Bulgarien: Beispielhafter entschlossener Kampf der Krankenschwestern!

Die Krankenschwestern in Bulgarien wehren sich und kämpfen! Sie führen seit etwas mehr als einem halben Jahr einen entschlossenen Kampf gegen Ausbeutung, Korruption und für ein Gesundheitssystem im Dienste des Volkes! Sie sind entschlossen, mutig und zeigen, was es heißt Vertrauen in die eigene Kraft zu haben, ohne Illusionen in die bürgerlichen Parteien und ihre faulen Zugeständnisse und Versprechen. Die Entwicklung ihres Kampfes ist ein wichtiges Beispiel international, besonders auch für den Kampf der Arbeiterinnen. So die bulgarischen Krankenschwestern: „Überall in der Welt sind Krankenschwestern frustriert und es ist eine typische Profession von Frauen. Unsere Erhebung, dass wir kämpfen, das ist echte Emanzipation.“

Im Folgenden veröffentlichen wir, in eigener Übersetzung, einen gelungenen Artikel der Nachrichtenseite Newepoch.media über die Kämpfe der Krankenschwestern in Bulgarien:

Beispielhafter entschlossener Kampf der Krankenschwestern!

Zum bereits vierten Mal in diesem Jahr gingen die Krankenschwestern Bulgariens auf die Straße um für ihre gerechtfertigten Anliegen zu demonstrieren. Die entschlossenen und mutigen Krankenschwestern kämpfen seit über einem halben Jahr für die dringend gebrauchten Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen, darüber hinaus kämpfen sie für eine notwendige Veränderung des Gesundheitssystems, welches im Dienst der Bevölkerung stehen muss! Von Beginn an wurde der Protest der Krankenschwestern durch die herrschenden Parteien, die offiziellen Medien, sowie die etablierten Gewerkschaften boykottiert, sabotiert und angegriffen. Die Krankenschwestern blieben standhaft, zeigten große Entschlossenheit und organisierten sich selbst, um für ihre Interessen zu kämpfen!

Vergangene Woche, am Mittwoch den 11. September kamen erneut aus ganz Bulgarien Krankenschwestern, medizinisches Personal, sowie Unterstützer nach Sofia, um gegen katastrophale Zustände im Gesundheitssystem zu demonstrieren. Es fehlt massiv an Pflegepersonal, die Löhne reichen nicht aus um eine Arbeiterin und ihre Familien zu versorgen, durch Korruption und den Ausverkauf an ausländische Unternehmen profitieren einige wenige auf Kosten der bulgarischen Bevölkerung! „Dieses Gesundheitssystem ist für die ganze Bevölkerung eine Katastrophe. Wir werden diesen Kampf fortführen, weil wir überzeugt sind, dass wir keine andere Wahl haben.“, so eine kämpferische Krankenschwester.

Die Proteste starteten am 1. März dieses Jahres, mit Demonstrationen und Aktionen in bereits 30 Städten Bulgariens. Initiiert wurde dieser Proteste über ein wütendes Statement in den Sozialen Medien und es begann sich rasch eine Gruppe zu organisieren. „Es ging alles sehr schnell. Niemand wusste irgendwas und von den Organisationen und Gewerkschaften gab es keine Unterstützung, sie boykottierten uns.“ So eine der Organisatorinnen. „Zu beginn haben sie versucht uns zu erklären, es sei illegal ohne Gewerkschaft zu demonstrieren und wollten uns keine Demonstration anmelden lassen. Eine von uns hat dann für alle das Formular besorgt und ausgefüllt, danach machten sie es selbstDie Krankenschwestern organisierten eine zweite Demonstration am 25. März. Die Bewegung wuchs an, weitere Sektoren des Gesundheitsbereiches schlossen sich an, dieses mal gab es 49 Demonstrationen in ganz Bulgarien. Eine Krankenschwester berichtete von einer Kollegin, die alleine 154 Krankenschwestern für einen Warnstreik organisierte.

Es arbeiten etwa 30.000 Krankenschwestern in Bulgarien, wobei es doppelt so viel, tatsächlich 60.000 brauchen würde. Eine Krankenschwester muss derzeit 30 bis 40 Patienten pflegen, auch jene die intensive Betreuung brauchen. „Da ist es unmöglich eine Qualität zu sehen. Eine Krankenschwester arbeitet für drei, bekommt aber nur den halben Lohn“, so eine Demonstrantin. „Es ist nicht genug um unsere Familien zu versorgen, daher haben viele auch zwei oder drei Jobs“. Der Lohn beträgt etwas mehr als 400 Leva, was in etwa 200 Euro entspricht.

