Heißer Herbst? Jeder zweite kommt mit Lohn nicht aus!

Aus der aktuellen Ausgabe der Antifaschistischen Aktion – Infoblatt:

Heißer Herbst? Jeder zweite kommt mit Lohn nicht aus!

Mit 1. September wurde der 12 Stunden Tag eingeführt, Lohnverhandlungen haben begonnen, die Kassen und medizinischen Leistungen werden gekürzt… der ÖGB kündigte einen „heißen Herbst“ an.

Vom heißen Herbst hat man bisher nicht all zu viel mitbekommen. Im Sommer gab es eine Großdemonstration mit 100.000 Leuten gegen den 12 Stunden Tag, als er nun eingeführt wurde blieb der versprochene „heiße Herbst“ allerdings aus. Er blieb auch bei der Kürzung der Kassenleistungen aus und so wie es aussieht wird er auch bei den aktuellen KV-Verhandlungen ausbleiben. Während es also kalt bleibt, wird ein Schlag nach dem anderen gegen die ArbeiterInnen gestartet und unsere wirtschaftlichen Rechte systematisch abgebaut. Der „heiße Herbst“ wurde auch nicht ausgelöst als medial verkündet wurde, dass nur jeder Zweite mit seinem Lohn auskommt!

Laut einer Auswertung der AK Oberösterreich sieht die Realität der ArbeiterInnen etwa so aus: 46% der ArbeiterInnen die in einer Studie befragt wurden gaben an, dass sie mit ihrem Lohn nicht auskommen. In manchen Berufen sind es sogar über 70% die angeben, dass ihr Lohn kaum oder gar nicht zum Leben reicht. In der Gastro sind es 74%, bei Reinigungskräften 75%, bei KassiererInnen 77% und bei FriseurInnen sogar 79%! Betroffen sind speziell Hilfsarbeiter, Frauen, Jugendliche und MigrantInnen, welche im Allgemeinen die untere Schicht der Arbeiterklasse bilden.

Die oben angeführten Zahlen wurden auf orf.at veröffentlicht, der „Standard“ berichtet ebenfalls über die Studie. Dabei lautete eine Unterüberschrift „Genug Einkommen macht glücklich“. Kurz darauf wird erklärt: „Wer nach eigenen Angaben mit dem eigenen Einkommen nur knapp oder gar nicht über die Runden kommt, ist deutlich häufiger unzufrieden mit dem eigenen Leben.“ Denn, „genug zu verdienen ist eine Voraussetzung dafür, dass man sich neben der Arbeit erfüllenden Tätigkeiten widmen kann“, heißt es weiter. Komisch, dass es unzufrieden macht, hackeln zu gehen für einen Hungerlohn, dass man nicht ganz happy ist, wenn man nicht weiß woher man die Miete oder Essen nehmen soll. Toll, dass es Studien gibt, die uns das erklären! Hinzu kommt nun auch noch der 12 Stunden Tag… und es bleibt weiter kalt. Zumindest was den ÖGB betrifft. Denn gleichzeitig gab es in den letzten drei Wochen drei Demonstrationen, mit über 10.000 Leuten, die sich gegen Sozialabbau und Rassismus stellten.

Auf einen „heißen Herbst“ brauchen wir nicht zu warten, das hat der ÖGB nicht erst einmal bewiesen, umso wichtiger ist es, sich an den Demonstrationen zu beteiligen.

Im Sommer waren 100.000 auf der Straße gegen den 12 Stunden Tag, in Oberösterreich gab es zahlreiche Aktionen und Demos gegen die Zusammenlegung der Sozialversicherungen und tausende Leute beteiligten sich an kämpferischen Demonstrationen gegen die faschistische Politik der EU-Allianz und letzten Donnerstag demonstrierten über 10.000 gegen die Regierung – das ist eine wirklich gute Ausgangslage für weitere Proteste und Kämpfe!

Mit seinem Lohn nicht auszukommen, 12 Stunden hackeln, überall überwacht zu werden… das macht zurecht grantig und wütend. Daher: kommt zu den Demonstrationen, gebt eurem Grant Ausdruck, nehmt Freunde und Bekannte mit (mindestens jeder Zweite hat einen Grund) und beginnt euch zu organisieren! Nur wenn immer besser und entschlossener an einem Strang gezogen wird, werden wir die Dinge in unserem Interesse verändern können!

Kein Warten auf den ÖGB! Vertraut in die eigene Kraft und schließt euch zusammen!

Wehrt euch und kämpft!

Lisa H.

Nichts Neues – aber nicht das Selbe.

„Was ist eingetreten in den letzten Jahren? Gestiegen ist die Arbeitslosigkeit, gestiegen sind die Preise der wichtigsten Bedarfsartikel, der Lebensmittel, der Wohnung, der Kleidung, der Verkehrsmittel, gestiegen sind die Anforderungen die heute an jeden Arbeiter an jede Arbeiterin im Betrieb gestellt werden, (….) gefallen sind die wichtigsten Errungenschaften, die sich die Arbeiterschaft in den Umsturtzjahren erkämpft hat.“ [aus „Die Arbeiterin“ November 1929, Seite 111]

Ähnlich verhält es sich heute. Wir sehen, dass Errungenschaften die sich die ArbeiterInnen erkämpft haben, wieder genommen werden – dann wenn die Arbeiterbewegung schwach ist, wenn sie durch Revisionismus und Reformismus vor lauter falschen Zugeständnisse an die Herrschenden zersetzt ist. Damals, 1929 hatte die Arbeiterklasse in Österreich eine Kommunistische Partei, die an ihrer Spitze kämpfte. Sie hatte einen schweren Start, gegen eine starke Sozialdemokratie, die es gut verstand mit linken Phrasen die Politik der Herrschenden durchzusetzen. Doch gerade Ende der 20er Jahre, als der Charakter der Sozialdemokratie von breiten Teilen entlarvt wurde und die Verhältnisse danach drängten umgeworfen zu werden, gewann die Kommunistische Partei mehr und mehr Einfluss unter den Arbeitern und Volksmassen. Das machte es ihr möglich die heldenhaften Kämpfe des Februar 1934 gegen den Austrofaschismus, sowie den erbitterten Widerstand gegen den Nazifaschismus zu organisieren und zu leiten!

Auch heute erleben wir, dass die Verhältnisse für eine große Mehrheit immer unerträglicher werden. Weltweit aber gibt es einen revolutionären Aufschwung, der sich punktuell immer wieder auch in Österreich widerspiegelt. Aber auch aus einem Funken kann ein Steppenbrand entstehen! Es ist nicht das Selbe wie damals, nicht zuletzt weil die ArbeiterInnen in diesem Land vor der wichtigen Aufgabe stehen ihre Partei wieder zu schmieden – eine Organisation, die dringend benötigt wird, um einen Brand zu entfachen!

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