Schulöffnung: Betreuung JA, regulärer Unterricht/Matura NEIN!

Mit 4. Mai startete österreichweit der Unterricht für Maturanten, die restlichen Schüler sollen nun schrittweise folgen. Nicht für alle lief es bisher und läuft nun die Öffnung so reibungslos wie medial und durch Bildungsminister Fassmann präsentiert.

Mit 16. März wurden die Schulen geschlossen bzw. auf Notbetrieb umgestellt. Obwohl es hieß, es gibt das dementsprechende Betreuungsangebot, war es für viele Eltern die es beruflich bräuchten oftmals nur schwer möglich ihre Kinder in die Schule zu geben. Der Alltag für Tausende Schüler, Eltern und Lehrer war sehr herausfordernd, vertiefte soziale Widersprüche und griff drastisch in das Arbeitsrecht von Lehrern ein. Es ist kein Geheimnis, dass E-Learning und Heimunterricht keine „tolle“ Sache ist, oder wie Fassmann dreist behauptete, den Beweis erbracht hat dass „das digitale Lernen funktioniert.“ (ZiB Spezial, 4.5.20). Von den über eine Million Schüler gibt es Tausende die mit E-Learning nicht erfasst werden, die nicht erreicht wurden, oder wo die dementsprechende Ausrüstung fehlt.

Während Pflichtschüler oft das Problem haben, ohne Betreuung nicht lernen zu können, berichteten ältere Schüler vor allem von Überforderung in machen Fächern und dem Problem der Ungewissheit.

„Es ist ehrlich gesagt ein bisschen ein Hin und Her und dadurch, dass die Situation grad so ist wie sie ist, geht man eigentlich mit noch mehr Bauchweh an diese ohnehin eigentlich unnötigen Prüfungen heran.“ so Jenny, Schülerin einer BHS zur aktuellen Lage, und zum Fernlernen: „Aber es ist halt leider trotzdem sehr viel aufwendiger, wenn man sich einen Großteil, vor allem in einem Fach, wo man sich schwer tut, selbst beibringen muss. Besonders weil zumindest unsere Lehrer nie Videokonferenzen gemacht haben.“ Eine Lehrerin aus einer NMS in Oberösterreich berichtete uns, dass es schlichtweg nicht richtig ist, dass alle Schüler die es brauchen mit Laptops ausgestattet wurdem. „Wenn Bildungsminister Fassmann nun groß verkündet, dass 12.000 Laptops ausgeliefert wurden und es ‚gut funktioniert hat‘, muss ich das kritisieren. Das hat keines Wegs gut funktioniert. Wir haben viele unsere Schüler nicht erreicht und auch sehr, sehr viele nicht mit Laptops ausstatten können!“

Daher ist es eine gerechtfertigte und wichtige Forderung, keinen Druck und Zwang zur Erfüllung der Aufgaben zu geben: Benotung nach den bisher erbrachten Leistungen mit freiwilliger Möglichkeit auf Verbesserung!

Mit dem 5. Mai (übrigens ein Feiertag und eigentlich schulfreier Tag in Oberösterreich) starteten österreichweit die Maturanten wieder mit dem Unterricht. Sie sollen sich nun darauf vorbereiten können, in drei Fächer zur schriftlichen Matura anzutreten. Für zahlreiche der rund 42.000 Maturanten war es in den letzten Wochen nicht möglich sich dementsprechend vorzubereiten, sei es wegen der Lage zu Hause, dem Mangel an Lehrunterlagen, Materialen wie Laptop und Drucker, oder der Unterstützung durch die Lehrkräfte. Die Abhaltung der Zentralmatura (wenn auch „entschärft“) ist daher abzulehnen! Denn auch diese bringt vor allem Nachteile für Schüler aus der Arbeiterklasse, aus migrantischen Familien oder jene Schüler die einen Krankheits- oder Sterbefall in der Familie haben.

Daher: Absagen der Zentralmatura! Ausstellung des Maturazeugnis aufgrund der bisherigen Leistungen und Beurteilungen des vergangenen Schuljahres, Möglichkeit der Verbesserung auf freiwilliger Basis!

