Verteidigt das Leben von Varavara Rao und GN Saibaba!

Die Herrschenden in Indien wollen das Coronavirus als Waffe einsetzen, als Teil ihrer Repression gegen kritische Stimmen, als Todesstrafe gegen revolutionär-demokratische Aktivisten. Wir rufen deshalb auf, den Widerstand in Indien zu unterstützen und auch hier in Österreich für die Freilassung aller politischen Gefangenen in Indien zu Kämpfen.

Letzte Woche erreichte uns die fürchterliche, aber absolut nicht unerwartete Nachricht aus Indien, dass der revolutionäre Intellektuelle Varavara Rao positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Mit 81 Jahren, nachdem er wegen seinen schweren Vorerkrankungen ins Koma gefallen war, gehört er zur Hochrisikogruppe. Zugleich zeichnete sich die explosionsartige Ausbreitung des Coronavirus in den indischen Gefängnissen, die jetzt stattfindet, für alle die es sehen wollten schon vor Monaten ab.

Genau aus diesem Grund forderten fortschrittlich gesinnte Personen und Organisationen schon seit Langem die Freilassung aller politischen Gefangenen, allen voran der revolutionären Intellektuellen Varavara Rao und GN Saibaba. “Lasst GN. Saibaba sofort frei!” forderten 130 weltbekannte Intellektuelle Anfang Juni. Unter ihnen sind Noam Chomsky, Judith Butler, Partha Chatterjee, Homi K. Bhabha, Bruno Latour, Gerald Horne und Ngũgĩ wa Thiong’o. “Wir, die Familie von Varavara Rao”, heißt es in einem Brief vom 12. Juli, “dem weltberühmten Schriftsteller und Dichter (…) sind sehr besorgt um seine sich schnell verschlechternde Gesundheit! (…) Wir verlangen, dass die Regierung ihn in ein besseres Spital verlegt, oder uns erlaubt die notwendige medizinische Versorgung zu organisieren.”

Die Herrschenden in Indien aber haben beide Ohren vor diesen Warnrufen für das Leben von zwei der fortschrittlichsten Köpfe des Landes verschlossen.

Varavara Rao war ursprünglich Dichter. Er gilt in seiner Disziplin als einer der besten Kritiker, vor allem in Telgu, der nationalen Sprache des südostindischen Bundeslandes Telangana. Dabei steht seine Poesie ganz im Zeichen seiner politischen Ideale, er ist zum Beispiel der Gründer der indischen Vereinigung revolutionärer Dichter. Sein ganzes Leben hat er der Unterstützung der verschiedenen Befreiungskämpfe der Völker in Indien gegen den Imperialismus, gewidmet.

Sehr beispielhaft ist hier der Kampf des Volkes von Telangana für Selbstbestimmung, für einen eigenständigen Bundesstaat Telangana. Wie die meisten Kämpfe und Bewegungen, hat auch diese eine lange Geschichte. Das gesamte Land Indien ist nicht nach den Bedürfnissen der Völker die in ihm leben geschaffen, sondern nur nach den Interessen der Imperialisten. Noch heute wird Indien vom Imperialismus ausgebeutet, in der selben Art wie es unter dem britischen Kolonialismus der Fall war.

Doch wo Unterdrückung ist, da ist Widerstand. Die 40 Millionen des Telgu-Volkes haben durch ihren Befreiungskampf die Herrschenden in Angst versetzt, und sie gezwungen, die Bewegung mit Gewalt zu unterdrücken. So war es Ende der 1940er bei der ersten großen Erhebung von Telangana und so war es auch beim bewaffneten Aufstand 1969, als eine Welle revolutionärer Kämpfe durch das ganze Land zog, losgetreten vom Bauernaufstand im nordindischen Dorf Naxalbari. Die Bewegung wurde wieder verraten und niedergeschlagen, sie hatte über 400 Tote zu verzeichnen, die meisten davon Studenten. Seit den späten 90ern gewinnt die nationale Bewegung von Telangana wieder an Dynamik, so sehr, dass die Herrschenden sich gezwungen sahen ein Zugeständnis zu machen: 2014 wurde der Bundesstaat Andhra Pradesh geteilt, in einen Staat Andhra Pradesh und einen eigenständigen Staat Telangana.

