Wien: Bericht aus der Besetzung der TU

Am Dienstag, dem 10. Dezember, wurde der Festsaal der Technischen Universität Wien von ungefähr 100 StudentInnen 7 Stunden lang besetzt. Als die Besetzung schließlich gewaltsam durch die Polizei geräumt wurde befanden sich immer noch 70 StudentInnen im Festsaal. Korrespondenten der „AfA“ befand sich während der Besetzung vor Ort.

Besonders gegen Anfang und Ende war die Besetzung sehr kämpferisch, und es gab sehr angeregte Diskussionen im Festsaal. Man merkte, dass die Besetzer fest entschlossen sind für ihre gemeinsamen Interessen zu kämpfen!

Unter lauten Rufen „Wessen Uni? Unsere Uni!“ und „Lasst uns Rein!“ erkämpften sich die StudentInnen, die sich zu einer Kundgebung vor der TU zusammengefunden hatten, den Zugang zum Festsaal. Die Sicherheitskräfte mussten sich geschlagen geben, der Saal war besetzt.

Als die Polizei kurz darauf eintraf, wurde niemand mehr in den Festsaal gelassen, auch Essen wurde nicht durchgelassen und sogar die Notausgänge wurden abgesperrt. Um aufs Klo zu gehen brauchte man Tickets, und während der gesamten Zeit störte die Polizei die Diskussionen im Festsaal. Das Ziel war es, die Besetzer von der Außenwelt zu isolieren und einzuschüchtern.

Bei der Räumung ging die Polizei gegen die grundsätzlich friedlichen Besetzer, mit ihren üblichen Methoden vor. Den Leuten wurden die Arme verdreht und es existiert ein Foto von einem Sicherheitsbeamten der TU (!), der eine Aktivistin bei der Räumung am Hals packt. Der erste, den die Polizei aus dem Gebäude trug, wurde unten auf den Asphalt geschmissen. Die Menge aus StudentInnen und SympatisantInnen, die sich vorm Eingang gesammelt hatte, reagierte einstimmig mit Rufen „Wessen Uni? Unsere Uni!“, „Ganz Wien hasst die Polizei!“ und „Hoch die Internationale Solidarität!“, was sichtlich Eindruck machte. Die anderen Besetzer wurden in Folge sehr sanft auf den Boden gelegt.

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Während die Universitätsrektorin Sabine Seidler noch um 13:19 verkündet hatte: „Universitäten sind Orte der freien Meinungsäußerung“, wurde um ca 15:30, gleich zu Beginn der Besetzung, die Polizei vom Rektorat gerufen, die sonst das Gebäude gar nicht betreten hätte dürfen. Um 22:30 räumte diese dann den Saal. Das zeigt, wie weit es mit dieser „freien Meinungsäußerung“ her ist. Der Grund: die Bewegung hätte sich nicht der „richtigen Mittel“ bedient. Wenn man sich ansieht, wie lange es die Forderungen schon gibt, wobei die Missstände sich nur noch weiter verschlimmert haben, dann wird klar, dass nicht die Wahl der Mittel das Problem war.

Die Bewegung „uns reichts“ gründete sich eigentlich um die Forderung nach Lernräumen. In diesem Zusammenhang wurde das Cafe „Nelsons“ von den StudentInnen besetzt, wie die „AfA“ bereits berichtete. Inzwischen sind aber immer mehr Forderungen dazugekommen, von denen ein großer Teil von der Studentenbewegung „unibrennt“ übernommen wurde, die vor 10 Jahren die Unis in Österreich besetzte. Auslöser waren damals die Reformen von Bologna. Diese Forderungen, wie der freie Hochschulzugang und die Abschaffung von Studiengebühren, oder die Anhebung des Budgets für das Bildungswesen, das zeigt die jetzt Besetzung, sind für die Studierenden immer noch Brand aktuell. Wenn Forderungen 10 Jahre liegen bleiben, zeigt das sehr gut, dass es nicht im Interesse der Herrschenden ist sie umzusetzen. Es liegt dann im Interesse der Betroffenen sie durchzusetzen.

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Ein gutes Beispiel, wer von den Unterfinanzierung und dem Ausbluten der Universitäten tatsächlich profitiert, gab die Gruppe „STUGERU, StudentInnen gegen Rüstungsforschung“. Sie berichteten über das „Glock Research Lab für nachhaltige, emissionsarme Energie- und Mobilitätssysteme“, das von der TU in Zusammenarbeit mit der Glock Privatsiftung gegründet wird. Es zeigt wie ein Waffenunternehmen, welches gerne auch an Politiker spendet, sich an der Uni einkauft. Die Angriffe auf das Bildungswesen sind die gegen die absolute Mehrheit der Bevölkerung gerichtet, eine kleine privilegierte Minderheit profitiert aber durchaus davon.

Während den Protesten wurde sehr lebhaft diskutiert. Einig war man sich in dem Punkt, dass die Besetzung ein Sieg war, denn sie hatte um die hundert StudentInnen mobilisiert, die tatkräftig ihr Meinungen kundtaten. Die Korrespondenten der „AfA“ sprachen mit vielen Studierenden was sie dazu gebracht hat bei der Besetzung tatkräftig mitzumachen:

Ich glaube, das ist etwas, das alle Unis Europas betrifft, die Neoliberalisierung. Damit meine ich alle Veränderungen, die es mit dem Bologna-Beschlüssen gegeben hat. Deshalb bin ich hier, weil ich für freie Bildung kämpfen möchte.“

Es ist denke ich sehr wichtig, dass so viele Studies wie möglich von diesen Protesten erfahren. Denn unser Protest betrifft sie auch und wir müssen ihnen sagen, worum es dabei geht.“

Was wirklich unerwartet war, war wie schnell die Polizei da war, und wie sie alles was wir getan haben kontrolliert haben. Selbst das Aufs Klo gehen war bürokratisiert.“

Es waren auch viele der Beteiligten nicht nicht besonders froh, dass die Vertreter der bürgerlichen Parteien und die Appelle an sie so prominent in sämtlichen Berichten der Besetzung vorkamen, während die Forderungen und die Realität des Unilebens weitgehend unterging.

Das Potential der Bewegung liegt in der Masse der StudentInnen und der Bevölkerung generell, denen klar ist, dass man sich gegen solche Angriffe wehren muss. Für die gibt es gute Neuigkeiten: Weitere Besetzungen sind angekündigt!

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