80 Jahre „Anschluss“ – Für das Selbstbestimmungsrecht der Völker und Nationen!

Am 13. März 2018 jährt sich der sogenannte „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland zum 80. Mal. Leicht fällt es heute dem Bundespräsidenten, Vertretern der Regierung und diverser bürgerlicher Parteien die Eigenständigkeit Österreichs zu bekräftigen und den sogenannten „Anschluss“ als historische Grausamkeit zu verurteilen. Über die Mitschuld ihrer Parteien und der Kapitalisten verlieren sie jedoch keine großen Worte, ebenso wenig über jene Kräfte die den Widerstand gegen den „Anschluss“ führend organisierten und ihr Leben für die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit Österreichs aufopferten.

Der „Anschluss“ Österreichs war alles andere als ein „demokratisch legitimierter“ Zusammenschluss mit Nazi-Deutschland. Eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Österreichs die für den 13. März 1938 angesetzt war, wurde von den Nazis vereitelt, Hitler war der Meinung, dass diese nicht zu ihren Gunsten ausgehen würde und befehligte daraufhin den Einmarsch von 250.000 deutschen Soldaten nach Österreich für den 12. März. Statt einer Volksabstimmung wurde nun ein Vertrag zur „Widervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ zwischen dem österreichischen Nazi Seyß-Inquard und Hitler unterzeichnet. Der Einmarsch der Nazis war ein offener Verstoß gegen das damalige Internationale- und Völkerrecht, der besonders von der sozialistischen Sowjetunion unter Stalin verurteilt wurde und auch Mexiko und die Republik Spanien unterstützten diese Einschätzung. Die Geschehnisse vom 12. und 13. März zeigen deutlich, dass es sich nicht um einen „Anschluss“ gehandelt hat, sondern vielmehr um eine gewaltsame Einverleibung, eine Annexion.

Die Unzufriedenheit unter großen Teilen der österreichischen Bevölkerung gegenüber der Annexion Österreichs zeigte sich nicht nur in Widerstandaktionen der ArbeiterInnenschaft, sondern auch an den Säuberungswellen der Nazis, die anscheinend so unsicher über den tatsächlichen Rückhalt in der österreichischen Bevölkerung waren, dass sie nocheinmal „aufräumten“, bevor sie eine nachträgliche „Wahl“ inszenierten. In wenigen Tag nach dem Einmarsch wurden über 70.000 RegimegegnerInnen infhaftiert, ebenso wurden 200.000 JüdInnen und 177.000 sogenannte „Mischlinge“ von den „Wahlen“ ausgeschlossen. Alleine die antidemokratischen Methoden mit denen die Abstimmung am 10. April durchgeführt wurde, lässt darauf schließen, dass auch das Wahlergebnis von über 99% „Ja“ Stimmen weitaus nicht der Realität entspricht. Ganz deutlich wird hier, dass diese Wahlen als reiner pseudodemokratischer Aufputz inszeniert wurden, nicht um tatsächlich die Bevölkerung „entscheiden“ zu lassen. Eine ähnliche Verwendung von parlamentarischen Wahlen finden sich auch heute nicht selten, wenn wir beispielsweise nach Katalonien schauen, wo spanische Truppen einmarschierten um die Wahl zur Unabhängigkeit zu verhindern, und das Ergebnis als „illegal“ eingestuft wurde, oder auch so manche EU-Abstimmungen, die wiederholt wurden wurden, weil diese angeblich das „falsche Ergebins“ lieferten.

Die Nazis waren nicht die ersten die eine großdeutsche Lösung vertraten, und somit Österreich an Deutschland anglieder wollten. Die Austrofaschisten und an ihrer Spitze Dollfuß und später Schuschnigg bezeichneten Österreich als „zweiten deutschen Staat“, Schuschnigg unterzeichnete Verträge mit Hitler die einen Anschluss an Deutschland vorbereiteten. Ebenso waren es die Austrofaschisten, unter deren Befehl ermöglicht wurde, dass 250.000 deutsche Soldaten einen möglichst „reibungslosen“ Einmarsch vollziegen konnten. Auch die Sozialdemokraten (SDAPÖ) vertraten eine großdeutsche Lösung, Karl Renner rief sogar öffentlich dazu auf bei der inszenierten Wahl für „Ja“ zu stimmen. Der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ), und besonders dem Kommunisten Alfred Klahr ist es zu verdanken, dass der Kampf gegen den Nazi-Faschismus und damit für die Unabhängigkeit Österreichs aufgenommen wurde. Alfred Klahr wies als Erster in der Geschichte die Eigenständigkeit Österreichs nach „Die Auffassung, dass das österreichische Volk ein Teil der deutschen Nation ist, ist theoretisch unbegründet. Eine Einheit der deutschen Nation, in der auch die Österreicher miteinbezogen sind, hat es bisher nie gegeben und gibt es auch heute nicht.“ (Alfred Klahr, Zur nationalen Frage in Österreich)

Jene bürgerlichen Parteien in Österreich die während dem „Anschluss“ deutschnational gesinnt waren, schwärmen heute für ein „starkes Österreich“ und verbreiten widerlichen Patriotismus. Nicht jedoch tun sie dies aus Einsicht in das Selbstbestimmungsrecht der Völker und Nationen, sondern weil der Patriotismus heute ihren Interessen entspricht. Doppelzünglerisch muss es von all diesen Kräften gewertet werden, heute große Reden über die Ungerechtfertigkeit des „Anschlusses“ zu halten, während dessen österreichische Truppen im Ausland jeden Tag gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker und Nationen verstoßen.

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