Die ganze Geschichte des Widerstandes von Telangana zeigt, dass die besten und entschlossensten Kämpfer für diese gerechtfertigte Sache die Revolutionäre waren. Diese kämpfen heute unter Führung der Kommunistischen Partei Indiens (Maoistisch). In einer Erklärung der Partei wird die Wurzel der Unterdrückung dargelegt: „Das Volk der Telangana-Region haben nicht nur unter Diskriminierung und Vernachlässigung durch den Staat und die zentralen Regierungen zu leiden, die den Imperialisten, den Kompradoren und den Großgrundbesitzern, sondern auch durch die Unterdrückung, Ausbeutung und Diskriminierung durch die Großgrundbesitzer, die Bourgeoisie und die Klasse der Neu-Reichen die aus der relativ entwickelte Andhra-Region stammen. Deswegen hat die demokratische Bestrebung für einen eigenständigen Staat tiefe Wurzeln in den Köpfen des vernachlässigten Volkes von Telangana geschlagen.“ „Teile und Herrsche“, das war das Prinzip der Kolonialherren zur Aufteilung der Welt, und das ist auch das Prinzip der Imperialisten heute.

Die KPI(Maoistisch) hingegen war 2014 eine wichtige Kraft im Kampf für ein eigenständiges Telangana. Mit einer eigens geschaffenen Spezialeinheit namens „Greyhounds“ und mit völkermörderischer Gewalt gegen das Volk und die Maoisten konnten sie 2014 aus der Region zeitweilig vertrieben werden. Heute kann man aber wieder lesen, dass die Partei die „Aktivität im Bundesstaat Telangana verstärkt“.

Varavara Rao hat die Bewegung des Volkes von Telangana seit über 50 Jahren unterstützt. Er hat viele Gedichte in der nationalen Sprache geschrieben und ist ein Volksheld in Telangana. Jetzt, für seine Freilassung, wurde zu einem Streik im gesamten Bundesland aufgerufen.

Die meiste Arbeit für die Unterdrückten und Ausgebeuteten in Indien hat Varavara Rao als Teil der Revolutionär Demokratischen Front (RDF) geleistet, deren Generalsekretär er jetzt ist. Diese Organisation, die es in ganz Indien gibt, sammelt unter ihrer Führung die verschiedenen Kräfte, die in Indien für tatsächliche Demokratie im Sinne der Völker kämpfen, wohl wissend, dass dafür die Befreiung vom Imperialismus notwendig ist.

Dass die RDF jetzt verboten wurde, zeigt wie sehr die Herrschenden in Indien diese Organisation fürchten. Ähnlich ist es mit der Repression gegen Varavara Rao.

Varavara Rao sitzt mittlerweile fast zwei Jahre im Gefängnis, obwohl er nicht verurteilt wurde. Er wurde 2018 im sogenannten „Bhima Koregaon“-Fall verhaftet, gemeinsam mit 12 anderen Aktivisten und fortschrittlichen Intellektuellen. Das ganze ist nichts als ein Scheinprozess, diesen Leuten wurde unter anderem völlig ohne jede Beweislage vorgeworfen, sie hätten vorgehabt, den Präsidenten zu ermorden. Ein Teil dieser Hetzkampagne ist es, diese Leute als „städtische Naxaliten“ (also Maoisten) zu bezeichnen.

Unterdessen verweigern die Herrschenden in Indien den Familien von Varavara Rao und GN Saibaba die Information über ihren Gesundheitszustand, und weigern sich selbst jetzt noch, sie freizulassen.

Auch Saibaba wurde wurde 2018 nicht einfach verhaftet, sondern entführt. Inzwischen ist er zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gefängnis war er lange Zeit gezwungen auf dem Boden zu schlafen, erhielt keine zusätzlichen Decken im Winter, und auch seine Medikamente, die er dringend benötigt, wurden ihm verweigert. Er ist zu 90% gelähmt, im Gefängnis hat er die Funktion seiner Hände vollends verloren. Beide hätten ohne die Solidarität ihrer Mitgefangenen wahrscheinlich nicht überlebt. Auch in dem Gefängnis wo Saibaba eingesperrt ist, ist jetzt Corona ausgebrochen.

