SWÖ-KV: Verraten und verkauft!

Inmitten der „Corona-Krise“, in der täglich tausende Beschäftigte im Sozial-, Gesundheits- und Pflegebereich an ihre Grenzen gehen müssen, gab das Verhandlungsteam der Gewerkschaft den Abschluss der KV-Verhandlungen bekannt. Viele dachten wohl zuerst, es müsse sich um einen Aprilscherz handeln, denn unmöglich könnte man, gerade in der gegenwärtigen Situation, mit solchen Ergebnissen abschließen. Es dauerte nicht lange und allen war klar, dass sie das ernst meinen. Die Beschäftigten im SWÖ-Kollektivvertrag wurden erniedrigt, ganz fürchterlich wurden sie verraten und verkauft!

Mit dem Ergebnis, das auf drei Jahre festgeschrieben werden soll, gestatten es die Herren und Damen Spitzengewerkschafter den Unternehmern und den staatlichen Institutionen, dass die nächsten drei Jahre, also in der Zeit in der die großen Sparpakete als Folge der jetzigen „Corona-Krise“ kommen werden, nicht mehr verhandelt wird. Die im SWÖ-KV Beschäftigten werden die nächsten drei Jahre keine Lohnverhandlungen, keine KV-Verhandlungen haben! Wie kann man das gutheißen, wenn doch klar ist, dass aufgrund der sich massiv verschärfenden Wirtschaftskrise gerade in dieser Zeit die Inflation galoppieren wird, dass Sparpakete und weitere Belastungen anstehen werden? Das Verhandlungsteam aus GPA-djp und vida hat die Beschäftigten damit für die nächsten drei Jahre ausgeliefert!

Die Lohnerhöhung von 2,7% gilt nur 2020 und ist natürlich an sich schon viel zu wenig, aber wirklich absurd frech wird die Angelegenheit, wenn man sich ansieht, dass 2021 und 2022 die Löhne nur um die offizielle Inflationsrate plus 0,6% angehoben werden sollen. Es weiß doch jeder, dass die tatsächliche Inflation der Waren des täglichen Bedarfs immer weit über der allgemein errechneten, „offiziellen“ Inflationsrate liegt. Das ist also nicht nur ein schlechtes Ergebnis, sondern es ist organisierter Lohnraub, eine Lohnsenkung und nicht anderes!

Als ob das noch nicht reichen würde, greifen die Unternehmer und Institutionen mit Hilfe der Gewerkschaft auch noch die Mehrstundenzuschläge an! Von 50% fallen diese auf 33% – die Herren und Damen in den Chefetagen der Gewerkschaft haben offensichtlich nicht die leiseste Ahnung davon, dass viele Beschäftigte dieses zusätzliche Geld wirklich brauchen! Das ist nichts anderes als eine schamlose Lohnkürzung! Gerade im Sozial-, Gesundheits- und Pflegebereich fallen aber oft auch Überstunden an, weil man die Betreuung von PatientInnen und KlientInnen nicht nach Stoppuhr regeln kann und gleichzeitig massiver Personalmangel herrscht. Darauf bauen diese Ausbeuter (offenbar mit Hilfe hoher Gewerkschatsfunktionäre), denn die notwendig anfallenden Überstunden werden natürlich nicht weniger, noch dazu bei der dauernden und allgegenwärtigen Unterbesetzung in diesem Bereich.

In 2022 soll sich schlussendlich die Arbeitszeit auf 37 Stunden verringern, weit weg von den geforderten 35 Stunden und auch erst, nachdem durch die jetzige Krise und die kommenden Krisenpakete die Arbeitsintensität massiv nach oben geschraubt wurde! Das heißt in einer Stunde weniger Wochenarbeitszeit weit mehr erledigen als zuvor. Dafür haben sicherlich nicht tausende Beschäftigte gekämpft, dafür wurde nicht gestreikt und demonstriert!

Alle die zwischen 16. März und 30. Juni direkt mit Menschen gearbeitet haben, sollen eine einmalige Gefahrenzulage von 500,- Euro erhalten. Dass das viel zu wenig ist, ist klar. Nicht nur um das Eigenrisiko (und damit auch das für die Angehörigen der Arbeitskräfte) geht es hier, sondern auch um die Intensität mit der die Arbeit gemacht wird, die übersteigt nämlich gewaltig die der „normalen“ Überstunden.

Die Gewerkschaftsverhandler haben alles verraten und verkauft, was den Beschäftigten wichtig war. Es braucht niemanden zu verwundern, dass jetzt viele daran denken, ihre Gewerkschaftsmitgliedschaft zurückzulegen, noch dazu wenn die Gewerkschaft ihr Vorgehen mit geradezu zynischen Statements verteidigt und damit die 125.000 Beschäftigten im Gesundheitswesen, in der Pflege und im Sozialbereich verhöhnt. Gemeinsam mit den Unternehmern versuchen sie die Beschäftigten auszuliefern und die ArbeiterInnen und Angestellten, die in Streiks, Betriebsversammlungen und Demonstrationen ihre Kraft zeigten, massiv zu schwächen. Wir dürfen uns davon nicht demoralisieren lassen, wir dürfen trotz dieser riesigen Enttäuschung nicht die Flinte ins Korn werfen! Wir müssen sagen: Jetzt erst recht! Wenn wir uns jetzt nicht zusammentun, uns nicht vernetzen und nicht weiter gemeinsam aktiv sind, dann wird die Zeit jetzt und nach „Corona“ an Verschlechterungen und Kürzungen alles in den Schatten stellen, was in den vergangenen Jahren da war. Wir ArbeiterInnen und Angestellte müssen jetzt zusammenstehen, nur dann können wir die gegenwärtigen und zukünftigen Angriffe abwehren. Die Unternehmer und die hohen Gewerkschaftsfunktionäre hoffen auf unsere Demoralisierung und Entmobilisierung. Diesen Gefallen tun wir ihnen nicht!

Unsere Forderungen bleiben gegen die jetzigen Verschlechterungen aufrecht, wir weiten sie sogar noch aus und verlangen, dass die Corona-bedingte Sonderzahlungen wesentlich erhöht werden, dass die SWÖ-KV-Verhandlungen neu aufgelegt werden und in Zukunft Urabstimmungen über vorläufige Verhandlungsergebnisse abgehalten werden! Wir lassen uns nicht knicken, wir organisieren uns weiter, wir kämpfen weiter und wir werden unsere Anliegen durchsetzen, denn unsere Sache ist gerecht!

35h/Woche bei vollem Lohnausgleich!

Massive Personalaufstockung im gesamten Pflege- Gesundheits- und Sozialbereich!

1000,- mindestens Coronazulage!

Neuverhandlung des SWÖ-Kollektivvertrags!

 

Wir haben exemplarisch auch noch ein paar Kommentare auf der Facebookseite der GPA-djp zusammengestellt, die ebenfalls sehr gut zeigen, was die Beschäftigten von diesem Abschluss halten:

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