Corona: Krisengewinne auf dem Rücken der Frauen?

Die meisten Frauen in Österreich arbeiten derzeit Tag und oft auch Nacht um in dieser schwierigen Zeit „alles unter einen Hut zu bringen“. Die Maßnahmen die mit der „Corona-Krise“ beschlossen wurden bringen viele davon ans Limit ihrer Kräfte.

Mit der „Corona-Krise“ sind Kinderbetreuung und Pflegearbeit wieder bzw. noch viel mehr zur Privatsache und damit in den meisten Fällen zur Sache der Frau gemacht worden. Für viele bedeutet die „Corona-Krise“ neben Arbeit und Haushalt auch noch rund um die Uhr Kinderbetreuerin und Lehrerin zu sein. Die Lage der Frau im Kapitalismus, neben der Arbeit auch noch diese unverzichtbaren Arbeiten stemmen zu müssen, die doppelte Unterdrückung und Ausbeutung der Frau, hat sich teils ins unermessliche gesteigert. Vor allem Alleinerziehende (von denen in Österreich 91 Prozent Frauen sind!), sind damit meist ganz auf sich alleine gestellt. Die oft verkündete Solidarität endet da, wo Kosten und Lasten auf den privaten Schultern der Frauen abgewälzt werden.

Die Pflege der alten Menschen bleibt für die meisten Frauen eine ungeklärte Frage und täglich ändern sich die Informationen, was das Planen der Pflege in der Familie beinahe unmöglich macht. Viele wollen Altersheime oder die teils zur Verfügung stehende Kinderbetreuungseinrichtungen trotz der Probleme die damit aufkommen, nicht in Anspruch nehmen, da die Ängsten vor gesundheitlichen Folgen zurecht groß sind. Trotzdem ist der bezahlte Sonderurlaub für ArbeiterInnen und Angestellten mit Betreuungspflichten für Kinder unter 14 kein Recht, das bei Bedarf in Anspruch genommen werden kann. Solange Kindergärten und Schulen geöffnet haben, braucht es das „Einverständnis“ des Unternehmens für einen solchen einwöchigen „Urlaub“. Sind Kinderbetreuungseinrichtungen also geöffnet, dann nicht für die Entlastung der Frauen, sondern für die Unternehmen, die nicht auf Arbeitskräfte verzichten wollen. Davon, dass die meisten Aufgaben privat getragen werden müssen, davon profitiert nur die herrschende Klasse. Eine echte, zumindest ansatzweise, Entlastung, von denen auch die Frauen profitieren würden, wäre etwas anderes. Zum Beispiel das Recht auf jederzeitige Freistellung bei voller Lohnfortzahlung für Kinderbetreuungszwecke oder anfallenden Pflegefällen.

Auch im Arbeitsbereich werden möglichst alle Kosten auf das Volk abgewälzt, wobei sich auch damit die Lage vieler Frauen verschärft. Nicht nur werden sämtliche Maßnahmen wie die Kurzarbeit, hauptsächtlich von Steuergeldern finanziert. Auch bedeutet schon ein geringer Lohnverlust durch die Kurzarbeit für viele Frauen und insbesondere für Alleinerziehede, die sich schon vor „Corona-Zeiten“ das Leben nur schwer leisten konnte, nicht mehr über die Runden kommen zu können. Wie sehr so manchen anderen Corona dafür ganz gelegen kommt, wurde uns am 1. April noch einmal deutlich vor Augen geführt. Im Gesundheits- und Sozialbereich, in dem über 70 Prozent der Beschäftigten Frauen sind, und der vor der Corona-Kriese mit dem der Kampf für die 35-Stunden-Woche und bessere Arbeitsbedienungen noch ein starker Ausdruck dafür war, dass die Frauen bereit sind zu kämpfen. Jetzt, wo die teilweise unter Ausgangssperren stehenden Beschäftigten am wenigsten Möglichkeit hatten, sich zu wehren, wurde in Windeseile von der GPA-dip und vida Gewerkschaftsspitze gemeinsam mit der Vorgesetztenvertetung ein Kollektivvertrag beschlossen, der ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten ist. Um die Proteste möglichst abzuwürgen wurde er noch dazu nicht für ein, sondern für ganze drei (!) Jahre beschlossen. Dabei zeigt sich gerade jetzt wie wichtig die Aufstockung des Personals und bessere Arbeitsbedingungen wären.

Die „Corona-Krise“ bedeutet Verschärfungen der Lage der Frauen und des Volks allgemein. Dass genau damit die Zunahme an Gewalt gegen Frauen gefördert wird, lassen die zusätzlichen Mittel, die nun für von Gewalt Betroffenen bereit gestellt wurden, wie einen Scherz erscheinen. Wie ein Scherz erscheint auch der Lobgesang auf die Frauen und Mütter, der die letzten Tage den Applaus für die „SystemaufrechterhalterInnen“ begleitet hat. Das Verhimmeln und Hochhalten der aufopferungsvollen Frauen war eben immer schon eher ein Begleiter der Verschärfung des Patriarchats, als dass es die Lager Frau verbessert hätte.

Es zeigt sich gerade in einer verschärften Krise des herrschenden Systems wie jetzt eindeutig, dass es flächendeckende Kinderbetreuungseinrichtungen braucht die kostenlos und zu Arbeitszeiten zur Verfügung stehen müssen. Wir wollen nicht als „Heldinnen“ und „Systemerhalterinnen“ gefeiert werden, wenn in Realität die Last auf unseren Schultern immer mehr steigt.

Das Coronavirus muss bekämpft werden. Aber warum geschieht das nicht zuletzt auf dem Rücken der Frau? Das Coronavirus macht uns Sorgen. Aber der Feind der Frauen, das ist das Patriarchat, das ist die herrschende Klasse, die nicht „genauso wie wir“ unter dieser Krise leidet, sondern sogar noch davon profitiert.

Recht auf Lohnfortzahlung bei seuchenbedingter Freistellung!
Jederzeit Freistellung bei Lohnfortzahlung zu Kinderbetreuungszwecken und bei Pflegefällen!

Flächendeckende und kostenlose Kinderbetreuungseinrichtungen zu Arbeitszeiten!

Sofortige Aufstockung des medizinischen und pädagogischen Personals in den Einrichtungen des öffentlichen Gesundheits- und Sozialsystems! Gleichzeitige Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden bei vollem Lohn- und Personalausgleich!

Viktoria

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