Auch Beurteilungen und Abschlüsse in anderen Schulformen, wie der BMS, sollen dementsprechend gestaltet werden!

Eine Maturantin, die wir schon vergangene Woche befragten, legte ihre Situation und Sorge folgender Maßen dar: „Was ich davon halte? Auf gut Deutsch, das ist die pure Verarsche. Ab 5. Mai sollen wir drei Wochen in die Schule, mit einem speziellen Stundenplan und dann die schriftliche Matura machen (verlängert um 1-2 Stunden pro Schriftliche, damit man Lüften kann, also 7 Stunden). Es hieß, wir bekommen in der Schule Masken zur Verfügung gestellt usw., heute kommt die Nachricht von der Direktorin, dass wir uns selbst darum kümmern sollen. Die Maske darf nur abgenommen werden, während wir im Unterricht sitzen. 5-6 Wochen lang wurde uns mehrmals immer wieder gesagt, Noten stehen fest, es gibt keine Schularbeiten mehr. Und jetzt, eine Woche vor Schulbeginn heißt es wieder: Nein, Noten stehen nicht fest, Schularbeiten werden stattfinden. Ich könnte noch mehr aufzählen. Online-Unterricht ist auch pures Chaos.
Abgesehen davon, dass das alleine schon echt für viele ein Angstfaktor ist, gibt es auch Schüler, die neben der Schule gerade echt schlimmere Probleme haben in der Familie. Die sich um wen kümmern müssen, betroffen von Gewalt sind, oder deren Familie wegen der vielen Kündigungen und Kurzarbeit um ihre Existenz kämpfen. Es ist einfach unglaublich wie in jedem Bereich des Lebens gerade mit der Bevölkerung gespielt wird, mal so, mal so. Ich denke es sollte dieses Jahr ohne Prüfung ein Maturazeugnis geben. Wir müssen ja ohnehin vier oder fünf Jahre durchkommen, oft genug wurden unsere Leistungen bisher geprüft. Das sollen sie hernehmen.“ Elli, AHS.

Auch viele Lehrer kritisieren zu recht die Maßnahmen und Pläne der Regierung. Für sie bedeutete es in den letzten Wochen nicht selten 12 Stunden Arbeitstag und zusätzliche finanzielle Belastung durch die Beschaffung von benötigten Materialien. „Ich wurde sehr häufig am Abend ab 20:00 Uhr verstärkt von Schülern und Eltern kontaktiert. Das waren meistens jenen, wo die Eltern berufstätig sind, und erst am Abend mal Ruhe einkehrt. Genauso wurde es durch Bildungsministerium und Direktoren fast schon vorausgesetzt „freiwillig“ auch am Wochenende und an Freitage verfügbar zu sein. Einer meiner Kollegen hielt sogar am 1. Mai eine Onlinestunde ab!“, berichtete uns ein Lehrer einer NMS. Großen Ärger gibt es unter Teilen der Lehrerschaft auch über die FCG-Gerwerkschaftsvertreter, welche ihr Zustimmung gaben, schulautonome freie Tage zu streichen. „Unser Arbeitsrecht wurde mit dem Appell an unsere Freiwilligkeit und unserer Sorge um unsere Schüler, teilweise vollkommen ausgehebelt“. Zurecht macht das vielen Lehrern Sorgen, heißt es doch auch (unabhängig von Corona) im türkis/grünen Regierungsprogramm, man wolle „Flexibilisierungsmöglichkeit der Arbeitszeit für Lehrerinnen und Lehrer auf freiwilliger Basis sowie Erarbeitung eines Jahresarbeitszeitmodells für Erzieherinnen und Erzieher zur Ermöglichung der Ferienbetreuung.“ Was unter „Freiwilligkeit“ zu verstehen ist, erleben jetzt viele Lehrer hautnah: Druck und informeller Zwang. Unter dem Vorwand der Pandemie wurde bei vielen Lehrern die Artbeizeit massive erweitert und auf defacto „rund um die Uhr“ ausgedehnt, Zwickeltage werden gestrichen und Lehrer sollen auch in den Ferien eingesetzt werden. Dagegen ist es mehr als gerechtfertigt sich aufzulehnen!

