Aus dem Betrieb: Zwangsurlaub und Extraschichten

KORRESPONDENZ AUS DEM BETRIEB

Im Folgenden veröffentlichen wir eine Korrespondenz aus dem Betrieb, die wir ziemlich zeitgleich mit Ausbruch der „Corona-Krise“ bzw. der Durchsetzung diverser Maßnahmen erhalten haben. Sie zeigt sehr gut auf, mit welchen Methoden die Kapitalisten die Arbeiter unter Druck setzen, Arbeitsrechte aushebeln, ihre Arbeitszeiten ausdehnen und Verschlechterungen durchdrücken. Wir bedanken uns für diese Korrespondenz, da sie gerade jetzt einmal mehr hervorhebt, dass beispielsweise Zwangsurlaub und unzureichende Gesundheitsmaßnahmen keine „Corona-Ausnahme“ sind. Im Gegenteil es zeigt sehr gut, dass besonders die Arbeiterbewegung durch die „Corona-Krise“ keinen Millimeter zurückweichen darf in der Verteidigung von Arbeitsrechten und dazu müssen sich die Arbeiter wehren und für ihre Interessen kämpfen!

Keine Abwälzung der Kosten der „Corona-Krise“ auf die Arbeiterklasse und Volksmassen!

Zwangsurlaub und Extraschichten

Ich arbeite in einer Produktionsfirma, die, gemessen an der Zahl an unserem Hauptstandort (was die Arbeiter im Betrieb betrifft) nicht gerade groß ist, aber international seine Profite sehr gut sichert.

Nach außenhin, kennzeichnet sich dieser Betrieb als stark sozial an den Arbeitern orientiert, aber nur was Zuckerl und Zuschüsse betrifft, wenn zB jemand heiratet oder ein Kind bekommt, bekommen wir € 200 bis € 300. Auch gibt es überall Aushänge in denen groß geschrieben wird, welche Zuschüsse wir bekommen, für beispielsweise Heilbehelfe usw.

In unserer Produktion ist es ziemlich laut und wir würden dringend einen ordentlich Gehörschutz benötigen. Als ich (mehrfach) zum Betriebsrat ging, weil bei uns im Pausenraum ein neuer Aushang vorhanden war, dass es bessere Ohrstöpsel gibt, um zu fragen, wann wir denn diese bekommen, hieß es nur: „Geh mal durch und frag nach wer einen braucht“. Ich hab ihm gesagt, er solle das bitte selbst machen, denn das ist ja sein Job. Er sah mich nur ungläublig an und ging davon. Bekommen haben wir bis jetzt keinen Gehörschutz!

Letztens hatten wir drei Tage „zwangsfrei“ auf Grund von Maschineninstandhaltung. Kurz bevor wir diese „freien“ Tage hatten, gab es eine Diskussion mit uns Arbeitern, wie wir denn dies nun bewerkstelligen. Zuallererst hieß es, wir müssen unseren Urlaub dafür hergeben und gleichzeitig diese „Stillstandstage“ an einem Samstag reinarbeiten. Wir haben uns darüber beschwert und es nicht eingesehen, dass wir erstens: unseren Urlaub dafür hergeben müssen und zweitens: diese Tage reinarbeiten müssen und dafür vielleicht nicht einmal Überstunden bezahlt bekommen – trotz Samstagsarbeit.

Das mit dem Urlaub regt uns deswegen auf, weil wir schon zwei Wochen im Sommer Betriebsurlaub haben und uns diese zwei Wochen im Sommer nicht aussuchen können und danach meistens, im Spätsommer, Urlaubssperre haben. Wo es doch immer heißt, dass wir uns eine Woche am Stück aussuchen können – per Gesetz – da gibts bei uns dann eine Ausnahme und unseren Betriebsrat interessiert das nicht. Zur Samstagsregelung hieß es immer – dieser ist freiwillig und fällt dann natürlich unter Überstunden! Aber wo bleibt denn da bitte die Freiwilligkeit, wenn sie wegen der Instandhaltung uns vorschreiben die nächsten Samstage dafür zu nutzen, dass ihre Profite gesteigert werden – nämlich in diesem Fall dann noch mehr, weil wir dann ja keine Überstunden bekommen.

Bei der Diskussion brachte aber unser Betriebsrat natürlich kein Wort raus und hat gekniet vor der Chefetage!

Es zeigt einfach immer mehr, auf die Gewerkschaft ist kein Verlass! Wir arbeiter müssen uns fest zusammenschließen und nicht darauf hoffen, dass die Gewerkschaft unsere Kämpfe, Sorgen und Probleme kennt – sie schauen nur auf die Erhaltung ihrer Posten!

Bei uns geht es aber immer weiter und wir Arbeiter sollen dabei eingeschüchtert und ganz gezielt gespalten werden. Nun wird uns mit Leasingarbeitern gedroht, die unseren Job übernehmen werden. Uns mit dieser Methode unter Druck zu setzen wird ihnen aber bestimmt nicht so aufgehen wie sie das erwarten. Denn wir wissen aus Erfahrung der letzten Monate, dass auch die Leasingarbeiter keinen Bock auf solche schlechten Arbeitsbedingungen haben und meistens nach drei Tagen wieder gehen.

Ich bin mir sicher, das ist nicht nur in unserem Betrieb so und es gibt viele von euch, denen es genau so geht.

Ich werde jedenfalls mit meinen Kollegen weiter diskutieren, um unsere Einheit zu stärken, damit wir uns das alles nicht mehr weiter gefallen lassen müssen.

Ich bin jedenfalls gespannt was auf dem nächsten Lohnzettel stehen wird – ob uns Urlaubstage abgezogen wurden. Denn eine konkrete Einigung gab es deswegen nicht.

Thomas F.

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