Lenin über Eugène Pottier

Eugène Pottier

Zum fünfundzwanzigsten Jahrestag seines Todes, von W. I. Lenin

Im November vorigen Jahres, des Jahres 1912, waren seit dem Tode des französischen Arbeiterdichters Eugène Pottier, des Verfassers des berühmten proletarischen Liedes „Die Internationale“ („Wacht auf, Verdammte dieser Erde“ usw.), 25 Jahre vergangen. Dieses Lied ist in alle Sprachen Europas und nicht nur Europas übersetzt. In welches Land ein klassenbewusster Arbeiter auch geraten, wohin ihn sein Schicksal auch verschlagen, wie sehr er sich auch als Fremder fühlen möge, ohne Kenntnis der Sprache, ohne vertraute Menschen, fern von der Heimat – mit der bekannten Weise der „Internationale“ kann er Genossen und Freunde finden.  Die Arbeiter aller Länder haben das Lied ihres Vorkämpfers, des proletarischen Dichters, zu ihrem Lied, zum Lied des Weltproletariats gemacht. Und die Arbeiter aller Länder ehren jetzt Eugène Pottier. Seine Frau und Tochter leben noch und leben in Armut, wie der Verfasser der „Internationale“ sein ganzes Leben gelebt hat. (…) Im Jahre 1848 nahm er als Barrikadenkämpfer an der großen Schlacht der Arbeiter gegen die Bourgeoisie teil. (…) Seit 1840 fanden alle großen Ereignisse im Leben Frankreichs ihren Widerhall in seinen Kampfliedern; er weckte das Bewusstsein der Zurückgebliebenen, rief die Arbeiter zur Einheit und geißelte die Bourgeoisie und die bürgerlichen Regierungen Frankreichs. Während der großen Pariser Kommune (1871) wurde Pottier zum Mitglied der Kommune gewählt. Von 3600 Stimmen wurden 3352 für ihn abgegeben. An allen Maßnahmen der Kommune, dieser ersten proletarischen Regierung, wirkte er mit. Der Fall der Kommune zwang Pottier, nach England und Amerika zu fliehen. Das berühmte Lied „Die Internationale“ schrieb er im Juni 1871, man kann sagen, am Tage nach der blutigen Mainiederlage (…)  Die Kommune war niedergeworfen…aber die „Internationale“ Pottiers hat die Ideen der Kommune in die ganze Welt getragen, und heute ist sie lebendiger denn je. (…) Am 8. November 1887 gaben die Pariser Arbeiter den sterblichen Überresten Eugène Pottiers das Geleit zum Friedhof Père Lachaise, wo die erschossenen Kommunarden begraben sind. Die Polizei versuchte, den Arbeitern die rote Fahne zu entreißen, und veranstaltete eine blutige Schlägerei. Eine riesige Menge nahm an dem Zivilbegräbnis teil. Von allen Seiten ertönte der Ruf: „Es lebe Pottier!“  Pottier starb in Armut, aber er hat sich ein wahrhaft unvergängliches Denkmal gesetzt. Er war einer der größten Propagandisten mittels des Liedes. Als er sein erstes Lied dichtete, wurden die sozialistischen Arbeiter höchstens nach Dutzenden gezählt. Heute kennen Dutzende Millionen Proletarier das historische Lied Eugène Pottier (…)

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