Leserbrief: Frauenmorde – Lauter Einzelschicksale?

Fünf Frauen wurden 2019 in Österreich ermordet. Das sind Zahlen die über dem normalen Durchschnitt der vergangenen Jahre liegen und diese grausamen Morde regen gerechtfertigterweise auf. Was bürgerliche Medien und VertreterInnen der Politik nun von sich hören lassen ist an Heuchelei kaum zu überbieten, ganz an der Spitze die Staatssekretärin Edtstadler die meinte „es gibt kein Patriarchat in Österreich“. Wir wollen zu diesem Thema auch in Zukunt mehr berichten und veröffentlichen einstweilen einen Leserbrief, den uns eine AfA-Leserin zukommen ließ. Schickt uns eure Meinungen!

In keinem anderen EU-Land werden so viele Frauen ermordet wie in Österreich*. Tathintergrund: Sie waren weiblich. Es gibt zwar fast nirgends so wenige Morde im Allgemeinen wie in Österreich, doch dafür umso mehr Morde an Frauen. Viel Empörung gabt es vor allem in den letzten Wochen, da schon zu Beginn 2019 alleine fünf Frauen ermordet wurden. Gemeinsam ist all diesen abscheulichen Morden, dass sie meist in der Familie oder im nahen Bekanntenkreis passieren.

Immer schwerer fällt es den Herrschenden und ihren Medien diese Morde als „Einzelschicksale“ oder „Beziehungskonflikte“ darzustellen und auch das Argument von der „importierten Gewalt“ aus dem Ausland stimmt nicht mit der Realität überein. Nicht die Nationalität oder „Fremdgehen“ sind das Bindeglied in dieser Mordserie, sondern meist, dass diese Frauen es gewagt haben sich von ihrem gewalttätigen Partner zu trennen oder sich aufzulehnen. Morde an Frauen sind jedoch nur die Spitze der patriarchalen Gewalt gegen Frauen, und es wäre falsch sie als unabhängig von der alltäglichen Gewalt gegen Frauen in Beziehungen oder Ehen darzustellen. Sie sind eingebettet in ein System in dem Frauen als privater Besitz behandelt werden, über den sowohl der Mann als auch das herrschende System (beispielsweise beim Schwangerschaftsabbruch) bestimmen können.

Die Mitleidsbekundungen die nun Vertreter der Regierung oder auch der „Opposition“ von sich geben sind furchtbarste Heuchelei, wenn man bedenkt, dass nicht nur Frauenschutzeinrichtungen in den letzten Jahren massiv gekürzt wurden sondern auch die ökonomische Lage der Frauen sich in den letzten 20 Jahren immer weiter verschlechterte, so dass die meisten Frauen keine Chance haben sich von gewalttätigen Männern zu trennen.

So furchtbar jeder dieser Morde ist, und jeder Täter seine gerechte Strafe dafür bekommen sollte, dürfen wir nicht übersehen, dass die Gewalt gegen Frauen vor allem ein beinhartes Unterdrückungsinstrument ist um die herrschende Ordnung aufrecht zu halten. Unsere gerechtfertigte Wut, unser Zorn sollte sich deshalb hauptsächlich gegen das Patriarchat richten, dem Nährboden für reaktionäre Gewalt und Mord an Frauen!

*Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung.

Najda

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