Wo liegt der Grund für diese grausame Unterdrückung? Varavara Rao erklärt es folgendermaßen:

Während die Wirtschaft des Landes tiefer in den Abgrund von Rezession und Krise versinkt, greifen die Hindu-Faschisten, angeführt von Modi zu verzweifelten Mitteln, um ihre Herren zufrieden zu stellen – die Imperialisten.“

GN Saibaba ist ein weiterer sehr wichtiger revolutionärer Intellektueller. Er war der Vorgänger von Varavara Rao als Generalsekretär der RDF und hat diese Organisation zu ihrer ganzen Größe geführt.

Saibaba kommt aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater war ein kleiner Bauer. Er gehört selbst dem Telgu-Volk an, und veröffentlichte viele Gedichte in seiner Muttersprache. In seiner Kindheit erkrankte er an Polio, einer Krankheit die in den meisten Ländern ausgerottet ist, deshalb ist er heute zu 90% gelähmt.

Durch großes Glück konnte er studieren. Durch großen Fleiß bewies er sein Talent für Literatur. Zuletzt arbeitete er als Professor für englische Literatur auf der Universität von Delhi.

Seine Politisierung begann an der Universität. Von Anfang an war er ein Verfechter des Widerstandes der Völker. Er richtete seine Arbeit gegen Ausbeutung und Unterdrückung, gegen antidemokratische Gesetze (zum Beispiel das Ausnahmegesetz POTA), für die Anliegen der armen und landlosen Bauern, der Arbeiter, Studenten, für das Recht auf Selbstbestimmung der unterdrückten Nationen (unter anderem auch Telangana), gegen den Imperialismus und die imperialistische Globalisierung. Er führte diese Kämpfe organisiert in der RDF, als Generalsekretär der Organisation.

Bei zahlreichen Gelegenheiten verteidigte die RDF die Position, dass der Widerstand gegen den Imperialismus und die Globalisierung in seiner ganzen Breite legitim ist, ob in seiner friedlichen Form, oder bewaffnet. Denn die unterdrückte Völker und Nationen haben ein Recht auf Selbstbestimmung, einschließlich der Loslösung von anderen Staaten und Nationen.

Ein wichtiger Ausdruck davon ist der Abbau von Arbeitsrechten, die mit der Wahl des jetzigen Präsidenten Narenda Modi in wahnwitzigem Tempo weitergeht. Es ist der Abbau aller Einschränkungen zum Schutze der Werktätigen, der kompletten Öffnung und damit des Verkaufs des Landes an ausländische Investoren, alles unter dem Banner des „Neoliberalismus“. Leiharbeit und befristete Verträge, der Abbau aller Arbeitsrechte, die zunehmende Verschuldung der Kleinbauern an imperialistische Großkonzerne, das alles ist Teil der Abwälzung der Wirtschaftskrise.

Immer aggressiver wird der Vorstoß gegen die Ureinwohner Indiens. Diese bewohnen die letzten intakten großen Urwälder der Erde, im sogenannten „Tribal belt“. Da dieser sehr Reich an Rohstoffen wie Erdgas, Petroleum, Aluminium, Bauxit oder Kohle ist, gehört es zu den erklärten Zielen der Imperialisten, die Ureinwohner von ihrem rechtmäßigen Land zu vertreiben, um diese letzten unberührten Flecken der Erde auszubeuten und damit zu zerstören.

GN Saibaba: „Es ist ein Versuch der Imperialisten, vom Monopolkapital im weltweiten Maßstab, die Lasten ihrer Krise auf die Schultern der Ärmsten der Armen abzuwälzen.“

Doch bemerkenswert ist der Widerstand der Völker in Indien, der im ganzen Land wächst. Ist es ein Wunder, dass in einem Land das eine so reiche Geschichte an anti-kolonialen Befreiungskämpfen hat, dieses Jahr zum wiederholten Male der größte Streik der Menschheitsgeschichte stattgefunden hat?