Wie dramatisch der Zustand ist, zeigt auch, dass 80% (!) der arbeitenden Krankenschwester bereits Pensionisten sind. Das durchschnittliche Alter beträgt 53, es gibt selbst noch einige wenige praktizierende Krankenschwestern im Alter von 80 Jahren! Eine der Organisatorinnen zeigt ein Video her auf dem eine alte Frau zu sehen ist, die mit Hilfe eines Stockes ein Krankenhaus betritt. Ein ganz normales Bild, würde man meinen: ein Patient am Weg zur Behandlung. Aber „das ist meine Arbeitskollegin“, waren die Worte der Aktivistin! Viele Kollegen sind überarbeitet und krank. Oft sind sie kränker als die Patienten. Nach einer 24 Stunden Schicht fragen uns die Patienten schon, ob wir Wasser brauchen.“

Es ist ein großes Problem, dass es keine jungen Kolleginnen gibt. Innerhalb der letzten 20 Jahren sind etwa 30.000 Krankenschwestern ins Ausland gegangen um dort zu arbeiten. Selbst in einem großen öffentlichen Krankenhaus gibt es die Situation, dass es dort nur eine junge Krankenschwester gibt. „Weil die Löhne so niedrig sind, gehen die jungen Kollegen, sobald sie mit der Ausbildung fertig sind, ins Ausland. Niemand bleibt in Bulgarien.“ Die meisten, so die Krankenschwester weiter, gingen nach Deutschland und Großbritannien.

Ein weiteres Problem ist die Korruption und Privatisierung. Viel Geld landet in privaten Taschen, von Ärzten und ausländischen Investoren. Alleine innerhalb von sieben Jahren in den 2000er, wurden in Bulgarien 40 private Krankenhäuser errichtet. Ein Aktivist auf der Demonstration berichtet beispielsweise von japanischen Banken, die Kliniken als privates Unternehmen betreiben um Profit aus der Bevölkerung Bulgariens herauszuschlagen. Genauso tun dies westeuropäische Pharmakonzerne, oder spricht die Tatsache Bände, dass hunderttausende ausgebildeter bulgarischer Krankenschwestern in den imperialistischen Ländern als Hilfskräfte oder Heimpflegerinnen ausgebeutet werden.

Es ist ausländisches, imperialistisches Kapital, welches den Boden für Korruption und Privatisierungen schuf und nun davon profitiert. Während dem Volk durch Steuern, Versicherungen und noch einmal durch 50% (!) Selbstbeteiligung bei medizinischen Leistungen, der ohnehin geringe Lohn aus den Taschen gezogen wird, füllt sich der Geldbeutel ausländischer Ausbeuter und ihrer Günstlingen. Viele Krankenschwestern, die sich als Jugendliche 1990 an Protesten für eine Öffnung zum Westen beteiligten, sehen das heute als großen Fehler. Damit wurde der Ausverkauf ihres Landes nicht nur beschleunigt, sondern schrankenlos auch für das westliche imperialistische Kapital geöffnet, die Eigenständigkeit und Selbstbestimmtheit Bulgariens weiter verkauft.

Die Krankenschwestern gingen im Frühjahr 2019 mit ihren Forderungen zum Ministerium für Gesundheit, sagten was die Lage in den Krankenhäusern ist. Sie konfrontierten die Minister damit, dass viele Krankenhäuser Geld bekommen, beispielsweise für Stationen, die es manchmal gar nicht gibt, für Patienten die vor Tagen nach Hause geschickt wurden, das Geld aber in privaten Taschen lande. Es herrschte Stille.

Wenig später wurde über die Krankenschwestern gelästert. Es seien „hysterische Frauen“ und es wurde über sie gesprochen als seien sie das Letzte in der Gesellschaft. Nach wie vor hielten sich die offiziellen Gewerkschaften aus den Kämpfen heraus und versuchten diese zu sabotieren. Kolleginnen wurden gekündigt, mit dem Segen der Gewerkschaft. Sie zeigten in diesen Kämpfen einmal mehr ihr wirkliches Gesicht: dreckige Diener der Ausbeuter, die den Interessen der Herrschenden näher sind, als jenen der Arbeiter und des Volkes!

