CHILE: Mord an Aktivistin der Mapuche

Ende August letzten Jahres wurde eine Aktivistin der Mapuche kaltblütig ermordet – im Interesse des österreichischen Kapitals!

Der österreichische Konzern RP Global startete ein Projekt zum Bau von drei Wasserkraftwerken und geht dabei aggressiv, brutal und mit allen Mitteln gegen den gerechtfertigten Widerstand dagegen vor. Macarena Valdés war eine Aktivistin, die sich dagegen wehrte – sie wurde kaltblütig ermordet!

Aktivisten der „AfA-Infoblatt“ wurden durch ein Flugblatt darauf aufmerksam, in dem es heißt: „Wir unterstützen die Mapuche-Gemeinde von Tranguil und fordern, dass die Täter in Chile und ihre Auftraggeber in Europa zur Verantwortung gezogen werden. Wir fordern, dass RP Global das Projekt aufgibt und sich aus dem Mapucheland zurückzieht.“ Im Folgenden dokumentieren wir den sehr unterstützenswerten Aufruf einer Initiative zur Unterstützung der Kämpfe der Mapuche.

„Mataron a la negra“: Mord an Aktivistin Macarena Valdés

Die Mapuche-Gemeinde von Tranguil kämpft gegen ein Wasserkraftwerkprojekt auf ihrem Land. Eine Aktivistin wurde in ihrem Haus leblos aufgefunden und ihr Ableben von der Staatsanwaltschaft als Selbstmord ad acta gelegt. Erst ein alternatives Gutachten bringt ans Licht, dass es kein Freitod gewesen sein kann, sondern Mord. Macarena Valdés wurde ermordet!
Das österreichische Unternehmen RP Global plant den Bau von drei Wasserkraftwerken in der Región Panguipulli, 810 Kilometer südlich von der Hauptstadt Santiago de Chile. Dabei führt die Konstruktion der ganzen Anlage auch über das Land von zwei Mapuche-Gemeinden,die weder gefragt wurden noch ihre Zustimmung gegeben haben.
Zunächst versuchte man den Anwohnern das Projekt schmackhaft zu machen: Der Bau eines Wasserkraftwerks bringe nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch den Fortschritt in die Gegend. Als die Mehrheit der Gemeindemitglieder sich nicht überzeugen ließ, ging man dazu über die Mapuche zu bedrohen. Ein Dorn im Auge war den Befürwortern des Baus der Sprecher beider Gemeinden, Ruben Collío. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin und Aktivistin Macarena Valdés organisierte Collío den Widerstand der betroffenen Mapuche-Gemeinde. Für diese Auflehnung wurden beide zum Fokus permanenter Einschüchterung und Todesdrohungen.

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Am 23. August 2016 wird Macarena Valdés in ihrem Haus tot aufgefunden. Die Polizei geht schnell von einem Selbstmord durch Erhängen aus. Der Tod der vierfachen Mutter gibt aber viele Rätsel auf. Zwei Tage vor dem Tod von Macarena waren zwei Vertreter von RP Global bei Monica Painemilla, die rechtmäßige Landeigentümerin und die etwas Land an Macarena und Ruben gepachtet hatte. Sie verlangten von Painemilla, dass sie Ruben und Macarena den Vertrag kündigt. Zudem wird bekräftigt, dass Macarena keinen Grund hatte sich das Leben zu nehmen, weil sie an diesem Ort mit ihren gemeinsamen Kindern glücklich war. „Wir lebten unseren Traum. Wir wollten hier eine Schule für die Menschen gründen“, betont Ruben.
Die Gemeinde beantragte eine alternative Autopsie, die von der Staatsanwaltschaft abgelehnt wurde. Ruben fragte bei dem Gerichtsmediziner Pedro Calderón und Andrei Tschernitchin nach, die erste Zweifel an der Autopsie ihres Kollegen Enrique Rocco, der in zwei anderen Fällen fragwürdige Gutachten erstellt hatte. Diese Tatsache veranlasste  eine kostpielige alternative Autopsie beim renommierten Forensiker Luis Ravanal in Auftrag zu geben, der zum Schluss kam, dass die Merkmale eines Suizids durch Erhängen nicht gegeben waren: „Die Diagnose Tod durch Erhängen ist objektiv nicht haltbar, da die Beschreibung der Stellen nicht darauf schließen lassen, dass sie entstanden sind als die Person noch am Leben war“, kam Ravanal zum Schluss.

Das Gericht hat den Fall neu aufrollen lassen. Es hat auf Grundlage dieser neuen Erkenntnisse den Beschluss gefasst, dass im Falle Macarena in alle Richtungen ermittelt werden muss. Wenn Macarena kein Selbstmord gemacht hat, dann wurde sie ermordet und die Mörder sind im Umfeld von RP Global und ihrer Handlanger zu suchen.

Das RP-Global-Projekt ist vorerst stillgelegt, aber nicht aufgrund des Mordes an Macarena Valdés, sondern weil die chilenischen Vertreter des Unternehmens Umweltauflagen und Eigentumsrechte verletzt haben. Zudem missachten Staaten wie Chile und transnationale Unternehmen wie RP Global systematisch das ILO-Übereinkommen 169, wonach die ansässige indigene Bevölkerung bei solchen Projekten um Zustimmung gefragt werden muss.

Die Autopsie und die juristischen Auseinandersetzungen sind kospielig und für die Gemeinden oft kaum zu bezahlen. Daher sind die Mapuche auch auf die Solidarität in Chile und im Ausland angewiesen. Wir unterstützen die Mapuche-Gemeinde von Tranguil und fordern, dass die Täter in Chile und ihre Auftraggeber in Europa zur Verantwortung gezogen werden. Wir fordern, dass RP Global das Projekt aufgibt und sich aus dem Mapucheland zurückzieht.

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