgabe macht die verschiedenen Kämpfe im Land gegen den Imperialismus zu vereinigen, und solche Kämpfe weltweit zu unterstützen. Diese Organisation hat sogar in Österreich fortschrittliche Kräfte beeindruckt, so schrieb die Antiimperialistische Koordination in einer Solidaritätsbotschaft die an die Veranstaltung gesendet wurde: „Saibaba und Rao, die wir beide persönlich getroffen und insbesondere mein Freund Saibaba, mit dem wir sehr viel kooperiert haben, sind essentieller Bestandteil der demokratischen, sozialen und antiimperialistischen Bewegung in Indien. Die haben weit über ihre eigene Organisation in der Bildung einer Opposition über die verschiedenen Kämpfe hinweg gewirkt.“

Es wurde betont: „Der Unterschied zwischen einem fortschrittlichen und einem reaktionären Intellektuellen ist, ob er sich mit dem Volk verbindet oder nicht. Varavara Rao und G. N. Saibaba haben ihr ganzes langes Leben der Unterstützung der verschiedenen Befreiungsbewegungen und Kämpfen der Massen in Indien gewidmet“

Die Gründe für die Repression gegen politischen Gefangenen wird man nur verstehen, wenn man sich ein Bild über die Lage in Indien gemacht hat. Indien ist eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt, jeder 7. Mensch auf der Welt ist Inder. Die absolute Mehrheit der indischen Bevölkerung lebt aber in bitterster Armut. „Ein indischer Arbeiter verdient umgerechnet nur 150 €. Die Lage der Arbeiter in Indien ist fürchterlich, sie gehören zu den am meisten entrechteten, geknechteten und ärmsten Menschen der Welt.“ Dennoch gibt es riesige Massenkämpfe der Arbeiter und im Jänner gab es in Indien den bisher größten Streik der Menschheitsgeschichte, 250 Millionen gingen dabei auf die Straße. Diese Kämpfe richten sich gegen Privatisierung und Liberalisierung, gegen die Öffnung des Landes für den Imperialismus. Auch österreichische Unternehmen „naschen mit“ an der Ausbeutung Indiens. Eines der „Verbrechen“ von Varavara Rao war die Unterstützung der Arbeiterbewegung. Eine Ausgabe seiner Zeitung Srjana wurde verboten, denn sie hatte während des Eisenbahnerstreiks im Mai 1974 ein Gedicht eines streikenden Arbeiters veröffentlicht, mit dem Titel “can jails run the rails” (“können die Gefängnisse die Eisenbahn am laufen halten”). Varavara Rao findet klare Worte zur Bewegung der Arbeiter:

Die Wahrheit

Die Wahrheit, dass der Schweiß der Arbeiter niemals gestillt wird
Die Wahrheit, dass sein leerer Magen niemals gestillt wird
Die Wahrheit, dass seine Tränen niemals gestillt werden
Die Wahrheit, dass seinen werktätigen Fäuste niemals zur Ruhe gebracht werden
Kann ein Tropfen Tinte aus der Feder des Dichters
ihr jemals gerecht werden?

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Auch die Massenbewegungen der Frauen in Indien sind beispielhaft in ihrer Größe, und in ihrer zornigen Verachtung des indischen Patriachats, eines der grausamsten Unterdrückungssysteme der Frauen weltweit. Von einer Aktivistin des Roten Frauenkomitees Wien wurde ein Gedicht von Varavara Rao über die Lage der Frau vorgetragen, und betont, dass auch für uns in Österreich dieses ein wichtiger Wegweiser ist für die Kämpfe der Frauen und Männer des Volkes, um den Zorn der Frauen als wichtige Kraft für diese Kämpfe zu entfesseln.

