Korrespondenz: Erfolgreicher Infoabend

KORRESPONDENZ

Im Folgenden veröffentlichen wir eine Korrespondenz über einen erfolgreichen Infoabend, welche wir von Aktivisten aus Linz zugeschickt bekommen haben. Es wurde über die Kämpfe der Arbeiterinnen im Pflege- und Gesundheitsbereich in Bulgarien berichtet (siehe Artikel: Beispielhafter entschlossener Kampf) und über die Lage in Österreich diskutiert:

In Bulgarien, wie in Österreich: Gegen Ausbeutung, Korruption und für eine Gesundheitssystem im Dienste des Volkes!

„Unsere Erhebung, dass wir kämpfen, das ist echte Emanzipation. Das ist ein internationaler Kampf, daher ist es auch unser Plan uns international zu organisieren.“, so eine der Organisatorinnen der Kämpfe der Krankenschwestern in Bulgarien. Als Rotes Frauenkomitee Linz unterstützen wir die gerechtfertigten Kämpfe in Bulgarien! Wir organisierten vergangene Woche, gemeinsam mit einzelnen Aktivisten und Pflegerinnen einen Infoabend, wo wir einerseits über die Lage in Bulgarien, anderseits aber auch über die Lage in Österreich diskutierten.

Es beteiligten sich Arbeiterinnen aus dem Pflege- und Gesundheitsbereich, Arbeiter aus anderen Branchen, sowie Schüler, welche gemeinsam ihre Solidarität mit den Kämpfen in Bulgarien ausdrückten!

Es wurde viel diskutiert und besonders hervorgehoben, dass die kämpfenden Krankenschwestern in Bulgarien vor allem ein gutes Beispiel dafür sind, keine Illusion in die offiziellen (durch und durch korrumpierten) Gewerkschaften und in die Versprechen der Herrschenden zu haben. Sie zeigen, was es heißt, auf die eigene Kraft zu vertrauen. Auch die aktuelle Entwicklung in Bulgarien zeigt, dass die Krankenschwestern standhaft bleiben: Am 16. Oktober besetzten sie kurzzeitig das Gesundheitsministerium und blockierten die Zufahrt, nachdem bei den Verhandlungen wieder einmal keine Lösung in Sicht war. Sie ließen sich nicht mit kleinen Zugeständnissen abspeisen, sondern verkündeten noch aus dem Gesundheitsministerium heraus: „Unser Treffen (…) ist vorbei, aber wir medizinische Spezialisten weigern uns, diese Institution zu verlassen, weil sie für die Situation verantwortlich ist, in der sich die Gesundheitsversorgung gerade befindet! Wir sagen, dass wir dort bleiben werden, bis die echte Lösung für die Probleme beginnt, egal wie lange es ist!“

Doch nicht nur die Kämpfe in Bulgarien waren Thema, auch der Zustand und die Arbeitsbedingungen im Gesundheits- und Pflegebereich in Österreich, als ein Thema, das nicht „nur“ die Arbeiterinnen und Arbeiter in diesem Bereich betrifft, sondern den aller größten Teil der Bevölkerung: Die Wartezeiten werden immer länger, notwendige medizinische Leistungen werden nicht mehr bezahlt, Patienten müssen zusätzlich zu Steuern und Versicherung oft sehr tief in die eigene Tasche greifen. Für jene die in dem Bereich arbeiten, steht besonders der Personalmangel im Vordergrund. Fällt jemand aus, werden diese oft nicht nachbesetzt, immer mehr Patienten fallen auf eine Pflegekraft, der Pflegeschlüssel wird gezielt zugunsten von Kürzungen geändert.

Eine Pflegerin begann über ihren Arbeitsalltag zu reden damit, dass sie die Runde fragte: „Wie lange braucht ihr in der Früh für die tägliche Hygiene? Duschen, Zähneputzen, Frisieren, vielleicht Schminken, Eincremen…“. Dann führte sie aus: „Stellt euch vor, bei uns hat eine Krankenschwester teilweise 12 Patienten in der Früh, wobei etwa fünf dabei sind, die sich gar nicht rühren können.“ In vielen Krankenhäusern, Altenheimen, einzelnen Stationen (besonders im Bereich der psychiatrischen Langzeitbetreuung) sei die Situation bereits „kriminell“. Einerseits weil mit zu wenig Personal die Betreuung nicht gewährleistet werden kann und andererseits weil sich die Pflegerinnen und Pfleger oft strafbar machen, da sie Tätigkeiten übernehmen, die nicht in ihren Bereich fallen, sie dafür keine Ausbildung haben. Wo sich die Pflegerinnen einig waren: Zu viele sind bereits überarbeitet, müde und ausgebrannt!

Mehr Personal im Pflege- und Gesundheitsbereich und Anhebung des Pflegeschlüssels!

Außerdem berichteten Aktivisten, welche Flugblätter vor Krankenhäuser in Linz verteilten, dass es eine große Solidarität von den Patienten gibt. Denn jeder weiß, geht es dem Pflegepersonal schlecht und gibt es Personalmangel, geht es auch uns als Patienten schlecht!

Am Ende der Diskussion war klar: Es braucht einen gemeinsamen, einheitlichen Kampf um sich gegen die derzeitigen Zustände im Pflege- und Gesundheitsbereich, für eine Gesundheitssystems im Dienste des Volkes, selbständig und unabhängig zu organisieren!

Solidarität mit den kämpfenden Krankenschwestern in Bulgarien!

Tut es ihnen gleich: Wehrt euch und kämpft!

Der Kampf für ein Gesundheitssystem im Dienste des Volkes ist gerechtfertigt!

 

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