KV-Verhandlungen im Handel: Jubel für Großkonzerne

Folgender Artikel zu den letzte Woche abgeschlossenen KV-Verhandlungen im Handel ist ein kleiner Vorgeschmack auf die in Kürze auch online zugängliche neue Nummer der „AfA“:

„Sehr zufrieden“ geben sich die Vertreter der Handelsriesen nach dem Abschluss der KV-Verhandlungen im Handel. Und das nicht umsonst, wurde sich doch auf eine „Lohnerhöhung“ von 2,3% geeinigt. Zynischerweise zeigt sich aber auch die Gewerkschaft „zufrieden“ mit dem Ergebnis, obwohl sie ursprünglich 4,4% Lohnerhöhung forderten, 130 Euro plus für Lehrlinge und drei zusätzliche Urlaubstage. Das schlussendliche Ergebnis ist nicht nur gefühlt eine riesige Sauerei, sondern bedeutet in Wahrheit Lohnverlust und weitere Verschlechterungen für die ArbeiterInnen und Angestellten im Handel, wo die Arbeitsbedingungen sowieso schon katastrophal sind.

Gelobt wird der Abschluss, da er ja angeblich „weit“ über der offiziellen Inflationsrate von 1,5%* liegen würde. „Gefühlt“ kann das nicht stimmen, denkt man sich. Tatsächlich zählt zur Berechnung der Inflationsrate das Luxusgut das sich eine normale Handelsangestellte niemals leisten könnte, ebenso wie ein Produkt des täglichen Verbrauchs. Da es aber um einen „Mittelwert“ geht, wird das Ergebnis so weit verfälscht, dass die Inflationsrate der Dinge die man zum Leben braucht „bereinigt“ wird, durch jene die man sich alle paar Jahre kaufen muss. Ganz Nebenbei ist die derzeitige Inflationsrate gerade so niedrig weil die Spritpreise nicht angestiegen sind. Gleichzeitig sind aber Produkte des „täglichen Lebens“ wie Miete, Lebensmittel usw. teilweise über das drei,- oder vierfache der offiziellen Inflationsrate gestiegen. Würde man die Teuerungsrate also daraus berechnen was eine durchschnittliche Verkäuferin beim Spar zum Leben braucht, ist sogar die Forderung nach 4,4% Lohnerhöhung der Gewerkschaft noch ein Lohnverlust! Ganz zu schweigen von den 2,3% die „für uns ausgehandelt wurden“!

So wie mit der Trickserei bei der Berechnung der Inflationsrate wird auch mit den Urlaubstagen umgegangen. Die zusätzlichen Urlaubstage, für die sich nun die Chefetage der Gewerkschaft selbst rühmt bekommen nur jene Handelsmitarbeiter die schon über 10 Jahre im Unternehmen sind! Und wie viele sind das heute noch, wenn eine durchschnittliche Betriebszugehörigkeit im Handel heutzutage bei ca. 4-6 Jahren liegt? Solche „Verhandlungserfolge“ sind nichts anderes als Verarschung!

Kein Wunder also, dass bei dem realen Verlust von Lohn die Unternehmer immer mehr profitieren. Alleine im Jahr 2018 haben die Handelsriesen 565 Millionen an Profit gemacht. Die Zunehmende Armut macht die Chefetage von Spar, Billa, XXXLutz usw. zu Millionären und ganz in diesem Sinne freuen sie sich auch über das Ergebnis der diesjährigen KV-Verhandlungen.

Ganz offensichtlich ist, dass das „Gefühl“ richtig liegt, dass dieser Abschluss nicht im Sinne der ArbeiterInnen und Angestellten ist. Und wenn wir uns ehrlich sind, hat die absolute Mehrheit der Beschäftigten im Handel dieses „Gefühl“! Lassen wir uns nicht weiter verarschen und verunsichern und wehren wir uns gegen diesen lächerlichen KV-Abschluss. Er zeigt uns nur ein weiteres Mal dass wir uns selbst auf die Füße stellen müssen damit wir nicht noch weiter über den Tisch gezogen werden!

Nadja P.

*Stand Oktober 2019

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