Am 15. Mai organisierten die Krankenschwestern eine landesweite Demonstration in Sofia. 2.500 Leute beteiligten sich. „Es war ein sehr emotionaler Protest. Mit Regen, Sonne, dann wieder Regen… aber die Frauen waren entschlossen. Es wurde eine große Kreuzung blockiert und die Polizei konnte uns nicht aufhalten. All diese Frauen organisierten, obwohl sie einen wirklich niedrigen Lohn haben, Busse usw., teilweise über Distanzen von 500 km, um zum Protest nach Sofia zu kommen.“

Nach diesem Protest kündigte der Gesundheitsminister an, 50 Millionen Leva extra für die Krankenhäuser auszugeben. Auch berichteten die bürgerlichen Medien darüber, dass die Krankenschwester nun den doppelten Lohn bekämen. Das erfuhren auch die Krankenschwestern über die Medien. Es stellte sich als Lüge heraus! Als faule Lüge der Herrschenden, um den gerechtfertigten Kampf der Krankenschwestern in der Öffentlichkeit seine weitere Legitimation zu nehmen.

Viele Bulgaren sind arm, sie versuchen zu überleben. Die Leute sympathisieren zwar mit unserem Kampf, aber sie machen nichts, sie geben uns keine Unterstützung“, charakterisiert eine Aktivistin ein Problem der breiten Mobilisierung. „Daher rufen wir: Wir kämpfen für euch!“ Bei der vergangenen Demonstration am 11. September schlossen sich einige Leute auch spontan der Demonstration an, andere applaudierten vom Straßenrad.

Auch wenn die Forderungen noch nicht durchgesetzt sind, hat der Protest der Krankenschwestern bisher schon wichtige Siege errungen: „Die Krankenschwestern wurden in der Öffentlichkeit bekannt, davor existierten sie nicht, nur die Doktoren. Die Krankenschwestern wurden immer hinuntergedrückt. Jetzt haben sie eine Stimme, jetzt haben sie sich erhoben. Es sind jetzt nicht mehr nur Frauen die sich unterwerfen. Das wurde nicht von uns erwartet, alle waren überrascht. Jetzt haben wir eine Würde, sie haben uns als ernstzunehmend anerkannt und gedroht, dass wir gekündigt werden.“ Außerdem betonten die Organisatorinnen des Protests: „Überall in der Welt sind Krankenschwestern frustriert und es ist eine typische Profession von Frauen. Unsere Erhebung, dass wir kämpfen, das ist echte Emanzipation. Das ist ein internationaler Kampf, daher ist es auch unser Plan uns international zu organisieren.“

Die nun schon vierte Demonstration vergangene Woche, mag zahlenmäßig kleiner ausgefallen sein, als die letzte im Mai, doch zeigte sie eine neue Qualität. Die Krankenschwestern blieben nicht isoliert, sie wurden kräftig unterstützt durch die Autonome Arbeiter Föderation Sofia und Varna, durch Arbeiter von Neochim in Dimitrovgrad, einer unabhängigen Gewerkschaft von Sanitätern, vielen Arbeitern aus anderen Sektoren, teilweise von Ärzten und Medizinstudenten, sowie von Patienten! Die Krankenschwestern zeigten außerdem, dass sie weder Illusionen in die herrschenden Parteien haben, noch in die verfaulte, offizielle Gewerkschaftsorganisation CITUB. „CITUB arbeitet seit Jahren gegen die Arbeiter im Dienste der Herrschenden. Krankenschwestern sind nicht die ersten Arbeiter, die sie zu vernichten versuchen, aber wir werden sie begraben. Es ist vorbei mit ihnen und ihrer gefälschten Organisation!“, war eine Kampfansage vor dem Gebäude der CITUB Gewerkschaft.

Mit dem vergangenen Protest wurde erfolgreich begonnen, ein starkes Band zu knüpfen, zwischen den kämpferischen Krankenschwestern, kämpferischen und unabhängigen Gewerkschaften und Arbeitern andere Sektoren, sowie der revolutionären und antiimperialistischen Bewegung, welche notwendiger weise eine wichtige Rolle spielen muss in diesen Kämpfen! Das bedeutet eine wichtige Stärkung des Protestes, was durch alle Demonstranten, aber besonders durch die Entschlossenheit der Krankenschwestern ausgedrückt wurde. Sie zeigen keine Angst, sondern gehen nach vorne und sind sich einig, dass es ihr größter Fehler war, sich erst jetzt zu wehren und zu kämpfen!

Wir werden diesen Kampf fortführen, weil wir überzeugt sind, dass wir keine andere Wahl haben.“

 

 

2 Antworten zu “Bulgarien: Beispielhafter entschlossener Kampf der Krankenschwestern!

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