Der Urlaub in der Klimakrise.

Im Folgenden ein Artikel aus unserer neuen Nummer der „AfA“. Wie in der Print-Version angekündigt findet ihr nach dem Artikel alle Quellen die dafür verwendet wurden.

Der Urlaub in der Klimakrise.
Vom CO
2 Ausstoß bis hin zum Massentourismus: Warum die Herrschenden uns vorgaukeln, dass nur unser individueller Konsum zum Klimawandel beiträgt, nicht aber die mächtigen Konzerne.

Die, die in den Urlaub fliegen, sind die größten Umweltsünder. Diese Aussage ist derzeit ziemlich präsent: In Gesprächen, auf Social Media, in vielen „linken“ (oder wirtschaftsliberalen) Kreisen. Flugzeuge wären eine der größten Klimasünder überhaupt, da sie u. a. große Mengen an CO2 produzieren – dieses freigesetzte CO2 trägt eine beachtliche Schuld am Klimawandel. Die logische Folgerung daraus: Nicht mehr mit dem Flugzeug fliegen. Aber auch: Kein Fleisch mehr essen. Keine Produkte mit Palmöl mehr kaufen. Nachhaltigere Kleidung kaufen. Diese Lösungen scheinen auf den ersten Blick logisch zu sein, sieht man aber hinter die Fassade dieser Maßnahmen, wird man feststellen, dass eine individuelle Entscheidung keine ökologischen und sozialen Gegebenheiten beeinflussen kann.

Elisabeth Köstinger, Ex-Ministerin für Tourismus und Nachhaltigkeit hat sich vor kurzem positiv zu den österreichischen Klimazielen geäußert. 2018 ist der CO2-Ausstoß in Österreich um 3,8% im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Der Grund für diese Senkung ist aber in den bürgerlichen Massenmedien nicht aufzufinden: Ein Hochofen der voest alpine war nicht im Betrieb. Dieser Hochofen, der für die voest 2/3 der Roheisenmenge produzierte, war wegen Sanierungen für 111 Tage geschlossen.

Erzeugt man eine Tonne Roheisen bzw. Rohstahl, werden dafür knapp zwei Tonnen Co2 freigesetzt. In Österreich wurden im Jahr 2018 5,3 Mio. Tonnen Roheisen und 6,9 Mio Tonnen Rohstahl produziert. Damit liegt Österreich im weltweiten Ranking auf Platz 23. Unangefochtene Platz Nr. 1 ist China, das 9x mehr Roheisen und -stahl produziert als der zweite Platz, Indien.

Im Bericht des österreichischen Umweltbundesamt von 2016 sind folgende Sektoren dargestellt, die die meisten Treibausgasemissionen* produzieren:

Treibhaus_Aut

* wenn von CO2 die Rede ist, dann sind meistens mehrere Gase, die sogenannten Treibhausgase gemeint. Alle dieser Gase sind mitverantwortlich für die Klimaerwärmung. CO2 hat in der Gruppe der Treibhausgase den größten Anteil.
Schaut man sich die Treibhausgas Emissionen weltweit an, so kommt man zu folgendem Bild:

treibhaus_int

In Österreich wurden 2,6 Millionen Tonnen CO2 durch den Flugverkehr verursacht (deutlich mehr als noch im Vorjahr). Aber: 24,4 Millionen Tonnen CO2 verursachte nur die Herstellung von Eisen und Stahl.
Weltweit gesehen ist der Flugverkehr an 2% der CO2-Freisetzung beteiligt.
Schaut man sich nun beispielsweise den Flugverkehr in Deutschland an, so sieht man, dass 16% aller Reisenden auf Geschäftsreise sind und diese Reise nicht aus privaten Gründen durchführt.

Würde also niemand mehr von uns privat fliegen, würden noch immer Geschäftsreisende mittels Flugzeugs von A nach B transportiert werden (auf Kurz- und Langstreckenflügen). Es würde, weltweit gesehen, auch kaum bemerkbare Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß haben. Der Tourismus würde in sehr vielen Teilen der Welt komplett zurückgedrängt und sicherlich teilweise auch aussterben. Anhand von zwei Beispielen, Mallorca und Bali, wird klar, was damit gemeint ist:

Mallorca ist eine spanische (katalanische) Insel mit 8800.000 Einwohnern und 13,8 Millionen Touristen (2018). Von diesen Touristen kommen die meisten aus Deutschland (4,9 Mio), gefolgt vom spanischen Festland (3,5 Mio). Die Einnahmen aus dieser Sparte belaufen sich auf 12 Mrd Euro pro Jahr. Es gibt 440.000 gemeldete Betten in Hotelanlagen (Ferienhäuser, Campingplätze, Apartments, AirbNb sind hier nicht miteinberechnet). Darf man dem deutschen Radio auf Mallorca glauben, so waren es zu Spitzenzeiten 1.500 Starts und Landungen am Flughafen Palma pro Tag.

