„Dopingskandal“: Wer macht den Sport kaputt?

Bei dem neuen „Dopingskandal“, bei dem die Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf wegen Eigenblutdopings beschuldigt wurden, überschlagen sich die Medien. Der „Skandal“ habe ein „Erdbeben ausgelöst“ und es wird befürchtet, dass er weitere Kreise ziehen wird.

In kaum einem anderen Land hätte ein Dopingskandal so eingeschlagen wie in Österreich, geht es doch um „unseren Wintersport“ in der „Alpinsport-Nation“ und das noch dazu „Zuhause“ in Seefeld. Da geht es natürlich um mehr „als um Sport“ – um Image, Tourismus, Einschaltquoten, ÖSV, usw… Der Wintersport hat in Österreich mehr Fans als der Fußball, die Einschaltquoten bei Skirennen sind beispielsweise um ein Vielfaches höher als bei Rapid-Fußballspielen. Knappe zwei Millionen Zuseher haben die Rennen teilweise alleine beim ORF. Ganz zu schweigen von den Leuten, die direkt hinfahren, um sich die Rennen anzuschauen, bei der aktuellen Ski-WM in Seefeld waren es 200.000. Es gibt also ein großes wirtschaftliches Interesse daran, dass die Sportler der „Alpinsport-Nation“ Österreich auch ihre dementsprechenden Leistungen bringen: es braucht Medaillen und dementsprechende Gewinne, für den Tourismus, die Sponsoren usw… kurz gesagt für das Kapital, das hohen Profit aus der ganzen Skisportindustrie macht!

Dementsprechend lastet ein enormer Druck auf den Sportlern. Jeder zehnte Leistungssportler, so eine Studie (1), hat einen psychischen Zusammenbruch. Auch viele ehemalige Spitzensportler meldeten sich in den letzten Jahren zu Wort und kritisierten den heutigen Leistungssport. Im Spitzenfeld geht es nur mehr um Hundertstel, vom Material her ist kaum mehr was herauszuholen – was bleibt also übrig? Zufall? Glück? Nein, der Sportler muss eben auch das Unmögliche aus sich herausholen und wenn es sein muss, auch mit Grippe ein Rennen gewinnen. Im Leistungssport (vor allem je mehr es auf die Kondition im Vergleich zur Kraft ankommt) ist Doping deshalb ganz und gar keine neue Erscheinung – auch nicht im Mittelfeld, wie der aktuelle „Skandal“ zeigt – trotz des hohen Risikos „erwischt“ zu werden. Jetzt stehen die Sportler nicht nur im Fokus der Ermittlungen, sondern auch im Fokus der Kritik. Der ÖSV-Präsident Schröcksnadel nennt sie öffentlich „Langlauf-Trotteln“, sie seien eine Schande für den österreichischen Sportverband und darum gehe es doch beim Sport nicht. Dass es in Wahrheit sehr wohl darum geht, zeigt die eiserne Disziplin für die der ÖSV berühmt-berüchtigt ist, dass hier nichts dem Zufall überlassen wird. Und plötzlich wissen sie von nichts, wenn im Hotelzimmer gedopt wird? Gerade in den nordischen Bewerben, wo die Österreicher nicht so oft an der Spitze stehen, aber die genauso Teil des Wintersport-Image sind, weiß keiner der Herren vom ÖSV davon, wenn die Sportler wegen Leistungsdruck dopen?

Es ist kein Geheimnis, dass das ganze System des Leistungssports, die Vermarktung, Sponsoring, Tourismus und was sonst noch alles dranhängt, vor allem im Interesse des Kapitals liegt, um Jahr für Jahr ein bisschen mehr (und wenn möglich viel mehr) Gewinne herausholen zu können. Wer kann es sich leisten, ein paar Tage in Seefeld zu verbringen und wer profitiert vom Wintersport und von Großevents wie der WM? Und wer zahlt sie? Zu einem nicht geringen Teil die Steuerzahler, aber sicher nicht der Schröcksnadel, denn der profitiert davon: die Familie Schröcksnadel ist einer der größten Monopolisten bei Seilbahnen und Skiliften in Tirol! Bei der Ski-WM in Seefeld waren jeweils zwischen 200 und 400 Polizisten im Einsatz, das Rote Kreiz hatte 100 medizinische Einsätze mit über 3.500 Einsatzstunden, das Bundesheer war mit 8.000 Stunden und zusätzlich zum regulären Betrieb waren die Arbeiter der ÖBB etwa 6.300 Stunden im Einsatz.

Der ÖSV hat das Monopol auf den österreichischen Skisport, da geht es natürlich nicht einfach „nur um Sport“. Sport wird, wie alles andere im Kapitalismus, auf seinen Profit hin, auf seine Gewinne ausgeschlachtet, egal ob es dabei um die Gesundheit und das Leben der Sportler, die Auswirkungen auf die Umwelt (Schröcksnadel leugnet übrigens den Klimawandel!), oder den Zugang zum Sport für die breite Bevölkerung geht. Das ist vielen bereits bekannt, doch damit keine Kritik laut wird, sich kein Skandal rund um die Zustände im Leistungssport entwickelt, gibt es einen „Dopingskandal“ und die beiden Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf müssen als „Bauernopfer“ herhalten. Dabei wäre aber ein bloßer „Austausch“ vom ÖSV-Präsidenten Schröcksnadel durch jemand anderes keine wirkliche Lösung, sondern die Frage ist, wie der ganze Spitzensport aufgebaut ist. Denn es sind die Zustände, die alles den Interessen des Kapitals unterwerfen, die den Sport ins Absurde führen und die Bevölkerung als bloße Zuschauer im Fernsehen degradiert. Immer weniger Leute in Österreich können es sich leisten einem Wintersport (besonders Skisport) nachzugehen: waren es 1993 noch 53%, waren es 2014 nur mehr knapp 36%, die zumindest einmal im Jahr Skifahren. Der mit Geld aufgeblasene ÖSV dient nur dem Spitzensport, nicht dem Breitensport. „Schuld“ ist also nicht das „Doping“, denn es ist nur ein Symptom, sondern wie der Sport durch das Kapital verwertet wird und nun auf den Schultern der Sportler sein Image aufrechtzuerhalten versucht.

Sportbereichsübergreifende Kritik: Rapid Fans nutzen den Doping Skandal für ein Spruchband gegen die Polizei.

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(1) https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/depressionen/article/876151/druck-burn-out-trifft-jeden-10-leistungssportler.html

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