20.5.1936: BERICHT DER BUNDESPOLIZEIDIREKTION LINZ

KOMMENTAR: Ein Beitrag zur Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung.

Folgender Bericht der Polizei im Austrofaschismus gibt einen guten Einblick in die Arbeit der Kommunisten damals in der Illegalität, sowie über die Wichtigkeit ihrer Propagandamaterialien:

AUS: BERICHT DER BUNDESPOLIZEIDIREKTION LINZ AN DIE GENERALDIREKTION FÜR DIE ÖFFENTLICHE SICHERHEIT BETREFFEND FRIEDRICH KAMMERER AUS LINZ UND SEINE AKTIVITÄTEN FÜR DIE KPÖ; 20.5.1936

Friedrich Kammerer entfaltete seitdem Verbote der kommunistischen Partei für diese eine äußerst rege illegale Tätigkeit. Er gehörte bereits vor dem Verbote der KP als Mitglied an und war unter anderem auch Landesleiter für Oberösterreich vom „Bund proletarischer Solidarität“. Nach der Februarrevolte wurde Kammerer in der illegalen kommunistischen Bewegung Landespropagandaleiter. Als solcher treibt er sich seitdem Vorjahre in Oberösterreich umher und erscheint überall dort, wo entweder die Propagandatätigkeit der illegalen Bewegung durch Festnahme von Funktionären unterbunden wurde oder wo überhaupt die kommunistische Organisation noch nicht ausgebaut ist. Er hat in verschiedenen Orten Oberösterreichs kommunistische Zellen errichtet und diese fortlaufend mit kommunistischen Propagandamaterial versorgt. Bei Ausübung seiner Tätigkeit legte er sich unter anderem die Decknamen „Pagat“ und „Fritzolin“ bei. Er gibt sich gerne als ledig aus und dürfte mit falschen Dokumenten versehen sein. In seiner Eigenschaft als Landespropagandaleiter hielt er im Mai oder Juni 1934 im Hause des Schuhmachergehilfen Othmar Fenzl, Lest Nr. 34, Bezirk Freistadt, wohnhaft, mit mehreren Gesinnungsfreunden eine kommunistische Versammlung ab, deren Zweck die Errichtung einer Untergebietsleitung für das Gebiet von Freistadt und Gallneukirchen war. Nach Angabe Fenzls wurden in dieser Versammlung der Schlossergehilfe August Schiesser, Gallneukirchen Nr. 119 wohnhaft, zum Untergebietsleiter und der Hilfsarbeiter Johann Punzenberger, Gallneukirchen 182 wohnhaft, zum Kurier und Verbindungsmann bestellt. Dieser Untergebietsleitung hat Kammerer auch 2 Vervielfältigungsapparate zur Verfügung gestellt und bis zum Herbst 1934 auch kommunistisches Propagandamaterial nach Freistadt und Gallneukirchen bringen lassen. Am 12. September 1934 wurde der Kurier Punzenberger in der Wohnung Kammerers in dem Augenblicke festgenommen, als er diesem einen wichtigen Brief mit kommunistischen Parteiweisungen aus der Tschechoslowakei überbringen wollte. Auch in St. Valentin, Bezirk Amstetten, hat Kammerer eine Untergebietsleitung geschaffen und den in Langenhart Nr. 14, Gemeinde St. Valentin, wohnhaften Tischlergehilfen Friedrich Gruber, derzeit beim Landesgericht Linz in Strafhaft, zum Gebietsleiter und Verbindungsmann zwischen Linz und Steyr bestell. Auch Gruber hat bis zum Frühjahr 1935 von Kammerer größere Mengen kommunistischen Propagandamaterials erhalten. Über Auftrag Kammerers hat Gruber auch in Enns, Mauthausen und Ried bei Mauthausen kommunistische Zellen errichtet und das erhaltene Material in diesen Orten zur Verbreitung gebracht. Gruber stand auch über die Deckadresse des Hafenarbeiters Ferdinand Brunnbauer, Linz, Franckstraße Nr. 76, wohnhaft, in brieflichem Verkehr mit Kammerer und hat von diesem wiederholt Briefe, mit Geheimtinte geschrieben, erhalten.

Im Sommer 1934 hat Kammerer auch in Thening, Bezirk Linz, eine kommunistische Zelle errichtet und den Hilfsarbeiter Josef Hautzenberger, Thening Nr. 16 wohnhaft, zu deren Obmann bestellt. Auch diese Zelle belieferte Kammerer bis zum Februar 1935 mit Propagandamaterial und hat zu dessen Überbringung einen bisher unbekannten Verbindungsmann aus Traun bei Linz benützt. Im Winter dieses Jahres trieb sich Kammerer durch etwa 3 Monate in Ried im Innkreis und im anschließenden Kohlenrevier umher. Er stand auch mit dem zum Tode verurteilten Kommunisten Otto Reisl aus Eberschwang, der im Februar dieses Jahres den Anschlag auf die Hochspannungsleitung in Ried verübt hat, in enger Verbindung. Bei den in letzter Zeit in Ried gepflogenen Erhebungen konnte nunmehr einwandfrei festgestellt werden, dass Kammerer als Anstifter zu dem erwähnten Lichtanschlag in Betracht kommt, da er am 7. Oder 8. Februar 1935 in der Wohnung Otto Reisls in Eberschwang eine Besprechung mit mehreren kommunistischen Parteigängern abhielt und hierbei Weisungen zur Durchführung dieses Anschlages erteilte.

Im Vorjahre gehörte Kammerer auch der damaligen Stadtleitung der KP in Linz an. Bei der im September 1934 erfolgten Festnahme der kommunistischen Landesleitung Oberösterreichs in Linz gelang es Kammerer zu flüchten. Seit dieser Zeit treibt er sich als kommunistischer Agitator in den österreichischen Bundesländern umher.

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