Es ist schlicht und ergreifend falsch, wenn die Herrschenden in Indien diesen Widerstand auf eine angeblich kleine Gruppe von Leuten schieben, die sie Terroristen nennen. Was hingegen wichtig ist anzuerkennen“ so Saibaba, „ist dass der anti-feudale und anti-imperialistische Kampf, der sich über ganz Indien spannt und die revolutionäre Bewegung, die in einem beträchtlichen Teil des Landes existieren miteinander verwandt und verflochten sind.“

Die Gebiete im „Tribal belt“, die von der KPI(Maoistisch) kontrolliert werden, sind größer als Deutschland. Der Volkskrieg in Indien ist der weltweit am weitesten entwickelte Kampf gegen den Imperialismus, es ist die entwickeltste Revolution auf der Welt.

Das ist das Schreckgespenst, dass den Herrschenden in Indien so gefährlich scheint, dass sie mit derartiger Repression gegen die politischen Gefangenen antworten.

Wie die Herrschenden mit ihrer vollkommenen Unfähigkeit, auch nur die grundlegendste medizinische Versorgung für die Massen in Indien sicherzustellen, den Tod von Tausenden am Coronavirus zu verantworten haben (und von Millionen, die an anderen, verhinderbaren Krankheiten erlegen sind), so setzen sie jetzt, wo die Pandemie sich wie ein Steppenbrand in den indischen Gefängnissen ausbreitet, den Coronavirus als biologische Waffe ein, als Todesstrafe gegen die Helden und revolutionären Führer des Volkes. Mord mithilfe von Corona, das scheint die Taktik der Herrschenden in Indien zu sein, die zuvor unter dem Vorwand der Seuchenbekämpfung Hunderttausende um ihre Existenz brachten.

Es ist klar: die Freilassung der politischen Gefangenen wird von den Herrschenden nicht geschenkt werden, sie muss erkämpft werden. Das ist kein Wunschtraum, kein unerreichbares Ziel. Bereits letztes Jahr gab es eine Kampagne zur Freilassung von Ajith (K. Murali). Dank der breiten Bewegung zur Solidarität in Indien, aber auch mithilfe der internationalen Solidaritätskampagne konnte seine Freilassung schließlich erkämpft werden! Das muss die fortschrittlichen und revolutionären Kräfte auf der ganzen Welt lehren, dass sie Kraft haben, und die Herrschenden in Indien in Angst versetzen!

Wie Varavara Rao schreibt: „Die große Mehrheit des Volkes im Land wird sich weder ihrer reaktionärer Ideologie verschreiben, noch werden sie die gewaltsame Einsetzung der Hindu-Mehrheitsherrschaft hinnehmen, ohne sich zu erheben. Früher oder später werden die BJP und die Sangh Parivar erkennen, dass es nicht lustig ist, Spielzeuge des Imperialismus zu sein.“

Auch wir in Österreich müssen die Kampagne zur Freilassung unterstützen, das ist Teil der internationalen Solidarität! Außerdem existieren die Probleme in Indien nicht losgelöst von den Problemen hier. Auch bei uns wurde die Corona-Pandemie als Vorwand missbraucht, die Kosten der Krise auf das Volk abzuwälzen. Auch hier haben sich besonders in dieser Zeit die antidemokratischen Maßnahmen und Gesetze gehäuft, die zur Kontrolle des Volkes dienen. Es sind auch österreichische Monopole, die an der Ausplünderung und Unterdrückung des indischen Subkontinents gut verdienen. Das Volk in Österreich hat kein Interesse, dass mit dem exportierten imperialistische Kapital in Indien Landraub und Völkermord betrieben wird, während in Österreich der Sparstift angesetzt wird. Das Volk in Österreich hat kein Interesse, dass für diese Halb-Kolonien Krieg geführt wird.

In diesem Sinne ist der Widerstand der Massen in Indien zu begrüßen und mit allen Mitteln zu unterstützen. Die Massen in Indien haben zum größten Teil erkannt, dass die Wurzel der Probleme nicht das Virus ist, sondern der Imperialismus, der mit der verschärften Krise zu immer schlimmerer Unterdrückung greifen wird. Weil die Massen in der Mehrheit diesen Betrug erkannt haben, haben die Herrschenden jetzt bereits ausgespielt.

Für die Sofortige Freilassung von Varavara Rao und GN Saibaba!

Freiheit für alle politischen Gefangenen in Indien!

Unterstützt die Revolution in Indien!

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