Korrespondenz aus dem Handel

KORRESPONDENZ

Nachstehend veröffentlichen wir gerne eine Korrespondenz die uns aus dem Handel erreichte:

Acht Stunden und mehr am Tag unter der Maske arbeiten – das ist zu viel!

Ich bin eine junge Frau die seit Jahren Vollzeit im Lebensmittel-Einzelhandel arbeitet. Diese Branche ist ein sogenannter typischer Frauenberuf, fast alle hier arbeiten Teilzeit und sind ungelernt. Einzig jene in Führungspositionen können sich ihr leben alleine leisten, andere sind auf den Lohn ihrer Männer angewiesen. Viele von uns sind Migrantinnen und haben Kinder daheim. Und trotz „weniger“ Stunden die Woche, ist ein typischer Arbeitsbeginn um 5 oder 6 Uhr in der Früh, oder ein Dienstende um 8 oder 9 Uhr abends. Das ist natürlich schwer mit einer Familie vereinbar.

Auch wenn unser Kollektivvertrag nicht so schlimm ist wie zum Beispiel der der Friseurinnen, lässt der natürlich mehr als zu wünschen übrig. Oft wird sich auch nicht an das geltende Arbeitsrecht gehalten, einfach weil wir Angst haben unsere Arbeit zu verlieren, wenn wir “Nein” sagen oder uns wehren.

In der Situation der Corona Pandemie, in der wir jetzt leben, wird gesagt alle sollen zusammenhalten. Es heisst wir sollen den Verkäuferinnen “Danke” sagen und Verständnis zeigen. Gleichzeitig wollen unsere Firmen gut und menschlisch wirken, indem sie von Spenden und von Bonus-Zahlungen reden.

Ich will aber keine EINMAHLIGE Zahlung, die die extreme körperliche Anstrengung, Überstunden, Stress und Angst vor Reaktionen von Kundschaften wieder gutmachen soll, wenn der LAUFENDE Lohn dafür gleich niedrig bleibt. Ich will nicht jeden Tag Angst haben mich mit Corona anzustecken. Und ich will nicht mehr als 8 Stunden am Tag eine Maske tragen unter der man kaum atmen kann und von der meine Kolleginnen sagen sie bekommen Kopfschmerzen und es wird ihnen schwindlig. Im Gegenteil, sollte gerade deswegen unsere Arbeitszeit verrinert und Pausenzeite erweitert werden!

Genauso wie ich mir verarscht vorkam, als im Winter KV-Verhandlungen waren und die Gewerkschaft von „Kampfmaßnahmen“ redete, von denen bis auf villeicht einzelne Betriebräte, nach einer Woche schon niemand mehr was hören wollte. Das “beste” daran war aber: viele von uns haben davon aus den Nachrichten erfahren, nicht von unseren Betriebsraeten und der sogenannten Interessensvertretungen.

Was wir brauchen sind Arbeits- und Öffnungszeiten, die mit unserem Leben und unseren Familien vereinbar sind. Dazu gehören auch gratis Horte und Kindergärten zu unseren Arbeitszeiten!

Was wir brauchen sind Zusammenhalt untereinander und die Unterstützung der Bevölkerung, genauso wie einen Zusammenschluss im Betrieb (und darüber hinaus Filialen und Konzern üebrgreifend), um uns gegen

  • schlechte Bezahlung

  • zu lange Arbeitszeiten

  • Verletzung der gesetzlichen Ruhezeiten (mindestens 11 Stunden zwischen 2 Diensten, mindenstens 36 Stunden Wochenende)

  • zu niedriege Überstunden-Pauschalen

und vieles mehr zu wehren und bessere Bedingungen für uns zu schaffen.

Unmittelbar, als Maßnahme im Bezug auf die Maskenpflicht brauchen wir eine Arbeitszeitverküzung und mehr Pausen!

Dank, Verständnis, Trinkgeld und Applaus sind schön und gut, es freut uns zu sehen, dass es viel Zusammenhalt gibt. Da sich aber davon keine Rechnungen zahlen lassen, sich unsere generellen schlechten Bedingungen nicht bessern, wünsche ich mir diesen Zusammenhalt dringend, wenn es um Kmapfmaßnahmen und Streik für besseren Lohn und Arbeitszeiten geht!

Tina

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