Swarovski – Paradebeispiel der bürgerlichen “Krisenbewältigung”

Ein Schlag gegen die ArbeiterInnen. Der größte private Arbeitgeber in Tirol machte vor Kurzem bekannt, dass er diesen Herbst 1000 ArbeiterInnen kündigen wird. Bereits im Juli, während der “Corona Krise”, wurden 200 ArbeiterInnen gekündigt. Bis 2022 hat der Swarovski-Konzern sich zum Ziel gesetzt, in Tirol von den 4600 noch verbliebenen, weitere 1600 (ca. ein Drittel!) zu entlassen.

Gleichzeitig profitiert Swarovski von dem so hochangeprießenen Kurzarbeitsmodell, welches anscheinend die Arbeitsplatzsicherung garantieren würde. Gekonnt wurde diese Chance genutzt und die Kurzarbeit für fast die Gesamtheit der 4600 ArbeiterInnen bis September verlängert, um weiterhin nur einen Bruchteil des Lohns selbst bezahlen zu müssen. Zur selben Zeit erwartet die ArbeiterInnen, die über die letzten Monate auf einen Teil ihres Lohns “verzichten” mussten und sich den Großteil des Restes indirekt selbst ausbezahlt haben, mit dem Ende der Kurzarbeit der Beginn der Arbeitslosigkeit. Die Chefs von Swarovski lassen sich zuerst also rund 40 Millionen an Kurzarbeitsgeldern bis Ende September ausbezahlen, bevor sie 1600 der Beschäftigten kündigen! Deshalb sorgte auch das Bild des Swarovski-Sprösslings Victoria Swarovski vom Luxus-Urlaub mit der Familie in Marbella für viel gerechtfertigte Wut und Zorn in den sozialen Medien, wurde es doch genau zu dieser Zeit gepostet, als die ersten Kurzarbeitsmillionen an den Konzern gingen und kurz darauf die Kündigungen an die Öffentlichkeit kamen. Nicht zu Unrecht wurde die Forderung nach der Rückzahlung der Kurzarbeitsmillionen gefordert, denn nun kommen die Steuerzahler zum Handkuss, um einem Milliarden-schweren Familienclan auch noch mit zusätzlich Millionen zu versorgen, bevor sie knapp ein Drittel der Belegschaft kündigen!

vicotria-swarvski

In Österreich ist diese Vorgangsweise keineswegs ein Einzelfall, wenn auch vielleicht nicht in derart offensichtlicher Weise, sie ist die gängige Praxis. Der Fall Swarovski zeigt mit aller Deutlichkeit, wie mit Maßnahmen von bürgerlichen Regierungen, so wie hier angeblich zur Bekämpfung der “Corona Krise”, rein die Interessen des Kapitals geschützt werden. Der Fall Swarovski zeigt wie die Last der Krise auf den Schultern der Arbeiterklasse und des Volkes abgeladen wird und zerschmettert die sozialdemokratische Lüge, dass die Kurzarbeit doch “für alle gut ist”. Die sogenannte “Corona-Krise” wird bloß als Vorwand hergenommen, um Massenentlassungen zu rechtfertigen. Seit 2008 wurden knapp 2000 Arbeitsplätze bei Swarovski gestrichen. Das zeigt, dass die “Corona-Krise” eine Lüge ist, es ist eine kapitalistische Krise!

Letztes Jahr setzte die Swarovski-Gruppe, inklusive Swarovski Optik und Tyrolit weltweit 3,5 Milliarden um. Sie hatten 34.000 Angestellte wobei dieses Jahr bereits 6000 gekündigt worden sind. Christoph Swarovski, der sowohl der Präsident der Industriellenvereinigung Tirol als auch der Geschäftsführer von Tyrolit ist, kommentierte die aktuelle Situation des Konzerns mit folgenden Worten: „Wir mussten immer schon mit Krisen kämpfen“, und “Starke werden stärker, Schwache werden verschwinden.” Mit dieser Arroganz beschreibt er wie die Swarovski Familie stets gewusst hat ihr Kapital zu vermehren. Ob schon als Mitglieder in der noch illegalen NSDAP, wo sie in ihren Betrieben Zwangsariesierungen durchgeführt haben, und nach 1938 vom Blut der Zwangsarbeiter gelebt haben. Oder wie sie, um geringere Löhne auszahlen zu können, die Produktion ausgelagert haben, um heute neben den ArbeiterInnen in Österreich, auch die Arbeiterinnen und Arbeiter in Serbien, Indien, Vietnam oder Thailand auszubeuten.

Wie mit der Wirtschaftskrise 2008 gibt es auch jetzt eine große Kündigungswelle, welche mit einer Verschärfung der Ausbeutung und Unterdrückung der ArbeiterInnen und Angestellten einhergeht. Es braucht weder moralische Bedenken der Gewerkschaftsführung, noch von Politikern wie dem  Landeshauptmann Platter, der kurz darauf Swarovski wieder in Schutz nimmt und eine Mahnung ausspricht, um einen Konzern der eine solche “Strahlkraft” für Tirol hat, in der “öffentlichen Debatte nicht zu schädigen”. Mit ihren schein-moralischen Kritiken gegenüber Swarovski schürt die Gewerkschaftsführung Illusionen in den bürgerlichen Staat und in das Bestehen von “guten” Kapitalisten. Diese Illusionen müssen zerschlagen werden und Swarovski, diese aggressiven Kapitalisten, liefern uns hier ein Paradebeispiel. Hinter dieser scheinbaren “Moral” steckt nichts weiter als beinharte wirtschaftliche Interessen. Die Swarovski-Kristallwelten in Wattens, als größter Touristenmagnet in Tirol und zweitgrößter in Österreich nach Schönbrunn, ist Swarovski auch für den Tourismus des Bundeslandes von großer Bedeutung. Das ist ein hervorragendes Beispiel, das die Verschmelzung von Staatsapparat und Kapital aufzeigt. Es geht nicht um Moral, es geht um Kapitalinteressen die dahinter stehen, wenn Swarovski von der herrschenden Politik in Schutz genommen wird.

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Bild: Swarovski Kristallwelten in Wattens.

Nur wenn die ArbeiterInnen auf ihre eigene Kraft vertrauen und auf ihre eigene Art kämpfen, können Forderungen die ihrem Interesse entsprechen durchgesetzt werden. Dafür müssen sich die ArbeiterInnen und Angestellten selbständig organisieren und den Kampf auf diese Art und Weise entwickeln.

Sofortige Rückzahlung der Kurzarbeitsmillionen!

Verlängerung der Kündigungsfrist nach Kurzarbeit auf 3 Monate!

Kampf um jeden Arbeitsplatz!

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