tourist

Das bringt Probleme mit sich: der Umwelteinfluss auf Strand und Grünflächen, Luftverschmutzung, Lärmbelästigung, Verteuerung der urbanen Räume, Engpässe mit der Wasserversorgung, ein Mangel an gewöhnlichem Wohnraum, schlechte Arbeitsbedingungen für Einheimische sowie die Zerstörung der traditionellen Wirtschaftszweige und Anlage von ausländischen Kapital (Kauf von Landflächen, Gewerbeflächen, Bau von Einkaufszentren, Hotelanlage etc). Katalanische Aktivisten und andere Teile der Bevölkerung machen seit langem auf diese Missstände aufmerksam. Mit Demonstrationen, Aktionen auf Strandabschnitten und Graffiti machen sie ihren Unmut breit. Erst im August 2019 zerstörte eine Aktivistengruppe einen Teil der Mietautos in Palma und erstellten ein Video mit der Botschaft, dass pro Jahr 100.000 Mietautos auf den mallorquinischen Straßen unterwegs sind. (https://youtube/6PcfFZCTCjM).

Jimbaran-Regenzeit-1

Ähnliche Probleme weist Bali auf. Seit 1970 wird die Insel immer beliebter, einige Filme haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, dass die Insel immer mehr im Massentourismus versinkt. Bali hat 4,2 Mio Einwohner und hatte im Jahr 2016 4,4 Mio Touristen. Diese Masse an Touristen haben verheerende Auswirkungen auf die Insel: Der Verkehr, die Wasser- und Stromversorgung und die Infrastruktur sind nicht ausgerichtet für so viele Leute. Daraus resultierend: ein massives Müllproblem, ein Verkehrschaos, der eine Giftwolke mit sich zieht und gesundheitliche Folgen der einheimischen Bevölkerung. Vor allem der viele Müll macht Bali zu schaffen.
Bali (als eine indonesische Insel) als Teil eines unterdrückten Landes, welches durch imperialistische Länder unterdrückt und ausgebeutet wird und Mallorca, eine Insel, die zu einem imperialistischen Land gehört haben zwei komplett verschiedene Ausgangssituationen.

Aber eines hat Bali mit Mallorca gemeinsam: Durch die Zerstörung der ursprünglichen Wirtschaftszweige und Fokussierung auf die Einnahmen durch den Tourismus sind sie abhängiger geworden als je zu vor – abhängig von den Touristenmassen, der auf die Insel kommen. Die komplette Ausrichtung der Wirtschaft auf den Tourismus und das Aussterben desselben würde einen totalen Einbruch der Einnahmen bedeuten. Keine Einnahmen bedeutet kein Geld für die Bevölkerung. Kein Geld für Hotel- und Restaurantbetreiber. Und kein Geld für deren Mitarbeiter. Das wiederrum würde zu einer enormen Armut in der Bevölkerung führen – sowohl für die Balinesen, deren Lebensstandard zwar ein ganz anderer ist, aber auch für die mallorquinische Bevölkerung.

Was also kann die Lösung dafür sein?
Boykott von Flügen? Boykott von überlaufenen Touristenzielen?

Wir leben nicht in einer Gesellschaft, die man nicht losgelöst von jeglichen sozialen und ökologischen Verhältnissen betrachten kann. Wir leben in einem kapitalistischen und imperialistischen System. Das Konsumverhalten von einzelnen beeinflusst kein ganzes Weltsystem. In einem imperialistischen Staat ist die Propaganda des Individualismus eine Methode zur Spaltung, da sie die sogenannten „Rechte und Pflichten“ eines Einzelnen massiv hervorhebt, während die Kraft des Kollektivs völlig zurückgedrängt und unter den Teppich gekehrt wird. Zu behaupten, Entscheidungen einzelner Individuen können über die Geschichte der Welt bestimmen, verleugnet jegliche materielle Basis wie etwa die der Verflechtungen von sozialen, politischen und ökonomischen Gegebenheiten mit der Gesellschaft und deren gespiegelten Einflüsse auf die Entscheidungskraft jeder einzelnen Person.

Solange das Problem nicht an der Wurzel gepackt wird und solange nicht allen von uns klar ist, dass das ausbeuterische kapitalistische und imperialistische System die Fäden in der Hand hält, und nicht der Hansi aus Salzburg, wird dieser Teufelskreis, in dem sich ökonomischen Verhältnisse und somit parallel dazu die „Klimakrise“ verschärfen, nicht durchbrochen werden.

Lassen wir uns nicht unterkriegen!
Bieten wird dem kapitalistischen und imperialistischen System die Stirn und organisieren wir uns!
Nieder mit dem Kapitalismus und Imperialismus!
Hoch die internationale Solidarität!
Den proletarischen Internationalismus immer an die erste Stelle setzen!

7 ORF Science, Juli 2019, https://science.orf.at/stories/2988476/

9 ORF Science, Juli 2019, https://science.orf.at/stories/2988476/

 

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