Rot-Weiß-Rot und Frauenfußball verträgt sich nicht

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Rot-Weiß-Rot und Frauenfußball verträgt sich nicht

Nun kennt ihn jeder und er ist plötzlich in aller Munde: Der österreichische Frauenfußball. Noch vor der Europameisterschaft wurde bisher kein einziges Spiel des Frauenfußballs in Österreich in der „Primetime“ gezeigt, geschweige denn schaffte es eine Frauenschaft aufs Titelbild einer bürgerlichen Zeitung. Jetzt kann man „Ein Märchen ist wahr geworden“ und andere Kuriositäten auf den Titelblättern bestaunen. Dass der Frauenfußball in Österreich ganz und gar nichts mit einem Märchen zu tun hat, sondern sich nach wie vor im harten Kampf um seine eigene Existenz befindet, zeigt die Heuchelei die hinter dem plötzlichen Hype steht.

Der Frauenfußball ist nach wie vor ein reiner Amateursport in Österreich, selbst die Spielerinnen der Nationalmannschaft (außer denen die im Ausland spielen) müssen nebenher arbeiten gehen, und das sind wohlgemerkt die „bestbezahltesten“ Spielerinnen Österreichs. Ein Verglich zur Männerliga und deren Nationalmannschaft braucht hier wohl nicht extra angeführt werden, wo es um Millionenbeträge geht. Nicht anders sieht es mit der Nachwuchsförderung bei den Frauen aus. Die erste Förderung für Nachwuchsspielerinnen wurde erst 2001 bewilligt, nach langem Ringen der Frauenvereine. Eine Spielerin des Nationalteams berichtete, dass abseits der EM nicht einmal genug Geld da ist um auf ein Auswärtsspiel nach Vorarlberg zu fahren. Die schwierige finanzielle Lage der Frauenvereine bringt es nicht nur mit sich, dass die Qualität des Fußballspiels darunter leidet, sondern ebenso die Möglichkeit von Frauen in Fußballvereinen aktiv zu werden. Nicht umsonst sind die Spielerinnen der Nationalmannschaft meist Akademikerinnen mit gewisser finanzieller Absicherung oder kinderlos. Die Mehrheit der Frauen in Österreich hat de facto keinen Zugang zum Fußballsport, weder professionell noch als Amateurin, und das obwohl Fußball der Nationalsport Nr. 1 ist. Jetzt also den Frauenfußball mit Rot-Weiß-Rot zu vereinen versuchen, und auf ihrem Rücken auch noch patriotische Stimmung zu verbreiten, ist mehr als widerlich und unangebracht!

Österreich und Frauenfußball: Ein Sinnbild des Patriarchats

Nicht nur finanziell werden die Frauen de facto vom Fußballspielen ausgeschlossen, die weltanschauliche Haltung gegenüber Frauen im Fußball ist ein wahres Sinnbild des Patriarchats. Noch vor dem Sieg der Frauennationalmannschaft im Viertelfinale wurde von den bürgerlichen Drecksblättern mit Überschriften wie „So heiß wird die Fußballparty“ für den Frauenfußball „geworben“. Der etwas „seriösere“ Redakteur Hr. Matzinger vom Falter, nutzte den Anlass auch gleich dafür um die „biologische Minderwertigkeit“ der Frauen im Sport (und angeblich besonders im Fußball!) zu analysieren. Diese Beispiele zeigen allzu gut wie die Herrschenden in diesem Land zur Verbindung von Frauen und Fußball stehen, wenn diese nicht gerade „für Österreich“ Tore schießen und sich Profit daraus machen lässt.

Der Erfolg der Frauennationalmannschaft bei der EM ist sicherlich eine gute Gelegenheit um nach mehr Förderung für Frauenvereine zu verlangen, damit nicht nur einige wenige, sondern Frauen im Allgemeinen sich im Fußball betätigen können. Es ist ebenso ein guter Anlass zu zeigen warum die Mehrheit der Frauen in Österreich keinen Grund hat auf die patriotische Kampagne des ÖFB und der bürgerlichen Medien hereinzufallen, denn jeder gute Schritt zur Entwicklung des Frauenfußballs wurde nicht mit sondern trotz dieses frauenfeindlichen Staates erreicht.

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