„Corona-Krise“: Reportage zum selbständigen Streik in Linz

Während die bürgerlichen Medien in zahlreichen Pressekonferenzen und Nachrichten nicht müde werden das „Team Österreich“ zu bewerben, enthüllen die Arbeiter und Arbeiterinnen in den Betrieben diese Illusion. In Linz führten Arbeiter selbständig und unabhängig von der Gewerkschaftsbürokratie einen Streik durch und forderten Maßnahmen zum Schutz ihrer Gesundheit!

Wie wir im Artikel „Öberösterreich: Arbeiter streiken!“ berichteten, legten am Mittwoch, den 18. März, die Arbeiter des Kunst- und Schaumstoffhersteller Greiner Perfoam/ Eurofoam für zwei Stunden die Arbeit nieder. Sie streikten, wie sie selbst erklärten, gegen „das unverantwortliche Verhalten der Firmenleitung“. Diese hat keinerlei Maßnahmen getroffen für die Sicherheit der Arbeiter, welche auf Grund der Corona-Pandemie nun die gefährlichen Folgen fürchteten.

Am 17. März gab das Unternehmen noch bekannt, dass der Betrieb in den Standorten Kremsmünster, Linz, Graz und Innsbruck aufrecht bleiben werden. Besonders pikant ist aber, dass sich die Betriebsleitung nur zwei Tage vor dem Streik noch in einer Aussendung brüstete: „Wir unternehmen alle notwendigen Schritte zum Schutz unserer Belegschaft und stellen gleichzeitig eine fortlaufende Produktion sicher.“ (siehe Bilder!) Offenbar war dem nicht so, bzw. gingen die Anschauungen was denn die „notwendigen Schritte“ seien, zwischen Arbeitern und Firmenleitung offensichtlich weit auseinander. Während es am 6. und 10. März noch „Sicherheitstage“ im Unternehmen gab, mit den Worten „Die Gesundheit und Sicherheit unsere Mitarbeiter hat für uns oberste Priorität.“, zeigte sich rasch danach schon, wie die Realität aussieht. Nämlich: Die Vitalität unseres Kapitals und die Sicherstellung unseres Profits hat für uns oberste Priorität!

Die Greiner AG ist ein deutsch-österreischischer Konzern mit 62 Standorten in 18 verschiedenen Ländern. Im Mai 2019 berichteten Medien, dass der Umsatz des Konzerns zuletzt wieder um 3% gestiegen ist, auf nichts Geringeres als 1,6 Milliarden Euro. Elf Jahre zuvor, im Zuge der Weltwirtschaftskrise 2008 war der Konzern ebenfalls in den Nachrichten, mit der Meldung: „Greiner Gruppe passt sich der Krise an“. Was für den Standort in Linz nichts anderes bedeutete als Kündigung von 60 bis 80 Arbeitern und Kurzarbeit für die Restlichen. Man habe auf die konjunkturellen Veränderungen mit Personalabbau reagieren müssen, hieß es damals dazu von der Konzernführung. Nicht verwunderlich also, dass die Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter ausschließlich zu Werbezwecken groß geschrieben wird!

Zurecht haben am 18. März also die Arbeiter gestreikt! Sie haben sich damit nicht nur (gerechtfertigt!) gegen das bereits ausgesprochene Versammlungsverbot der Regierung gestellt, sondern vor allem gezeigt, dass die Arbeiter bereit sind zu kämpfen – auch ohne der Zustimmung der ÖGB-Führung. Dieser Streik wurde von den Arbeitern selbst organisiert! Dabei war es auch die Initiative der Arbeiter diesen Streik vor den Werkstoren durchzuführen, da es in den Werkshallen nicht genügend Platz zur Einhaltung der Sicherheitsabstände gibt.

Der Streik wurde unabhängig vom ÖGB, ohne Streikbewilligung selbstständig von den Schichtarbeitern bei Greiner Perfoam durchgeführt. Nicht nur, dass von offizieller Gewerkschaftseite nicht einmal darüber berichtet wurde, waren es im Betrieb selbst der Betriebsrat (!) Hand in Hand mit der Betriebsleitung, welche die Arbeiter unter Druck setzten und den Streik brachen. Unter großen Protest verließen die Arbeiter nach etwa zwei Stunden ihre Streikposten wieder. Am gleichen Tag veröffentlichte der ÖGB eine Stellungnahme unter dem Titel „Unternehmen müssen ihre Beschäftigten schützen“. Darin heißt es zynisch: „Die Gesundheit der ArbeiterInnen und Angestellte muss an erster Stelle stehen.“ An erster Stelle steht jedoch anscheinend für manche Betriebsräte und besonders für die Gewerkschaftsführung das Interesse der Kapitalisten! Bei Greiner werden sie offensichtlich, anstatt die Belegschaft für ihre gerechtfertigten Anliegen zu unterstützen, zum Streikbrechen eingesetzt. Im Sozial- und Gesundheitsbereich verhandelten sie jetzt (!) hinter verschlossenen Türen einen äußerst faulen „Kompromiss“ aus, im Versuch jeden Protest und Streik abzuwürgen!

Die Arbeiter bei Greiner in Linz sind ein wichtiges Beispiel und Vorbild für die Arbeiterklasse in Österreich: Für die beinahe 600.000 Arbeitslosen, für jene die wegen der aktuellen Lage gekündigt wurden, jene die in Kurzarbeit geschickt wurden, jene die Zwangsurlaub machen müssen und besonders auch jene, die für die Kapitalisten nun ihre Gesundheit aufs Spiel setzen sollen.

Auch international wehrten sich die Arbeiter und nahmen es nicht still schweigend in Kauf, sich nun auch noch „extra“ gefährdenden Bedingungen auszusetzen. In Spanien (im Baskenland) haben bereits am 16. März 5.000 Arbeiter im Mercedes Werk gestreikt und die Produktions lahmgelegt. In Italien gab es Streiks unter anderem bei Ikea in Rom, bei den Hafenarbeitern in Genua, bei der AST Fabrik in Ternin, bei einem Logistikunternehmen in Caorso und bei bei eine ganzen Reihe von Fabriken in Brescia. Gefordert wurden unter anderem Schutzkleidung, Handschuhe, Desinfektionsmittel, oder schlichtweg die Einstellung des Betriebes, da der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann.

Was die Arbeiter bei Greiner Perfoam in Linz machten, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung! Sie haben durch ihre Tat auch die Lüge zerschlagen, dass man „derzeit nicht streiken kann“. Was die Arbeiterklasse jetzt braucht ist Solidarität untereinander und Vertrauen in die eigene Kraft. Die Arbeiter bei Greiner gehen dabei mit großen Schritten voran. Daher ist ihr Streik ein so wichtiges Beispiel und Vorbild: die Arbeiter organisierten sich unabhängig und selbständig!

Wehrt euch und kämpft:

Keine Abwälzung der Kosten der „Corona-Krise“ auf die Arbeiterklasse und Volksmassen! Nein zu Kündigungen, Entlassungen und Kurzarbeit!

Simone

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