Interview: 24-Stunden Pflege zur Zeit des Corona-Virus

Wir haben ein Interview mit einer 24-Stunden-Pflegerin erhalten, das wir gerne veröffentlichen:

Was hat sich für dich mit den Maßnahmen gegen den Corona-Virus in der Arbeit geändert?
Ich arbeite schon seit Jahren in der 24-Stunden-Pflege in der selben Familie. Normalerweise ist es so, dass ich mich mit einer anderen Frau im zwei Wochen Takt abwechsle. Zwei Wochen bin ich 24 Stunden da und die nächsten zwei Wochen die andere Pflegerin. Sie kommt aus Ungarn und jetzt sind ja die Grenzen geschlossen, deshalb kann sie nicht herfahren. Jetzt muss ich bis mindestens Mitte April (das sind 6 Wochen) durchgehend arbeiten und da sein! Aber niemand weiß, ob das nicht noch länger dauert. Das ist eine Katastrophe, ich bin jetzt schon völlig fertig.

Was macht die Arbeit so anstrengend?
Ich muss rund um die Uhr da sein und alles machen, teilweise stehe ich drei Mal in der Nacht auf und schaue ob bei den Alten alles passt, weil sie schon sehr schwach sind. Aber noch viel anstrengender ist es für den Kopf, weil sie dement sind und deshalb der Umgang mit ihnen sehr belastend sein kann. Man kann nicht einfach weggehen oder „Pause“ machen, wenn sie gerade was brauchen. Von mir wird selbstverständlich verlangt, dass ich diese zusätzlichen Wochen arbeite, ich wurde nicht gefragt.

Möchtest du sonst noch etwas sagen?
Ich bin Krankenschwester und habe mehr als 25 Jahre in Serbien im Krankenhaus gearbeitet. In Österreich gilt aber mein Diplom nicht, jetzt muss ich als 24-Stunden Pflegerin arbeiten. In Serbien ist die Lage jetzt noch viel schlimmer, es fehlt im Krankenhaus und Gesundheitssystem an allem: Personal, Ausstattung usw.. aber das größte Problem sind die niedrigen Löhne, davon kann man nicht leben.

Ich war so lange Krankenschwester, ich kenne mich aus. Als 24-Stunden Pflegerin zählt das aber nicht, da muss man alles mitmachen und schlucken. Ich würde mir wünschen, dass ich sobald als möglich abgelöst werde. Niemand hält es aus, solange am Stück ohne Freizeit und mit demenzkranken Leuten alleine zu arbeiten.

Danke für das Interview!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s