Beschäftigte im Handel, lassen wir uns nicht verarschen! Wir geben unsere Gesundheit nicht für ein Butterbrot her!

-Korrespondenz aus dem Handel-

Ich arbeite seit einiger Zeit im Handel. In Zeiten der „Corona-Krise“ ist das eine der wenigen Branchen, die Gewinn gemacht hat, zumindest am Anfang. Da hat man bei uns im Betrieb wieder Mal gesehen, wie sehr am Limit wir eigentlich arbeiten. Die Unmengen Lieferung konnten nur mit Sonntags- und Nachtarbeit bewältigt werden! In größeren Betrieben wurde sogar das Bundesheer eingesetzt, weil sonst nicht genügend Arbeitskräfte da sind. Zahlen tut sowas natürlich der Steuerzahler, also indirekt auch wir selbst. Auch im normalen Dienst war viel mehr zu arbeiten als sonst. Schon am ersten Tag sagte eine Kollegin zu mir, als wir mit der riesigen Lieferung fertig waren „Jeden Tag brauch ich so einen Ausnahmezustand sicher nicht!“ Recht hat sie!

Wir sind die „Helden“, die die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherstellen, deshalb gaben die Unternehmen und die Regierung diesen Mittwoch bekannt, dass es ein „15. Gehalt“ für uns geben wird. Spar mobilisierte 3 Millionen, die Rewe-Gruppe (Billa, Bipa, Merkur, Penny, etc.) machte einen „niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“ locker und auch Hofer hat einen Bonus ausbezahlt. Bei uns Mitarbeitern ist angekommen: 150 Euro für Vollzeitarbeiter, 75 Euro für Teilzeit (in diesem Bereich ca. ¾ aller Beschäftigten). Als Gutschrift, nicht in Bar. „15. Gehalt“, nennen sie das! Das ist ein Schlag ins Gesicht, denn wer trägt das Risiko bei der Nahversorgung? Ich leiste gerne meinen Teil für das Volk in so einer Zeit! Aber selbst wenn man alle Sicherheitsmaßnahmen einhält, und auch wenn die Kunden im Allgemeinen darauf achten, die 1-2 Meter Abstand einzuhalten, wir sind jene die das Risiko tragen. Es sind die Beschäftigten, die die eigene Gesundheit, und die Gesundheit von gefährdeten Verwandten und Bekannten riskieren, für den Profit der Kapitalisten.

Wir brauchen keinen „Dank“, wir müssen Gefahrenzulagen fordern, wie es sie in anderen Bereichen gibt. Das ist bitter nötig. Seit Jahren wird der Lohn real immer weniger, während das ganze Leben, von der Wohnung bis zu Lebensmitteln wie Butter, immer teurer wird. Jene Werte die wir selbst schaffen und unseren Chefs Milliarden einbringen, werden uns vorenthalten und immer mehr auf hinuntergedrückt.

Unsere Probleme kommen von dem Verhältnis, in dem wir arbeiten. Es gibt keine „faire Entlohnung“, daran werden auch Prämien und Zulagen nichts ändern, auch wenn sie das Leben für ein paar Tage leichter machen. Von dem Geld, das die Unternehmen durch uns anhäufen, sehen wir nur einen winzigen Bruchteil am Lohnzettel – den Rest steckt sich die Firma ein. Unsere Arbeitskraft wird ausgebeutet, davon lebt das Kapital!

Da hilft es nichts zu heulen oder zu betteln. Wir müssen kämpfen und wir müssen Vertrauen haben in die eigene Kraft! Schauen wir nach Frankreich: dort bekommen die SupermarktverkäuferInnen 1000 Euro Prämie. Das hat natürlich etwas damit zu tun, wie in Frankreich gestreikt wird, dass Ende letzten Jahres 1,5 Millionen Arbeiter im ganzen Land auf der Straße waren. Das muss uns hier eine Inspiration sein. Und eines wissen wir jetzt: wir sind „lebenserhaltend“, nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für den Betrieb vom Kapital.

Wehrt euch und kämpft gegen die Schinderei, die „Corona-Krise“ darf nicht auf Kosten der Arbeiterklasse und des Volkes gehen!

Gefahrenzulagen statt lächerlicher Gutschriften!

Für die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich!

Stephan S.

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