Als Varavara Rao verhaftet wurde, wurde ihm vorgeworfen,dass er Teil der verbotenen Maoistischen Kommunistischen Partei Indiens (Maoistisch) wäre. Diese Partei führt mit dem indischen Volkskrieg die politisch entwickelteste Revolution auf der Welt. Es wurde eine Dokumentation des bürgerlichen Nachrichtenportals BBC gezeigt, die auf großes Interesse stieß, und die Kämpfe der KPI(Maoistisch) am Beispiel der Adivasi vorstellt. Die Adivasi, die Ureinwohner Indiens, leben in bitterster Armut, ohne Zugang zu medizinischer Versorgung oder Bildung. Seit der Kolonialzeit haben sie beeindruckenden Widerstand gegen die Imperialisten geleistet, die sie von ihrem Land vertreiben wollten, um ihre Rohstoffe zu plündern. Den Widerstand der Adivasi haben die Imperialisten also selber erzeugt. Die Maoistische Partei hat sich mit diesen Kämpfen verbunden und sie als Teil des Volkskrieges, als Teil der indischen Revolution auf eine neue Stufe gehoben. In den Gebieten wo die Partei stark ist, werden die ausländischen Konzerne, die die Rohstoffe plündern, von der Volksbefreiungs-Guerilla-Armee vertrieben. Das Land der Großgrundbesitzer wird unter den armen und landlosen Bauern aufgeteilt, beziehungsweise im Fall der Adivasi, bekommen diese die Ressourcen ihres Waldes zurück. Das alles geschieht unter der Aufsicht der revolutionären Volkskomitees (RPC). Wie Varavara Rao sagt: „Alles in Allem ist das ein Konflikt zwischen zwei Modellen der Entwicklung. … die Umsetzung des Entwicklungsprogrammes der Weltbank, wenn es um die Adivasi geht. Die Herangehensweise der Maoisten ist das genaue Gegenteil. Es ist das Anti-Weltbank Entwicklungsprogramm. Das ist der wirkliche Konflikt.“

Um die mutige Haltung, mit der Varavara Rao die grausamen Verbrechen der Herrschenden in Indien angreift, trug ein Aktivist ein Gedicht von ihm vor:

Der Baum streckt das Blatt hoch in den Himmel hinaus
Nur um die Wurzel tief in der Erde zu nähren
Er trägt Blüten in der grünen Krone
Damit die Früchte reifen
und wieder emporwachsen
Nachdem sie zu Boden fielen.

Wenn das Verbrechen selbst Autorität und Macht erlangt
und Leute jagt, und sie als Verbrecher festhält
wird jeder, der über einen Mund verfügt aber still bleibt
selber zum Verbrecher

2018 wurde Varavara Rao festgenommen, mit 12 anderen Aktivisten, die der Unterstützung der KPI(Maoistisch) beschuldigt wurden. Er ist bis heute nicht verurteilt, wie über 70% der Gefangenen in Indien generell. Er wird trotz seiner schwierigen Erkrankungen nur in zweitrangigen Gefängniskrankenhäusern behandelt. Im Mai hat man ihn dort gefunden, mit einer Wunde am Kopf, in seinem eigenen Urin. Jetzt hat er das Corona-Virus, mit 81 Jahren, wo er vorher ins Koma gefallen ist. Trotzdem wird er nicht freigelassen. „Ein Revolutionär zu sein reicht aus, um dem Tod überlassen zu werden. Da braucht es keinen Gerichtsprozess, in einem Land das sich die „größte Demokratie der Welt“ nennt! Nachdem sie mit dem größten “Lockdown” der Welt massivste Restriktionen gegen das Volk angewendet haben, sehen wir, wie ernst die Herrschenden in Indien die Seuchenbekämpfung wirklich nehmen.“

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Obwohl die Lage ernst ist, sowohl für Varavara Rao als auch für die kämpfenden Massen in Indien, wurde festgehalten, wie richtig und wichtig die Veranstaltung war. Denn bereits letztes Jahr konnte eine internationale Solidaritätskampagne dazu beitragen, dass ein anderer sehr wichtiger politischer Gefangener, K. Murali alias Ajith befreit wurde. Und mit sehr kämpferischer Stimmung wurde ein Solidaritätsbild aufgenommen, im vollen Bewusstsein, dass man mit der Solidarität mit den politischen Gefangenen in Indien den politisch entwickeltsten Kampf gegen den Imperialismus weltweit hochhält. Diese Empörung, und das Interesse am Volkskrieg und der Volksbewegung in Indien traten auch bei der Diskussionsrunde stark zu Tage.

Es wurde mit einem Gedicht geschlossen:

Reflektionen

Ich habe diesen Sprengstoff nicht geliefert
und auch nicht die Ideen dafür
Ihr wart es, die mit eisernen Stiefeln
auf den Ameisenhügel tratet
Und von der zertrampelten Erde
Erwuchsen die Ideen der Rache

Ihr wart es, die das Bienennest schlugt
mit eurem Lathi
Der Klang der ausschwärmenden Bienen
explodierte in eure bröckelnde Fassade
Die rot wurde vor Furcht

Als die Trommel des Sieges zu schlagen begann, Im Herz der Massen
Habt ihr es mit einer einzelnen Person verwechselt, und zu euren Gewehren gegriffen
Doch das Echo der Revolution ertönt aus allen Richtungen vom Horizont!

Lasst Varavara Rao und G. N. Saibaba sofort frei!
Freiheit für alle politischen Gefangenen!
Unterstützt die Revolution in Indien!

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