Bei Fernunterricht: Verringerung der Wochenarbeitszeit von Lehrkräften mit Kindern über 10 Jahren auf maximal 20 Stunden bei vollem Lohnausgleich! Freistellung von Lehrkräften mit Kindern unter 10 Jahren oder Beeinträchtigungen!

Kostenersatz für alle Lehrmittel, Materialien, einschließlich Handy und Laptop, Telefon- und Internetrechnung, welche jetzt durchs Lehrpersonal auf Eigeninitiative zur Durchführung ihrer Tätigkeit besorgt wurden! Anrechnung und dementsprechende Vergütung aller zusätzlich geleisteten Arbeitsstunden!

Nun wurde die Schule wieder geöffnet, was auch kaum anderes zu rechtfertigen wäre – nach dem Geschäfte und Betriebe mit 4. Mai wieder soweit hochgefahren sind, dass es vielerorts schon wieder zu Berufsstaus kam. Die Pläne der Regierung, wie die Gesundheitsmaßnahmen einzuhalten seien, ist aber in vielen Schulen gar nicht umsetzbar. Sei es wegen zu wenig Platz oder mangelnden Sanitäreinrichtungen. Für die absolute Mehrheit der Schüler geht es allerdings erst am 18. Mai wieder los (es bleiben dann etwa noch sechs Wochen bis Schulschluss). Und das betrifft im Gegensatz zu den Maturanten jene Schüler die noch unter die Schulpflicht fallen und auch vom Alter her noch betreuungspflichtig sind, also jene, wo Familien viel dringender eine Entlastung brauchen würden. Mit welchem Maß wird hier gemessen?

Eine Schülerin meinte dazu: „Es ist für die Regierung offensichtlich wichtiger, sich um ihre, also die Interessen der Herrschenden zu kümmern, als um die SchülerInnen und LehrerInnen. Ich fordere die Regierung dazu auf, dass sie sich mehr um wichtigere Themen kümmern soll, wie eben um uns SchülerInnen und auch ArbeiterInnen im allgemeinen, denn ich hasse es zu sehen wie die sogenannte Wirtschaft eine Finanzspritze nach der andern bekommt und im Endeffekt auf uns geschissen wird.“  Tina

Zu welchen Lasten die Politik der Herrschenden auch im Bezug auf die Schule geht ist klar: das sind die Kinder und Jugendlichen der Arbeiterklasse, sowie die Lehrer und Angestellten im Schulbetrieb. Die Digitalisierung der Schule, sowie die Beschneidung der Arbeitsrechte der Lehrer sind schon im Regierungsprogramm vorgesehen und werden jetzt unter dem Deckmantel der Pandemie in großen Schritten vorangetrieben! Während aus zahlreichen Betrieben in den letzten Wochen Meldungen kamen, und wie auch sehr gut an der jetzigen Öffnung des Handels zu sehen ist, wie wenig es um den Schutz der Gesundheit der Arbeiter, Angestellten und des Volkes geht, werden Schüler, Lehrer und Eltern massiv verunsichert und einer unnötigen, enormen Zusatzbelastung ausgesetzt!

Kein normaler Schulbetrieb bis nach den Sommerferien! Öffnung der Schulen zur täglichen Kinderbetreuung bei Bedarf, bei Erweiterung des Bedarfs auch bei Homeoffice und zur Entlastung der Familien!

Ausreichend und kostenlose Desinfektionsmittel, Handschuhe und Schutzmasken für jenes Lehrpersonal, welches weiterhin in direktem Schülerkontakt steht! Kostenlose und ausreichend Schutzmasken für alle Schülerinnen und Schüler!

Zusätzlicher Sonderurlaub für alle berufstätigen Eltern während der Schulferien, sowie Erweiterung der Plätze der Horte und Kindergärten, bei zusätzlicher Personalaufstockung!

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