MedizinstudentInnen ohne Regelungen während der „Corona-Krise“

– Leserinnenbericht –

Ich bin Medizinstudentin im 6. und damit letzten Studienjahr. In Österreich ist es Teil der ärztlichen Ausbildung, dass alle MedizinstudentInnen dieses Jahr in der Klinik verbringen, und auf verschiedenen Stationen im Krankenhaus arbeiten. 1400 StudentInnen sind so gerade in ungefähr 150 Krankenhäusern in Österreich tätig. Die Arbeit ist dabei zu vergleichen mit der von jungen ÄrztInnen.

Mit der Corona-Pandemie, die Österreich gerade trifft, wollte auch ich mich zur Verfügung stellen, um meinen Teil für die Österreichische Bevölkerung zu leisten. Doch wie sich herausstellt, gibt es dabei viele Probleme: denn der Einsatz von MedizinstudentInnen im Kampf gegen Epidemien ist tatsächlich nirgendwo geregelt. Es ist mir klar, dass es im Ausnahmezustand nicht für alles ein Gesetz geben kann. Trotzdem ist der Kern des Problems nicht neues.

Als Student im 6. Studienjahr (Klinisch-Praktisches Jahr, KPJ) hat man nämlich kein Arbeitsverhältnis mit dem Krankenhaus. Das heißt nicht nur, dass man netto ungefähr 550 Euro für fast dieselbe Tätigkeit wie ein Arzt bekommt. Man hat auch keinen Anspruch auf Krankenstand, Pflegeurlaub und bezahlte Kinderbetreuung (wenn jetzt alle Kindergärten schließen). Selbst im Fall von Krankheit und Quarantäne wegen Corona gibt es keine Versicherung, dass man den Platz behält, da es eben kein Arbeitsverhältnis ist. Es gibt auch bereits Fälle, wo Studierende den Platz verloren haben, weil sie sich über die Zustände auf den Notfall- und Intensivstationen beschwert haben, zum Beispiel dass die nötige Schutzausrüstung fehlt. Wenn man den Platz verliert, steht man nicht nur ohne Arbeit da, sondern man kann das Studium nicht beenden, und verliert viel Zeit.

Solche Zustände sind kein bloßer „Fehler“ in der Studienplanung. Sie verhindern ganz bewusst, dass Kinder von Arbeitern, Alleinerziehende, besonders Frauen ÄrztInnen werden können. Solange es diese Zustände gibt, wird das Börserl der Eltern über den eigenen Studienerfolg entscheiden. Was sich in der heutigen Situation besonders deutlich zeigt, ist wie viele wichtige und nötige Arbeitskräfte damit vernichtet werden.

Luisa, 28

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